08.11.12

Grünes Berlin

Senat will 10.000 Bäume pflanzen - und hofft auf Spenden

Pro Jahr verliert Berlin 1500 Bäume. Für Neuplanzungen aber fehlt das Geld: Deshalb dürfen sich Spender den Standort ihres Baumes aussuchen.

Von Markus Falkner
Foto: dpa

Bunt: Im Herbst leuchten die Berliner Bäume. Doch ihre Zahl sinkt seit Jahren
Bunt: Im Herbst leuchten die Berliner Bäume. Doch ihre Zahl sinkt seit Jahren

Die Zierkirsche an der Große-Leege-Straße ist Baum Nummer eins. Nummer eins von 10.000. So viele neue Straßenbäume will der Senat bis Anfang 2017 pflanzen, das hatten die Koalitionspartner SPD und CDU vor einem Jahr so vereinbart. Die Zahl entspricht etwa dem Schwund an Berliner Stadtbäumen, die der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in seinem jüngst veröffentlichten "Baumreport 2010/2011" für die Jahre 2005 bis 2011 errechnet hatte. Hauptgründe für den Verlust sind Krankheiten, Schädlingsbefall und Überalterung. "Diesen Verlust wollen wir nun ausgleichen", sagte Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) am Mittwoch. An diesem regnerischen Novembernachmittag in Hohenschönhausen machte Müller den Anfang – mit eben jener Zierkirsche.

Noch in diesem Herbst lässt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 800 Bäume pflanzen, zunächst in Lichtenberg, Pankow, Reinickendorf und Treptow-Köpenick, im kommenden Frühjahr sind Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg und Neukölln dran, im Herbst 2013 folgen Spandau, Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf und Marzahn-Hellersdorf.

1000 Euro pro Baum

500.000 Euro stehen dafür jährlich aus dem Programm "Strategie Stadtlandschaft" zur Verfügung. Bei durchschnittlichen Kosten von 1000 Euro pro Baum – für Pflanzung und Pflege in den ersten drei Jahren – geht die Rechnung nicht auf, das weiß der Senator. In künftigen Haushaltsverhandlungen will er versuchen, die Mittel aufzustocken. Vor allem aber setzt Müller auf das Engagement der Berliner.

Nur die erste Pflanzaktion in diesem Herbst soll komplett aus Landesmitteln finanziert werden. Vom Frühjahr an hofft der Senat auf Spenden. Wer 500 Euro spendet, kann sich den Standort "seines" Baumes aussuchen. Das Land schießt dann die fehlenden 500 Euro zu. Kleinere Spenden sollen zusammengefasst werden. Müller hofft aber auch auf deutlich höhere Summen. Der Energieversorger Vattenfall habe bereits eine größere Spende zugesagt, sagte Müller. Weitere Unternehmen sollen folgen.

1500 Bäume pro Jahr weniger

Wohl nur mithilfe von außen kann der negative Trend nachhaltig gestoppt werden. Denn: Selbst wenn der Senat es schafft, 10.000 Bäume zu pflanzen, reicht das gerade einmal, um den schon entstandenen Schaden auszugleichen. In seinem Baumreport beziffert der BUND den Verlust an Straßenbäumen auf 10.359 seit 2005. Auch wenn die Zahl der Neupflanzungen zuletzt etwas gestiegen ist, verliert die Stadt immer noch durchschnittlich 1500 Bäume pro Jahr. Den Bezirken fehlt das Geld, um in allen Fällen neue Bäume zu pflanzen. In Lichtenberg etwa reichen die Mittel pro Jahr für etwa 60 neue Bäume, wie Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD) am Mittwoch bestätigte. Allein 2010 und 2011 wurden in seinem Bezirk aber laut BUND-Report mehr als 650 Bäume gefällt. "Alle Bezirke begrüßen daher die Kampagne des Senats", sagte Geisel. Sie dürften aber ihr eigenes Engagement auch nicht zurückschrauben. "Die Kampagne wirkt nur, wenn die Bäume tatsächlich zusätzlich gepflanzt werden."

Nach Berechnungen des BUND wurden in den meisten Bezirken seit 2005 deutlich mehr Bäume gefällt als neu gepflanzt. Ausnahmen sind Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg. Für die vergangenen zwei Jahre fiel die Bilanz etwas positiver aus. In Friedrichshain-Kreuzberg, Reinickendorf, Steglitz-Zehlendorf und Treptow-Köpenick wurden 2010 und 2011 mehr Bäume gepflanzt als gefällt.

Experten erwarten Verschärfung der Situation

In den kommenden Jahren wird sich die Situation aber nach Einschätzung von Experten verschärfen. Die durchschnittliche Lebensdauer von Straßenbäumen liegt bei 60 bis 70 Jahren. Viele Berliner Bäume wurden in der Nachkriegszeit gepflanzt und erreichen nun das kritische Alter. Nach aktuellen Zahlen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sind 40 Prozent der Berliner Straßenbäume bereits älter als 40 Jahre.

Laut der jüngsten Zählung säumen knapp 440.000 Bäume die Berliner Straßen. Die meisten Straßenbäume hat Steglitz-Zehlendorf (63.674), die wenigsten Friedrichshain-Kreuzberg (15.789). 36 Prozent der Berliner Straßenbäume sind laut der Statistik Linden. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Ahorn (20 Prozent) und Eiche (neun Prozent).

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