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Feiern
Wowereit greift Bund wegen Mauerfall-Jubiläum an
Dienstag, 29. September 2009 11:17
Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit wirft dem Bund vor, die Feiern zum 20. Jahrestag des Mauerfalls allein Städten wie Leipzig und Berlin zu überlassen. Von Bundesregierung und Bundestag vermisse ihr entsprechende Planung zum Jubiläum.
9. November 1989: Am Tag der Grenzöffnung feiern tausende Menschen auf, vor und hinter der Berliner Mauer am Brandenburger Tor. Die innerdeutsche Grenze, die das Land seit 1961 geteilt hat, hört praktisch auf zu existieren.
"Achtung, Sie verlassen jetzt West-Berlin" ist auf dem Schild zu lesen. Aber solche Hinweise interessieren die Menschen in der Nacht als die Mauer fiel wenig. Überglücklich feiern sie die Grenzöffnung.
Unruhe vor dem Sturm: In der ganzen DDR protestieren 1989 Bürger gegen das SED-Regime. Hier diskutieren Egon Krenz (l.) und Günther Schabowski mit Demonstranten. Am Abend des 9. November verkündete Schabowski dann in einer historischen Pressekonferenz die Reisefreiheit für DDR-Bürger.
Die DDR-Grenzer lassen die Menschen nach West-Berlin passieren. Ein Trabbi-Fahrer aus Ostdeutschland nutzt in der Nacht vom 09. auf den 10. November die Gelegenheit. Jubelnde Menschen empfangen ihn.
Noch in der Nacht vom 9. auf den 10. November drängen Tausende an die innerstädtische Grenze. Eine riesige Party beginnt. Sie dauert - wie hier am Potsdamer Platz - viele Wochen.
Am Tag nach der Grenzöffnung reicht ein Berliner am Checkpoint Charlie zwei DDR-Grenzsoldaten die Hand. Die beiden scheinen verunsichert, bleiben mit hinter dem Rücken verschränkten Armen stehen.
Nach der Öffnung der deutsch-deutschen Grenze nutzten viele DDR-Bürger die neue Freiheit zu einem Kurzbesuch in Westdeutschland. Menschenmassen schoben sich auch über den Berliner Kurfürstendamm.
Egon Krenz war der letzte Generalsekretär des ZK der SED. Am 18. Oktober 1989 löste er Staats- und Parteichef Erich Honecker ab. In dieser Funktion versuchte Krenz vergeblich, die DDR durch Reformen am Leben zu erhalten. Anfang Dezember 1989 trat Krenz von seiner Politbürofunktion und als Vorsitzender des Staatsrates zurück.
Die deutsche Teilung: Bauarbeiter der DDR errichten am 13. August 1961 in Berlin die erste, provisorische Mauer. Die Abriegelung der Grenzen zur Bundesrepublik hatte am frühen Morgen desselben Tages begonnen.
Zwei ostdeutsche Arbeiter drücken am 22. August 1961 Glasscherben in die 4,5 Meter hohe Mauer. Das Bauwerk sollte Berlin und Deutschland für mehr als 28 Jahre teilen.
Zwei West-Berliner Mädchen sprechen 1961 mit ihren Großeltern im Ostteil der Stadt. Die trennende Grenze bestand anfangs in einigen Teilen der Stadt zunächst "nur" aus Stacheldraht.
Familien wurden nach dem Mauerbau für Jahre auseinander gerissen. Hier winken zwei West-Berliner Mütter ihren Kindern und Enkelkindern im Ostteil im Ostteil der Stadt zu (August 1961).
Nach dem Mauerfall legten täglich Tausende Berliner und Touristen aus der ganzen Welt selbst Hand an am Abriss der Betonmauer. Mit Hammer und Meißel rücken sie dem spezialgehärteten Stahlbeton zu Leibe (Foto Juni 1990).
18 Jahre nach dem Fall der Mauer stehen nur noch wenige Originalteile der innerdeutschen Grenzanlagen, wie hier an der sogenannten East-Side-Gallery im Berliner Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain.
Spaziergänger laufen an dem Mauer-Mahnmal am Checkpoint Charlie in Berlin vorbei (Archivfoto). Mehr als 1000 Holzkreuze erinnerten 2004-05 am ehemaligen Grenzübergang an der Friedrichstraße an die Mauer-Toten, dann wurden sie wieder abgerissen.
Aus dem Straßenbild verschwunden: Nur ein schmales Metallband erinnert noch vor dem Brandenburger Tor an den Verlauf der Mauer.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat der Bundesregierung
vorgeworfen, den 20. Jahrestag des Mauerfalls ungenügend im Blick zu haben.
„Mir ist, ehrlich gesagt, noch nicht ganz klar, welche Aktivitäten die
Bundesregierung und der Bundestag planen“, sagte Wowereit.
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Es sei ja nicht erst seit heute bekannt, dass am 9. November 1989 die Mauer
fiel und friedliche Revolution war, so der SPD-Politiker. „Ich denke, dass
es gut wäre, wenn auch die Bundesebene den 20. Jahrestag des Mauerfalls
gebührend begeht, und das nicht nur Veranstaltungen in Leipzig, Berlin oder
sonst wo überlässt.“
Berlin habe sich rechtzeitig vorbereitet, sagte Wowereit. Das Jubiläumsjahr
hatte mit dem Projekt „Schauplätze - 20 Jahre Berlin im Wandel“ begonnen. Im
Mai wurde auf dem Alexanderplatz eine Open-Air- Ausstellung zur friedlichen
Revolution in der DDR eröffnet. Am Originalschauplatz der
Massendemonstration von DDR-Bürgern am 4. November 1989 wird der Weg vom
Fall der Mauer bis zur Wiedervereinigung gezeigt.
Am 9. November soll am Brandenburger Tor die Mauer symbolisch noch einmal
einstürzen. Bei der Aktion zum Jubiläumstag des Mauerfalls werden mehr als
1000 bemalte, übermannsgroße Segmente wie Dominosteine umfallen. Die rund
zwei Kilometer lange Kette aus Kunststoff-Teilen soll vom Reichstag über das
Brandenburger Tor bis zum Potsdamer Platz reichen.
Derzeit bemalen Schüler, Jugendclubs und Unternehmen die „Mauerteile“. Sie
sollen sich auf diese Weise mit der friedlichen Revolution
auseinandersetzen. Nach Worten von Wowereit soll mit der Aktion gegen das
Vergessen gewirkt werden.
Der SPD-Politiker sagte, er erinnere sich noch deutlich an seine
„unbeschreibliche Gefühlslage“ am Tag des Mauerfalls. „Wer heute noch
meckert über irgendetwas im Zusammenhang mit der Deutschen Einheit, der soll
sich erinnern an diese Glücksmomente, die wir alle hatten, als man fremde
Menschen umarmt hat und glücklich war“, meinte Wowereit.dpa/apä