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Berliner Bauten
Denkmalamt stimmt gegen Abriss der Deutschlandhalle
Donnerstag, 28. Mai 2009 17:52
- Von Brigitte Schmiemann
Im Streit um den geplanten Abriss der Deutschlandhalle hat die Messe Berlin einen Dämpfer erhalten. Die Charlottenburger Denkmalschutzbehörde wirft dem Betreiber vor, sich nicht genügend für Erhalt und Nutzung des Gebäudes eingesetzt zu haben. Das Denkmal darf nur dann abgerissen werden, wenn sein Erhalt wirtschaftlich unzumutbar ist.
Die Deutschlandhalle wurde 1935 zu den Olympischen Spielen von Franz Orthmann und Fritz Wiemer für 10.000 Zuschauer als "größte Mehrzweckhalle der Welt" errichtet.
Die deutsche Flugpionierin Hanna Reitsch führte 1938 in einer Revue den Hubschrauber FW61 vor. Reitsch stellte mit dem FW61 sämtliche für Drehflügler möglichen Weltrekorde auf. In der Deutschlandhalle demonstrierte sie auf einer Fläche von 100 mal 40 Metern vor tausenden Zuschauern Vorwärts-, Rückwärts-, Seitwärts- und Schwebeflug.
Im Krieg fielen während einer Vorstellung von "Menschen Tiere Sensationen" Bomben auf die Halle. Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt nannte sie bei der Wiedereröffnung im Oktober 1957 "ein Symbol für den Lebenswillen der geteilten Stadt".
In der Folge fanden legendäre Konzerte und Wettkämpfe in der Deutschlandhalle statt, so etwa der Schau-Kampf von Box-Weltmeister Muhammad Ali (l.) gegen den deutschen Box-Meister Georg Butzbach am 4. Juni 1979.
Im November 1967 fand der Bistumstag in der Deutschlandhalle statt. Bischof Kurt Scharf (l.) im Gespräch mit dem katholischen Ostberliner Erzbischof Alfred Kardinal Bengsch und dem Berliner Senator für Wissenschaft und Kunst, Werner Stein (r.).
Es folgte die Sendung "Der Goldene Schuss" mit Showmaster Vico Torriani und seinen Assistentinnen Ina, Barbara und Alexandra (v.l.). Mit der 25. Ausgabe der ZDF-Show in der Deutschlandhalle kam am 25. August 1967 die farbige Fernsehwelt in die deutschen Wohnzimmer.
Auch das Sechstagerennen fand damals in der Deutschlandhalle statt. Das belgische Duo Eddy Merckx (r) und Patrick Sercu (l) gewann 1977. In ihre Mitte: Klaus Bugdahl, der erfolgreichste deutsche Sechstagefahrer, der nach 218 Rennen mit 37 Siegen seine Profi-Laufbahn beendete.
1998 wurde die Halle dann geschlossen und wegen Baufälligkeit zum Abriss vorgesehen, jedoch nach dem Abriss der benachbarten Eissporthalle 2001 ersatzweise zur temporären Eissportarena umgebaut. Zum Abschluss der Umbauarbeiten testete die Senatorin für Wirtschaft und Technologie, Juliane Freifrau von Friesen, das Eis.
2005 wurde die Halle dann erneut geschlossen wegen angeblicher Einsturzgefahr des Daches. Nach Belastungstests gab es jedoch Entwarnung, und ab März 2006 fand wieder Eissport in der Deutschlandhalle statt.
Basketball, Reiten - oder auch Tennis. Kaum eine Sportart fand in der Halle nicht ihr Zuhause. 1991 wurde hier das Tennis-Daviscup-Viertelfinale zwischen Deutschland und Argentinien ausgetragen.
Formel-1-Pilot Heinz-Harald Frentzen steuerte 1995 seinen Kart beim ADAC-Super-Kart-Festival in einer rasanten Kurvenfahrt auf dem Kurs in der Berliner Deutschlandhalle.
Die britische Königin Elisabeth II. besuchte am 20.Oktober 1992 mit Prinz Philip (r.) und dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (l.) in der Deutschlandhalle das militärische Zeremoniell British Tattoo.
Vor allem während der Musikmesse Popkom gaben sich Topmusiker in der Deutschlandhalle die Klinke, beziehungsweise das Mikrofon, in die Hand, hier die "Sportfreunde Stiller".
Zu Tausenden Veranstaltungen kamen weit mehr als 30 Millionen Besucher in die Deutschlandhalle. Nun ist ihr Ende beschlossen. Die Vorbereitungen für den Abriss werden umgehend eingeleitet.
Der Abriss der Deutschlandhalle verzögert sich. Am Donnerstag hat die
Denkmalschutzbehörde Charlottenburg-Wilmersdorf den Abbruch-Antrag der Messe
Berlin abgelehnt. Die Pflicht zur Erhaltung des Denkmals würde nur bei einer
wirtschaftlichen Unzumutbarkeit entfallen. Doch diese liegt nach
Einschätzung der Behörde nicht vor, da „der Eigentümer und der Nutzer die
Instandhaltung des Baudenkmals absichtlich jahrelang unterlassen hat“. Wie
Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) mitteilte, hätte die Denkmalschützer
die Argumentation der Messe nicht überzeugt, sie benötige die Fläche für den
Neubau einer Ausstellungshalle. Bis heute gebe es etliche nicht genutzte
Reserveflächen auf dem Messegelände.
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Unterstützung erhält der Bezirk vom Rat für Stadtentwicklung. Er fordert, das
Wettbewerbsverfahren für eine neue Ausstellungshalle auf dem Areal der
Deutschlandhalle „unverzüglich zu beenden“. Stattdessen soll ein
Interessenbekundungsverfahren für potenzielle Betreiber der Deutschlandhalle
eingeleitet werden. Uwe Hameyer, Mitglied des Rates, schlägt zudem vor,
Instandsetzung und Umbau der Deutschlandhalle in drei Gutachten zu
untersuchen.
Über die Ablehnung des Abriss-Antrages muss nun
das Landesdenkmalamt entscheiden. Gröhler hoffe, dass es dabei fachlich
entschieden wird und nicht nur aufgrund politischer Anweisungen. „Noch kann
die traditionsreiche Deutschlandhalle gerettet werden“, sagte er.
Gleichzeitig hat sich herausgestellt, dass der Bau der geplanten
Ersatzsporthalle am Erika-Heß-Stadion in Wedding wesentlich teurer als
angenommen werden würde. Der Eissportverband spricht von annähernd zwei
Millionen Euro. Darin sind die Betriebskosten noch nicht enthalten. Zum
Vergleich: Die jährliche Bewirtschaftung der Deutschlandhalle für den
Eissport liegt bei rund 1,1 Millionen Euro.
Charlottenburg-Wilmersdorf wird auf dem Parkplatz „P 9“ an der
Glockenturmstraße eine neue Eissporthalle bauen. Doch die wird nicht vor
2011 fertig. Angesichts der explodierenden Kosten für die Ersatzvariante in
Wedding forderte der Vize-Chef des Berliner Eissport-Verbandes, Dieter Matz,
„das Geld nicht zum Fenster rauszuwerfen“ und die rund 600 Eissportler
während der zweijährigen Übergangszeit weiter in der Deutschlandhalle
spielen zu lassen. Die Eissportler hatten Ende April in letzter Sekunde die
angemieteten LKWs gestoppt, mit denen ihre Habe aus der Deutschlandhalle
entfernt werden sollte, als bekannt wurde, dass die Übergangslösung
vermutlich wesentlich teurer werden sollte. Matz glaubt nicht mehr daran,
dass der von der Senatsverwaltung zugesagte Ersatz in Wedding zum
Saisonstart am 1. August überhaupt noch fertig werden könnte: „Wenn wir
jetzt anfangen würden mit der Ersatzhalle, wäre sie frühestens zu Anfang
November fertig. Wenn Training und Spielbetrieb von acht zusätzlichen
Mannschaften in den Berliner Eissporthallen untergebracht werden müsste,
käme das einer Katastrophe für den Berliner Eissport gleich.“
„Mit den Sportlern darf doch nicht wie auf einem Verschiebebahnhof umgegangen
werden“, sagte Carsten Engelmann, sportpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion
im Bezirk. Ein heutiges Krisentreffen zur Klärung der Finanzen für die
Ersatzsporthalle wollte die Senatssportverwaltung am Donnerstag nicht
bestätigen. In jedem Fall wird das Thema aber ab 11 Uhr im Sportausschuss
des Abgeordnetenhauses besprochen.