08.10.12

Nach Epidemie

Politiker machen sich für Schulessen aus der Region stark

Erdbeeren aus China gelten als Auslöser für die Erkrankungen an Kitas und Schulen. Berliner Politiker fordern, auf regionale Produkte zu setzen.

Foto: picture alliance

Schulessen lieber vor Ort anbauen: Sibyll Klotz kritisiert die traditionelle Tiefkühlkost
Schulessen lieber vor Ort anbauen: Sibyll Klotz kritisiert die traditionelle Tiefkühlkost

Die Brechdurchfall-Epidemie in Ostdeutschland hat eine Debatte über regionale und saisonale Produkte für das Schulessen entfacht. "Warum bekommen unsere Schulkinder chinesische Erdbeeren auf den Teller und nicht frische Äpfel oder Rhabarberkompott?", fragte der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir am Sonntag.

Für regionale Erzeugnisse machte sich auch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) gegenüber Morgenpost Online stark. Tiefgefrorene Erdbeeren aus China gelten seit Freitag als Auslöser für die massenhaften Erkrankungen. Ein endgültiger Nachweis steht noch aus.

Mit einem Ergebnis der Untersuchungen wird diese Woche gerechnet, wie Holger Eichele vom Bundesverbraucherministerium sagte. Mehr als 700 verdächtige Lebensmittelproben seien bereits auf Keime geprüft worden.

Nach Recherchen der "Bild am Sonntag" kamen die Erdbeeren aus Qingdao. Die rund 11.000 Erkrankten dürfen jetzt immerhin auf eine Entschädigung der Cateringfirma Sodexo hoffen. Wie die aussieht, gab das Unternehmen allerdings noch nicht bekannt.

Schulen mit eigener Küche

"Es stellt sich doch die Frage, warum wir tiefgefrorenes Essen durch die Gegend fahren", sagt Sibyll Klotz (Grüne), Gesundheitsstadträtin in Tempelhof-Schöneberg. "Wir sollten lieber auf regionale und saisonale Produkte zurückgreifen und diese frisch, möglichst vor Ort in den Schulen und Kindertagesstätten, zubereiten."

Wichtig dabei sei auch, die Kinder und Jugendlichen mit einzubeziehen. "Wir sollten die Kinder lernen lassen, wie die Produkte aussehen, bevor sie in einer Dose verschwinden beziehungsweise ihnen beibringen, frische Lebensmittel zuzubereiten." Klotz fordert eine deutliche Qualitätsverbesserung beim Essen für Schulen und Kitas.

Cem Özdemir fordert weiter, dass der Bund den Ländern und Kommunen bei der Finanzierung von Schulessen helfen müsse. Dazu müsse das Kooperationsverbot aufgehoben werden. Ziel sei, dass künftig jede Schule in einer eigenen Küche frische Mahlzeiten zubereiten kann.

Der Ernährungswissenschaftler Volker Peinelt, der seit Jahren über Schulessen forscht, kritisiert die geringen Budgets für die Mahlzeiten. Bundesweit lägen sie zwischen 2 und 3,50 Euro pro Kind.

"Da muss ich natürlich beim Einkauf sehen, dass ich den billigsten Anbieter erwische. Und dann habe ich eben nicht die volle Sicherheit", meinte der Fachmann. Auch Familienministerin Kristina Schröder (CDU) forderte eine rasche Überprüfung.

Quelle: ag/dpa
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