06.10.12

Magen-Darm-Epidemie

Berliner Kitas bestellen ihr Essen wieder bei Sodexo

Die Quelle der Durchfall-Welle ist offenbar gefunden. Ab Montag werden Kitas und Horte in Berlin wieder beliefert. Die Verträge laufen bis 2013.

Von Andreas Gandzior
Foto: dapd
Catering-Unternehmen Sodexo wirft Behoerden Informationschaos vor

Die Berliner Bezirke werden ihre bestehenden Verträge mit dem Schulessen-Caterer Sodexo erfüllen und ab kommendem Montag wieder Schulen, Kindertagesstätten und Horte mit Essen beliefern lassen. Die Empfehlung des Senats, auf das Schulessen des Zulieferers zu verzichten, war am Donnerstag aufgehoben worden.

Am Freitag wurde nun bekannt, dass die massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen wahrscheinlich durch Erdbeerkompott verursacht wurden. Die epidemiologischen Untersuchungen hätten ergeben, dass die Erkrankungen in allen betroffenen Bundesländern "mit hoher Wahrscheinlichkeit" auf Tiefkühl-Erdbeeren zurückzuführen seien, sagte eine Sprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Verbraucherschutz am Freitagabend. Die Erdbeeren wurden als Nachtisch oder als Beilage von Schulessen angeboten.

Es gibt dem sächsischen Verbraucherschutzministerium zufolge keine Hinweise, dass die betroffene Ware in den Einzelhandel gelangt ist. Sie wurde nur an Großküchen geliefert. Einzelverbraucher sind nicht betroffen.

Um die Ursache zu finden, waren in den vergangenen Tagen mehrere Hundert Lebensmittelkomponenten in den betroffenen Bundesländern getestet worden. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts erkrankten insgesamt rund 11.200 Menschen. Betroffen waren auch 2700 Kinder und Jugendliche in Berlin sowie 3500 in Brandenburg.

Sodexo verspricht Entschädigungen

Das in die Kritik geratene Catering-Unternehmen Sodexo kündigte an, die Auswahl seiner Lieferanten "strikter handhaben" zu wollen. Zugleich bedauerte Sodexo die Vorfälle: "Wir entschuldigen uns in aller Form bei den betroffenen Kindern und Familien." Zudem sollen die Betroffenen entschädigt werden. Um Vorfälle dieser Art künftig zu vermeiden, "werden wir alles technisch und organisatorisch Machbare unmittelbar umsetzen", hieß es weiter.

Die in der vergangenen Woche nach dem Ausbruch der Magen-Darm-Epidemie vorsorglich geschlossenen Großküchen von Sodexo in Berlin sind bereits am Donnerstag wieder geöffnet worden.

Verträge laufen bis Sommer 2013

"Es gibt keine juristische Grundlage, bestehende Verträge zu kündigen", sagt Elfi Jantzen (Grüne), Schulstadträtin in Charlottenburg-Wilmersdorf. "Die Verträge mit Sodexo laufen noch bis Ende dieses Schuljahres." In Charlottenburg-Wilmersdorf werden fünf Schulen von Sodexo beliefert. "Eine von ihnen möchte den Caterer wechseln", sagt die Stadträtin. "Das wollte diese Schule aber bereits vor den Vorfällen." Da aber das Bezirksamt Vertragspartner ist und nicht die Schule, kann die Schule die Lieferung nicht eigenmächtig fristlos kündigen. Im Bezirk bereite man gerade die Ausschreibungen für das kommende Schuljahr vor, beginnt aber noch nicht mit der Suche nach einem neuen Lieferanten. Dafür wolle man die Gespräche mit der Senatsverwaltung zum Thema Schulessen und Kosten abwarten, so die Stadträtin.

"Die Eltern der Wald-Grundschule engagieren sich seit längerem dafür, dass beim nächsten möglichen Wechsel eine Veränderung beim Schulessen erwirkt werden kann", sagt Günter Peiritsch, Vorsitzender des Landeselternausschusses. "Spätestens wenn die Verträge mit Sodexo abgelaufen sind, wollen die Eltern einen anderen Anbieter." Nach den Vorfällen mit der Catering-Firma "nehmen wir den Ball auf und fordern, dass die Belieferung mit Essen aus Großküchen ein Ende hat", sagt der Vorsitzende. "Wir wollen gesundes und qualitativ hochwertiges Essen von kleinen, regionalen Unternehmen." Bei einer Firma mit flachen Organisationsstrukturen bliebe mehr Geld für das Essen übrig, so Peiritsch: "Es muss endlich mehr Geld, das wir für das Essen ausgeben auch auf dem Teller unserer Kinder landen." Durch die Zusammenarbeit mit kleineren Firmen verspricht sich der Elternvertreter mehr Nähe zur Produktion der Lebensmittel, eine bessere Kommunikation und mehr Mitsprache beim Essen.

Alternativen gesucht

Die Arbeitsgemeinschaft Schulessen in der Elternvertretung sucht seit geraumer Zeit nach Alternativen, um den Schülerinnen und Schülern täglich frische und gesunde Mahlzeiten anbieten zu können. Dabei habe sich beim Studium der Preis-Kosten-Beurteilung von Schulessen in einer neuen Studie Interessantes ergeben. "Wenn vor Ort gekocht werden kann, lohnt sich das schon ab 500 Essen", sagt Erika Takano-Forck. "Dann ist es möglich, für 2,77 Euro pro Portion frisch zubereitetes Essen auf den Tisch zu bringen."

Der städtische Kindertagesstätten-Eigenbetrieb Nordwest, will die Verträge mit der Sodexo ebenfalls erfüllen. "Es spricht nichts gegen eine Belieferung", sagt der Pädagogische Geschäftsleiter Harald Bohn. "Es gab bislang sehr wenige Beschwerden wegen des Essens." Von den insgesamt 63 Kindertagesstätten des Betriebs werden allerdings nur drei von Sodexo beliefert. Bohn: "Wir haben alle Eltern mit einem Aushang in den Kindertagestätten informiert, dass ab Montag das Essen wieder von Sodexo geliefert wird."

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