27.09.12

Berliner Ring

Unfall auf der A10 - Reisebus musste abrupt bremsen

Ein Sattelzug ist auf der A10 gegen einen Reisebus geprallt. Dabei gab es zwei Tote und sechs Schwerverletzte. Im Bus waren Kinder aus Polen.

Von Hans H. Nibbrig und Steffen Pletl
Foto: dpa

Zerquetschter Sattelzug: Die A10 von Berlin in Richtung Hannover wurde voll gesperrt.
Zerquetschter Sattelzug: Die A10 von Berlin in Richtung Hannover wurde voll gesperrt.

Zwei Tote und sechs Schwerverletzte, darunter drei Kinder – das ist die Bilanz eines schweren Unfalls auf dem südlichen Berliner Autobahnring. In unmittelbarer Nähe der Anschlussstelle Michendorf war in der Nacht zu Donnerstag gegen 0.30 Uhr ein Sattelzug auf einen mit Schülern besetzten polnischen Reisebus aufgefahren und hatte diesen in einen davor fahrenden Lkw geschoben.

Der Fahrer Sattelzuges und sein Beifahrer, ebenfalls aus Polen, waren auf der Stelle tot. Der Busfahrer, sein Beifahrer und der Fahrer des Lkw wurden ebenso wie drei Kinder aus dem Bus mit schweren Verletzungen in umliegende Krankenhäuser eingeliefert. In dem Bus befanden sich 54 Kinder, von denen mehr als ein Dutzend leichte Verletzungen davontrugen.

Den Rettungskräften, die nach nur wenigen Minuten an der Unfallstelle eintrafen, bot sich nach Angaben von Augenzeugen ein Bild des Grauens. Das Führerhaus des Scania-Sattelzuges war nur noch ein unentwirrbarer Klumpen Metallschrott, der große und extrem schwere Motorblock der 380-PS-Zugmaschine war vollständig zusammengepresst worden.

Fahrer und Beifahrer wurden eingeklemmt, ihre Leichen konnten erst gegen 6 Uhr früh geborgen werden. Der im hinteren Teil ebenfalls völlig zerstörte Reisebus mit den Kindern wurde durch den Aufprall zur Seite geschleudert und durchbrach die Mittelleitplanke.

Auch für drei nachfolgende Lkw endete der Versuch, den Unfallfahrzeugen auszuweichen an den Leitplanken der A10. Die Fahrer blieben allerdings unverletzt.

Wie ein Sprecher der Polizeidirektion West am Donnerstagnachmittag mitteilte, musste der Reisebus wegen des vor ihm plötzlich stockenden Verkehrs auf dem rechten Fahrstreifen abrupt bremsen. Der nachfolgende Sattelzug bemerkte dies offenbar nicht rechtzeitig, so kam es zu dem folgenschweren Aufprall.

Schüler mit schwerem Schock

Noch in der Nacht wurden Experten des Verkehrsdienstes der Polizei und ein unabhängiger Gutachter an der Unfallstelle tätig. Die Bergungs- und Aufräumarbeiten dauerten bis zum Donnerstagnachmittag. Der Verkehr auf der A10 in Richtung Hannover wurde über den Raststättenkomplex Michendorf umgeleitet.

Die 54 Schüler aus Poznan (Posen), alle 14 bis 15 Jahre alt, waren mit mehreren Betreuern auf dem Weg nach London. Nach dem Zusammenprall wurden sie zunächst von Rettungskräften vor Ort betreut. Drei Schüler kamen in ein Krankenhaus, der Rest wurde in das nahe gelegen Feuerwehrzentrum Beelitz Heilstätten gebracht. Dort gab es für die Kinder Übernachtungsmöglichkeiten und Verpflegung, zudem konnten sie besser betreut werden.

Mehrere Schüler hatten einen schweren Schock erlitten, manche wurden noch Stunden nach dem schrecklichen Ereignis von Weinkrämpfen geschüttelt. Um sie kümmerten sich Psychologen und Seelsorger.

"Man hat den Jugendlichen, aber auch einigen ihrer erwachsenen Begleiter deutlich angesehen, dass es ihnen überaus schwer fiel, das Geschehen und die entsetzlichen Bilder an der Unfallstelle zu verarbeiten", sagte einer der mehr als 40 eingesetzten Betreuer am Donnerstagvormittag. Auch Mitarbeiter der polnischen Botschaft in Berlin waren sofort nach Beelitz gekommen, um sich um ihre Landsleute zu kümmern.

Noch drei Schüler im Krankenhaus

In Beelitz Heilstätten hatten die 54 Schüler und ihre sechs Betreuer zudem die Möglichkeit, ihre Angehörigen zuhause anzurufen und zu beruhigen. Denn die Nachricht von dem schweren Unfall machte schnell die Runde. Bereits am frühen Morgen berichteten auch überregionale Radio- und Fernsehsender ausführlich und mit dramatischen Bildern über das Geschehen in der Nacht.

An eine Fortsetzung der Klassenfahrt zum ursprünglichen Ziel London war nach dem tragischen Unfall nicht mehr zu denken. Nachdem die drei in Krankenhäuser eingelieferten Schüler diese am Donnerstagnachmittag wieder verlassen konnten, machte sich die Gruppe mit einem Ersatzbus auf den Rückweg nach Poznan.

"Wir wollen Danke sagen an alle, die uns geholfen haben", sagte Alicja Przybiska, als die Gruppe den Bus bestieg. Auch am Donnerstagnachmittag seien den Schülern die traumatischen Erlebnisse der Nacht noch anzumerken gewesen, berichten Zeugen.

Kritik an Fernfahrer-Überlastung

Die Untersuchungen zum genauen Hergang des Unfalls werden nach Angaben der Polizei wohl einige Tage in Anspruch nehmen. Teile der anderen am Unfall beteiligten Fahrzeuge wurden bei den Kollisionen durch die Luft geschleudert und lagen verstreut in einem Umkreis von mehr als 50 Metern. auf und neben der Autobahn.

Alle betroffenen Fahrzeuge wurden sichergestellt. Durch die Sperrung der Fahrtrichtung Hannover kam es am Donnerstagmorgen auf der A 10 zu erheblichen Behinderungen.

Im Zusammenhang mit dem tödlichen Unfall kritisierte der Bundesvorsitzende der Kraftfahrergewerkschaft, Willy Schnieders am Donnerstag die Überlastung vieler Fernfahrer. "Was denen heute abverlangt wird, kann keiner mehr leisten", sagte Schnieders. Die daraus resultierende häufige Übermüdung der Fahrer sei inzwischen eine Hauptunfallursache.

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