17.09.12

Armutsrisiko

Nur jeder zweite Berliner sorgt fürs Alter vor

Obwohl es in der Hauptstadt überdurchschnittlich viele von Altersamut bedroht sind, legen die wenigsten Geld zurück.

Von Hans Evert
Foto: DAPD
Vielen Berlinern droht eine Altersarmut. Geld auf der hohen Kante haben die wenigsten
Vielen Berlinern droht eine Altersarmut. Geld auf der hohen Kante haben die wenigsten

Trotz häufiger Debatten über drohende Altersarmut zögern die Berliner bei der privaten Vorsorge für den Lebensabend. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Berliner Sparkasse, die Morgenpost Online vorliegt, legt jeder dritte Bewohner der Hauptstadt kein Geld für die Zeit nach dem Arbeitsleben zurück. Rechnet man jene hinzu, die pro Monat lediglich 25 bis 50 Euro sparen, hat man genau 50 Prozent, die gar nichts oder sehr wenig tun.

Nicht berücksichtigt ist allerdings, ob die Menschen möglicherweise eine andere Form der Vorsorge, beispielsweise eigenen Immobilienbesitz, getroffen haben. Aber das dürfte längst nicht alle betreffen.

Deutschland erlebt derzeit wieder eine Rentendebatte. Aktuell geht es um die Pläne von Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU), Menschen mit geringen Bezügen aus der gesetzlichen Rentenversicherung das Altersentgelt auf 850 Euro aufzustocken. Für viele Berliner ist das relevant, denn in der Hauptstadt gibt es überdurchschnittlich viele Geringverdiener. Absehbar werden sie nur eine geringe gesetzliche Rente bekommen. Hinzu kommt die drohende Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus. Eigentlich müsste die Angst vor Altersarmut das Geschäft mit der privaten Vorsorge befördern. Doch aktuell kommen Skepsis und Unsicherheit wegen der Euro-Krise hinzu. "Ja, die Schuldenkrise verunsichert die Menschen bei ihren Anlageentscheidungen. Sie scheuen davor zurück, sich langfristig festzulegen", sagt Gerhard Puhlmann, Bereichsleiter Privatkunden der Berliner Sparkasse.

Kaum einer kann Geld zurücklegen

Trotz niedriger Zinsen parkten viele Anleger ihr Geld auf Tages- und Festgeldkonten, sagt Puhlmann. "Das ändert aber nichts daran, dass langfristige Anlagen wie auch Versicherungen gerade für die Altersvorsorge unerlässlich sind." Er weist darauf hin, dass selbst eine Zuschussrente für Geringverdiener, so sie denn beschlossen wird, nicht vor Altersarmut schützen würde. "Gerade bei Menschen, die schon während ihres Berufslebens keine hohen Rentenansprüche erwerben konnten, wird sich im Ruhestand eine hohe Versorgungslücke auftun", sagt Puhlmann.

Für viele Geringverdiener dürfte es jedoch finanziell kaum möglich sein, heute Geld für einen späteren Zeitpunkt zurückzulegen. Am vergangenen Donnerstag veröffentlichte das Statistische Bundesamt Zahlen, nach denen jeder fünfte Bewohner der Stadt ein armutsgefährdendes Einkommen hat.

Bei denen, die für das Alter privat vorsorgen, ist die betriebliche Altersversorgung am häufigsten verbreitet. 44 Prozent gaben an, einen entsprechenden Vertrag eingegangen zu sein. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Zunahme von sieben Prozentpunkten. An Popularität verliert hingegen ein deutscher Klassiker. Nur 36 Prozent gaben an, für das Alter mit einer Lebensversicherung vorzusorgen. 2011 waren es noch 42 Prozent. Diese Form der Geldanlage steckt derzeit in der Krise. Durch das historisch niedrige Zinsniveau bröckelt die Rendite. Dadurch wird die Lebensversicherung immer unattraktiver.

Positiven Effekt durch Diskussion

Eine Riesterrente haben der Umfrage zufolge 32 Prozent der Berliner abgeschlossen – im Vergleich zum Vorjahr fast unverändert. Wäre die staatliche Förderung großzügiger, würden wohl mehr für das Alter Geld zurücklegen. 58 Prozent gaben an, bei einem höheren Zuschuss des Staates mehr für das Alter zu tun. Der großen Unsicherheit zum Trotz glaubt fast die Hälfte der Berliner (49 Prozent) "völlig" oder "eher ausreichend" vorgesorgt zu haben. Allerdings scheint da angesichts der mit Geld unterlegten Zahlen viel Augenwischerei dabei. Denn nur gut ein Drittel legt mehr als 50 Euro im Monat für die Zeit nach dem Arbeitsleben beiseite, darunter 16 Prozent 200 Euro und mehr. Bei Berlinern mit ausländischen Wurzeln ist der Anteil der Vorsorge-Ignorierer besonders hoch. 52 Prozent gaben an, überhaupt nichts zurückzulegen.

Bei den Sparkassen – für andere Banken dürfte dies ebenfalls gelten – setzt man langfristig auf einen positiven Effekt durch öffentliche Diskussion. "Je mehr in der Öffentlichkeit über drohende Altersarmut diskutiert wird, desto stärker wird das Bewusstsein in der Bevölkerung", glaubt der Sparkassen-Manager.

Für seine Hoffnung gibt es Gründe. 55 Prozent der befragten Berliner sagten, ein weiteres Absinken des gesetzlichen Rentenniveaus würde sie zu mehr langfristigem Sparen motivieren. Allerdings müssen sich auch die Banken bemühen und jede Menge Misstrauen abbauen. Die Hälfte aller Befragten wünscht sich mehr Transparenz und verständlichere Produkte.

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