06.05.09

Auszeichnung

Axel-Springer-Preis - Siegerehrung per Mausklick

Die besten Beiträge junger Journalisten 2009 sind am Mittwoch mit dem Axel-Springer-Preis ausgezeichnet worden. Erstmals fand die Verleihung im Internet statt. Auch im Netz gab es spontane Reaktionen, Jubel und Gratulationen.

Von André Zeppenfeld
Foto: Michael Brunner
Axel Springer Preis Online Verleihung
Jan Eric Peters, Marc Thomas Spahl und Ansgar Mayer bei der Preisverleihung, die dieses Mal virtuell stattfand

Acht Sekunden vor dem Showdown stürzt der Server ab. Verbindung fehlgeschlagen, nichts geht mehr um kurz vor 12 Uhr. Mit so einem Ansturm hätte niemand gerechnet, sagt Jan-Eric Peters, Direktor der Axel Springer Akademie, später. Zum ersten Mal hat die Journalistenschule den wichtigsten Preis für junge Journalisten live im Internet vergeben. Für den Axel Springer Preis 2009 gingen so viele Bewerbungen wie noch nie ein, mehr als 650 waren es insgesamt. 35 Menschen wurden mit einem der begehrten Preise ausgezeichnet.

Für ihr Online-Experiment hatte sich die Akademie einiges einfallen lassen. Einen Chatroom, in dem jeder nach Lust und Laune öffentlich kommentieren durfte. Videos, in denen die Jury bei der Arbeit zu sehen ist, lebhafte Diskussionen und die Nennung der Sieger. Doch die Technik machte den neuen Ideen Probleme. "Der Server ist trotz einer enormen Leistungserhöhung anfangs unter dem Besucheransturm zusammengebrochen. Da haben wir auf einige Features dann lieber verzichtet", erklärt Peters.

So verlief die Kür spannend, aber etwas chaotisch. Im Chat ließen einige Besucher Dampf ab. Manchmal witzig, weil treffend – "Ich sehe was, was ihr nicht seht!". Ein User vergleicht die Preisverleihung mit dem legendären Zusammenbruch des Fußballtors von Madrid. Damals kommentierten Günter Jauch und Marcel Reif, während sich auf dem Rasen stundenlang nichts tat. Manchmal aber auch überzogen: "Unwürdig!"

Es hat geruckelt - aber es hat Spaß gemacht

Peters gibt sich im Chatfenster alle Mühe, die Aufregung in Grenzen zu halten. Er verspricht, den vollständigen Chat als PDF zu veröffentlichen, "damit Medienjournalisten und Blogger ein paar hübsche Stellen zitieren können, wenn sie sich lustig machen wollen". Schnell laufen die Server stabiler, die Videos sind interessant, die Emotionen echt. Viele der Preisträger outen sich im Chat und jubeln, die Glückwünsche prasseln live auf sie ein. Das ist Crossmedia, wie es sich die Akademie gewünscht hat. Anne Allmeling und Elif Senel, die den 1. Platz in der Kategorie Hörfunk belegten, feiern Online: "Ist das toll! Wir freuen uns grenzenlos, dass Hayats Geschichte Sie so berührt hat wie uns! Vielen Dank!"

Der Akademie-Direktor freute sich nach der Preisverleihung: "Es hat geruckelt, nervte manchmal – aber war vor allem lustig und hat Spaß gemacht." Videos und Chatroom im Internet statt Schampus und Schnittchen auf einer traditionellen Feier sind eine zeitgemäße Alternative.

Ganz besonders stolz waren 19 Journalistenschüler über ihren 2. Platz in der Kategorie Internet. Derzeit produziert dieses Team täglich WELT KOMPAKT. Jedes Jahr bildet die Akademie 40 Journalisten aus. Diese erstellen im Rahmen der zweijährigen Ausbildung ein Multimedia-Projekt. Die 19 Schüler ("Team 4") wurden für ihr Polit-Magazin " www.macht-maschine.de " ausgezeichnet.

Und das sind die Preisträger im Einzelnen:

Preisträger Print

Lokal/Regional: Jürgen Bock für "Notfallversorgung in Stuttgart" (Stuttgarter Nachrichten, 9. Februar bis 19. April 2008). Herausragende Leistungen: Katharina Hammermann (Trierischer Volksfreund), Jan Rentzow (B.Z.) und Juliane Wedemeyer (Der Tagesspiegel).

Überregional/national: Jan Grossarth für "Und vergib uns unsere Kohlenstoffschuld" (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Mai 2008). Herausragende Leistungen: Tobias Matern (Süddeutsche Zeitung), Stefanie Schneider (Die Welt), Horst von Buttlar (Financial Times Deutschland).

Wochen/Monatspublikationen: Alice Bota für "Wo Geburt und Tod sich treffen" (Die Zeit, 25. September 2008). Herausragende Leistungen: Marian Blasberg (Zeit-Magazin), Roman Pletter (Brand Eins), Benedikt Sarreiter (Neon).

Preisträger Fernsehen

1. Preis: Rebecca Gudisch und Tilo Gummel für "Kindersklaven" (gesendet am 15. August 2008, WDR Fernsehen, Redaktion "die Story");

2. Preis: Florian Bauer für "Ein Angebot, Dopingverschleierung, Spanien – Über die Hintergründe einer Email" (gesendet am 19. Juli 2008, ARD Sportschau Live);

3. Preis: Lutz Ackermann, Anita Blasberg und Marian Blasberg für "Die Weggeworfenen – Geschichte einer Abschiebung" (gesendet am 17. Dezember 2008, ZDF).

Herausragende Leistungen: Carsten Behrendt (ZDF), Bettina Renner (MDR), Sarah Zierul (Arte).

Preisträger Hörfunk

1. Preis: Anne Allmeling und Elif Senel für "Leben ohne Hayat – Was hinter einer Nachricht steckt" (gesendet am 19. September 2008, WDR 5, Redaktion Neugier genügt);

1. Preis: Ulrike Jährling für "Ein Leben wie in der Oper" (gesendet am 10. Dezember 2008, Deutschlandradio Kultur, Kinderfunk Kakadu);

3. Preis: Christoph Pfaff und Anneli Beyer für "Der Durchschnitts-Deutsche als Experiment" (gesendet am 14. Okt. 2008, delta radio).

Herausragende Leistungen: Anne Demmer (WDR 5), Anna Küch (Bayern 2), Sven Preger (WDR 3, WDR 5, NDR 4).

Preisträger Internet

1. Preis: Sebastian Christ für "Die Folgen der Entvölkerung" (online seit 1. September 2008);

2. Preis: Team 4 der Axel Springer Akademie, für "Machtmaschine" (online seit 25. November 2008);

3. Preis: Patrick Gensing für "Piratenpartei statt SPD" – Die NPD auf dem Weg zur Regionalpartei (online seit Januar 2008).

Herausragende Leistungen: Bernhard Böth (faz.net), Georg Döller (zdf.de).

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