07.08.12

Naherholung

Verein kämpft um den Erhalt des Tempelhofer Felds

Bebauung? Nein Danke! Eine Berliner Initiative stemmt sich gegen die geplante Umgestaltung der beliebten Erholungsfläche.

Von Sabine Gundlach
Foto: Amin Akhtar
Freie Bahn: Freizeitsportler genießen die Fahrt auf der ehemaligen Start- und Landebahn in Tempelhof
Freie Bahn: Freizeitsportler genießen die Fahrt auf der ehemaligen Start- und Landebahn in Tempelhof

Für Hermann Barges ist die Sache klar: "Die geplante Bebauung des Tempelhofer Feldes macht keinen Sinn." Das unbebaute Areal sei nicht nur eine bedeutende große Erholungsfläche für die Berliner. "Es ist auch ein wertvoller Landschaftsraum mit hohem ökologischen Wert und wichtiger Klimafunktion für die umliegenden dicht bebauten Wohngebiete", sagt Barges.

Der 62-jährige Landschaftsarchitekt mit Themenschwerpunkt ökologische Raumentwicklung kämpft für den Erhalt des Wiesenmeers und der unbebauten Randzonen des ehemaligen Flugfeldes. Barges ist Vorsitzender des Vereins "Demokratische Initiative 100% Tempelhofer Feld", der jetzt ein Volksbegehren anstrebt. Der Verein hat sich Mitte Juni konstituiert. Sein Ziel ist die "Bewahrung des Tempelhofer Feldes".

Juristische Bedenken

Mitbegründer der früheren Bürgerinitiative (BI) "100 % Tempelhofer Feld" hatten bereits Ende Februar bei der zuständigen Senatsverwaltung für Inneres den für ein Volksbegehren erforderlichen Gesetzesantrag zur internen Abstimmung eingereicht. Jetzt hat die Gruppe um Hermann Barges einen modifizierten Gesetzesentwurf erarbeitet. Der erste Antrag der BI sei nicht optimal formuliert gewesen, sagt Barges. Es habe aufgrund von Negativformulierungen, die sich gegen sämtliche bisherigen Planungen richteten, starke juristische Bedenken gegeben, ob der Antrag so genehmigungspflichtig sei.

Hintergrund des veränderten Antrags: Im Deutschen Verwaltungsblatt hatten die Verwaltungsjuristen und -wissenschaftler Professor Jürgen Kühling und Florian Wintermeier einen Aufsatz über "Die Bauleitplanung als Gegenstand plebiszitärer Bürgerbeteiligung" veröffentlicht. Wie der Regensburger Baurechtler Florian Wintermeier der Morgenpost Online bestätigte, sei laut des bundesweit geltenden Baugesetzbuches eine reine Negativplanung verboten. Volksbegehren dürften demnach bei solchen Themen nicht ausschließlich auf Verhinderung zielen, sondern müssen stattdessen vielmehr auf positive Planungsziele oder Konzepte vorschlagen.

Das sei auch der Grund, so Barges, dass der zuvor eingereichte Gesetzestext keine Aussichten auf Erfolg habe. Damit der beabsichtigte Antrag auf ein Volksbegehren nicht an Formalien scheitere, sei der Verein bereits mit der Senatsinnenverwaltung im Gespräch, erläutert der Vorsitzende. Auch die inhaltlich zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sei informiert. Für den ersten Schritt, den offiziellen Antrag auf ein Volksbegehren, sind 20.000 Unterschriften und eine Kostenschätzung des Senats erforderlich.

So muss ermittelt werden, ob und wenn ja, in welcher Höhe, Kosten im Falle eines Erhalts des Tempelhofer Feldes amt unbebauter Randzonen für Berlin entstehen. Die Unterschriftensammlung soll voraussichtlich im September starten. Wie die Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) bestätigte, hat die landeseigene Tempelhof Projekt GmbH unterdessen den Auftrag der Kostenschätzung an ein externes Institut vergeben. Müllers Sprecherin Daniela Augenstein: "Das ist in diesem Fall ein sehr aufwendiges Verfahren, zumal die Flächenkulissen hinsichtlich künftiger Nutzungen noch nicht endgültig feststehen."

Stadtquartiere auf dem Prüfstand

Wie berichtet, plant die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf den Randgebieten des ehemaligen Flugfeldes eine Bebauung mit vier neuen Stadtquartieren. Die Planungen wurden bereits mehrfach modifiziert und stehen seit Amtsantritt von Senator Müller auf dem Prüfstand.

Vor allem das ursprünglich im Nordbereich vorgesehene Gesundheitsquartier steht dem Vernehmen nach auf wackligen Füßen. Die für 2017 geplante Internationale Gartenschau (IGA) wurde zudem ebenfalls von Müller auf den Prüfstand gestellt. Die IGA soll jetzt, wie berichtet, wahrscheinlich nach Marzahn verlegt werden.

Die "Demokratische Initiative 100 % Tempelhofer Feld" begrüßt diese Entwicklung, lehnt aber neben der Bebauung der Randzonen auch die nach wie vor geplante Gestaltung eines Landschaftsparks ab.

"Warum sollen hier Unsummen von Geld verpulvert werden, wenn das Feld doch auch so, wie es ist, funktioniert", sagt Claudia Lehmann. Die Stadt- und Regionalplanerin engagiert sich ebenfalls für das Volksbegehren und kritisiert vor allem das Fehlen eines nachhaltigen Konzeptes für die Nutzung des ehemaligen Flughafens. "Hier ist seit Jahren immer nur von Ideen die Rede", sagt Claudia Lehmann. Die 61, 5 Millionen Euro, die bislang für die Parkgestaltung veranschlagt seien, sollte man besser in das frühere Flughafengebäude stecken, sagt die Planerin und fordert zudem "endlich ein schlüssiges Konzept".

Man dürfe die Entwicklung auf keinen Fall Investoren überlassen. "Das Tempelhofer Feld war 800 Jahre nicht in privater Hand. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Entwicklung jetzt dem Markt überlassen wird", fügt Hermann Barges hinzu.

Dass Lothar Köster, einst treibende Kraft in der BI, unterdessen die Segel gestrichen hat und am Montag eine Pressemitteilung veröffentlichte, in der er dem Verein unter anderem vorwirft, gegen die ursprünglichen Ziele der BI zu arbeiten, nimmt Vorsitzender Barges gelassen. "Kösters Antrag ist als absolutes Planungsverbot zum Scheitern verurteilt." So wolle der Verein anders als die bisherige BI auf dem äußeren Wiesenring unter anderem Bänke, unversiegelte Sportflächen oder auch sanitäre Anlagen ermöglichen.

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