04.08.12

Sandra Scheeres

Diese Hausaufgaben warten auf Berlins Bildungssenatorin

Fachkräftemangel, Zuzug von Sinti und Roma und Inklusion: Das sind nur einige Projekte, die Scheeres in diesem Schuljahr anpacken muss.

Von Florentine Anders
Foto: DAPD
Die Bildungssenatorin (SPD) hat sechs Punkte auf der To-do-Liste stehen
Die Bildungssenatorin (SPD) hat sechs Punkte auf der To-do-Liste stehen

Zum Start des neuen Schuljahres stehen für Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) große Aufgaben an. Zwar ist die Zeit der großen Reformen vorbei, dennoch stehen die Schulen vor gravierenden Veränderungen, die sie bewältigen müssen. Sechs Schwerpunkte hat die Senatorin auf der Agenda.

Integration von Kindern ohne Deutschkenntnisse

An die Schulen drängen immer mehr Kinder, vor allem Sinti und Roma, die gar keine Deutschkenntnisse mitbringen. Im neuen Schuljahr werden 126 temporäre Lerngruppen eingerichtet, in denen diese Kinder zunächst die Grundlagen der deutschen Sprache lernen. Das sind doppelt so viele wie noch im vergangenen Jahr. An den Sekundarschulen können die älteren Schüler, die neu angemeldet werden, in Kleingruppen bis zum März 2013 ihr "Deutsches Sprachdiplom" ablegen. Lehrkräfte wurden eigens für dieses Pilotprojekt qualifiziert. Zudem sollen in diesem Schuljahr sogenannte Sprachmittler eingesetzt werden, die vor allem bei Fragen zu Behördengängen oder Gesundheitsuntersuchungen der Kinder den Eltern helfen sollen. Der Senat stellt für diese Aufgaben insgesamt 300.000 Euro zur Verfügung. Wie diese über die Bezirke verteilt werden, soll noch im Rahmen eines Gesamtkonzeptes geklärt werden.

Abwanderung von Junglehrern stoppen

Eine zweite große Herausforderung ist der drohende Fachkräftemangel. Für das bevorstehende Schuljahr habe es genügend Bewerber gegeben, betonte Bildungssenatorin Sandra Scheeres. Doch der Bedarf wird angesichts einer bevorstehenden Pensionierungswelle steigen. Bis 2015 müssen 5000 aus dem Dienst scheidende Lehrer ersetzt werden. Die Bildungsverwaltung hat ein Konzept angekündigt, wie die Attraktivität des Lehrerberufs in Berlin gesteigert werden kann. Denn die Befürchtung ist, dass Lehrer in andere Bundesländer abwandern, wo sie im Gegensatz zu Berlin verbeamtet werden. Die Zahl der Freistellungsanträge hat sich im vergangenen Jahr mit 234 mehr als verdoppelt. Solche Anträge müssen Lehrer stellen, wenn sie in einem anderen Bundesland arbeiten wollen. Allerdings betonte Scheeres am Freitag, dass nur wenige bisher tatsächlich von der Freistellung Gebrauch gemacht hätten. Eine Stichprobe unter 50 Lehrern mit solchen Anträgen habe ergeben, dass nur sechs davon tatsächlich abgewandert waren.

Lehrerausbildung den Anforderungen der Schulen anpassen

Einen Schwerpunkt will die Senatorin bei der Reform der Lehrerausbildung setzen. Bereits im Frühjahr wurde eine Expertenkommission eingesetzt, die das Lehrerbildungsgesetz den neuen Herausforderungen anpassen soll. Unter anderem sollen kulturelle Kompetenzen und die Fähigkeiten, individuell zu unterrichten, verbessert werden. Die Schulreformen an Grundschulen und Sekundarschulen fordern von den Pädagogen, dass sie stärker auf unterschiedliche Leistungsniveaus innerhalb der Klasse eingehen können.

Im Oktober soll die Kommission ihren Abschlussbericht vorlegen. So könnten die Studenten schon ab 2013/14 in den Masterstudiengängen von den Veränderungen profitieren.

Konzept für die Umsetzung der Inklusion von behinderten Kindern vorlegen

Ein neues Konzept soll es auch für die bevorstehende Inklusion geben. Die UN-Behindertenkonvention sieht vor, dass behinderte und nicht behinderte Kinder verstärkt an Regelschulen gemeinsam unterrichtet werden. Das bisherige Konzept sah vor, die Inklusion kostenneutral umzusetzen. Das soll sich nun ändern. Ein Beirat unter Vorsitz von Sybille Volkholz soll unter anderem klären, wie viel zusätzliches Personal nötig wäre und wie es an die Schulen verteilt werden kann. Das Konzept soll im Frühjahr 2013 vorliegen. Kritik kam bisher vor allem von betroffenen Eltern, dass sie nicht genügend einbezogen werden. Zur Umsetzung käme es im nächsten Schuljahr. In diesem Schuljahr soll es allerdings schon erste inklusive Beratungszentren in Neukölln und Marzahn-Hellersdorf als Ansprechpartner für Eltern und Lehrer geben.

Den gebundenen Ganztagsbetrieb an Grundschulen und Gymnasien ausbauen

Auch den Ausbau von gebundenen Ganztagsschulen hat sich Senatorin Scheeres auf die Fahnen geschrieben. Ab Montag werden drei neue Schulen den gebundenen Ganztagsbetrieb aufnehmen: die Grundstufe der Gemeinschaftsschule Neukölln Campus Rütli, die Rosa-Parks-Grundschule in Friedrichshain-Kreuzberg und die Hausburg-Grundschule in Friedrichshain-Kreuzberg. Damit gibt es 67 gebundene Ganztagsgrundschulen. Auch drei weitere Ganztagsgymnasien sollen in diesem Jahr noch dazukommen. Bis zum Ende der Legislaturperiode sollen 21 zusätzliche Ganztagsschulen geschaffen werden. Fraglich ist, ob es dafür genügend Erzieher geben wird. Zu bewältigen ist in diesem Schuljahr auch der Lückenschluss in der Hortbetreuung für die Fünftklässler. Die Sechstklässler sollen erst ab dem Schuljahr 2013/14 das Recht auf einen Hortplatz haben. Am Montag nehmen an den Grundschulen 4600 Erzieher ihre Arbeit auf, 200 mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Erstklässler steigt mit der Einschulung auf 17.790, das sind etwa 800 mehr als im vergangenen Schuljahr.

Aufnahmekriterien für Sekundarschulen und Gymnasien verändern

Für hitzige Diskussionen werden in diesem Schuljahr weiter die Aufnahmekriterien für Gymnasien und Sekundarschulen sorgen. Der Landeselternausschuss fordert hier dringend Nachbesserungen, und auch im Koalitionsvertrag haben SPD und CDU vereinbart, die Kriterien Wohnort und Geschwisterkinder stärker zu berücksichtigen. Die Bildungsverwaltung hat zwar pflichtgemäß eine Arbeitsgruppe gegründet, die das Aufnahmeverfahren überprüfen will; die Senatorin sieht jedoch keinen Änderungsbedarf. Wann die Arbeitsgruppe Ergebnisse vorlegen soll, ist offen.

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