26.07.12

Abfallbeseitigung

Im Mauerpark lässt es sich gut auf Mülleimern sitzen

Zu kompliziert: Die 2010 unter dem Park installierten Abfallbehälter sollen umgerüstet werden. Bis dahin bedecken Bretter die acht Löcher.

Von Sabine Flatau
Foto: Amin Akhtar
Platz für zwei: Die Holzhocker sind über den Bodenplatten angebracht, unter denen sich die Müllcontainer befanden. Jetzt sind die Bunker leer
Platz für zwei: Die Holzhocker sind über den Bodenplatten angebracht, unter denen sich die Müllcontainer befanden. Jetzt sind die Bunker leer

Die Wiesen im Mauerpark in Prenzlauer Berg zeigen noch ein sattes Grün, nach dem Regen der vergangenen Wochen. Wenn man die Schwedter Straße entlang geht, am Rand der großen Grünanlage, fallen neue Sitzgelegenheiten auf. Kleine Holzhocker mit drei Brettern stehen auf einer gepflasterten Fläche. Die Sitze sind auf einem grauen Rohr montiert. Es sind Einfüllstutzen für die großen unterirdischen Müllbehälter, die jetzt ausgebaut worden sind. Damit sich Besucher nicht an den scharfen Kanten verletzen, wurden die Holzsitze angebracht.

Konzept hatte sich nicht bewährt

Die sogenannten Unterflurbehälter seien nicht mehr gebrauchsfähig gewesen, weil Besucher des Parks brennende Stoffe eingeworfen hätten, sagte Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) auf Anfrage des Linken-Bezirksverordneten Michail Nelken. Der oberirdische Einwurf der Container sei zu störanfällig. Die Müllbehälter waren auf Probe installiert worden. Hersteller ist die portugiesische Firma Sotkon. Jeder der acht Unterflurbehälter fasst drei Kubikmeter Müll. Geleert wurden sie von der BSR. Die Container waren im Herbst 2010 installiert worden, als Pilotprojekt. "Um Erfahrungen zu sammeln", sagt Bürgermeister Matthias Köhne (SPD), damals zuständig für den Mauerpark.

Doch das Müll-Konzept hat sich nicht bewährt. "Es sind ganz negative Erfahrungen, die wir dabei gemacht haben." Kompliziert sei es gewesen, die Tüv-Genehmigung zu bekommen. "Immer wieder musste nachgerüstet werden." Größtes Manko war, so Köhne, dass die Behälter von den Besuchern nicht angenommen wurden. Die Bedienung – ein Griff musste nach hinten gedrückt, der Müll eingeworfen, und der Griff wieder zurückgezogen werden – sei offenbar nicht leicht gewesen. Auch die graue Farbe der Einwurfbehälter war irritierend. Er sei gefragt worden, erzählt Köhne, ob das ein Internetterminal sei.

Zwei Mal musste auch die Feuerwehr gerufen werden, weil ein Kunststoffbehälter brannte. Mauerpark-Besucher hatten glühende Grillreste eingeworfen. Dadurch kam es im Untergrund zum Schwelbrand. Qualm trat aus den Behältern. Als der Einfüllstutzen geöffnet wurde, schoss eine Flamme hervor. Bis zur nächsten Saison, im Frühjahr 2013, will das Bezirksamt eine neue Lösung finden. Metallbehälter sollen eingebaut werden, mit Einfüllkonstruktionen, die man leicht bedienen kann. Dafür holt das Bezirksamt derzeit Angebote ein. Die Kosten wird das Tiefbau- und Landschaftsplanungsamt tragen. Letztlich könne man jedoch durch die großen unterirdischen Behälter Geld sparen, sagt Köhne. "Sie müssen nicht so oft geleert werden." Etwa 76.000 Euro wird der Bezirk 2012 für die Abfallbeseitigung im Park zahlen. 13.000 Euro kostete allein die Reinigung nach der Walpurgisnacht.

Große Kosten sind nicht durch das Pilotprojekt entstanden. Der Einbau schlug mit etwa 25.000 Euro zu Buche. Sie zu leeren und auszubauen, habe 35 Arbeitsstunden in Anspruch genommen, sagte Stadtrat Kirchner. Die Zwischenlösung sei mit eigenen Mitarbeitern innerhalb von acht Arbeitsstunden geschaffen worden. Der Materialwert liege bei 500 Euro.

Wer jetzt seine Abfälle im Mauerpark entsorgen will, muss sie in große Drahtkörbe werfen. Sie stehen neben den Holzsitzen. Auf Schildern über den Körben stehen eindeutige Aufforderungen wie "Hau weg den Dreck" oder "Mit Müll füll", oder "Papier hier". Die großen Behälter sind gut gefüllt. Der Nachteil: Sie sind offen. Krähen können sich bequem auf die Suche nach Nahrungsresten machen und den Inhalt der Körbe zerfleddern. Auch die BSR betreibt Unterflurbehälter, zum Beispiel am Shopping Center Alexa in Mitte mit einer Kapazität von 650 Litern und an der Onkel-Tom-Straße in Zehlendorf mit 1000 Litern. Insgesamt stehen zehn Container mit 650 Litern und sechs mit 1000 Litern Fassungsvermögen in Berlin. "Nur für den Kaffeebecher, den man wegwirft, oder die Zigarettenschachtel", sagt BSR-Sprecherin Sabine Thümler. "Die Anforderungen an Müllsammelbehälter in Parks sind andere." Die BSR setzt die unterirdischen Behälter ein, um die orangefarbenen Papierkörbe, die an Laternen montiert sind, zu ersetzen. "Diese kleine Körbe muss man mehrmals am Tag leeren", sagt die Sprecherin. "Wir wollen effizienter arbeiten." Doch eine gesamtstädtische Lösung sind die Unterflurbehälter nicht. "Man kann sie nur dort einbauen, wo keine Leitungen im Untergrund verlaufen – und das gibt es nicht oft." Auch Wohnungsgesellschaften setzen auf die Behälter unter der Erde. Mieter können mit ihrem Schlüssel die Einfüllöffnungen aufschließen und den Mülleimer leeren.

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