17.07.12

Mord in Lübars

Mutmaßlicher Auftragsmörder belastet Freund des Opfers

Der Verteidiger will im Mordfall von Lübars einen Haftprüfungstermin für die Mutter von Robin H. beantragen. Auch er wird schwer belastet.

Von Ulla Reinhard
Foto: dpa
Mordopfer: Christin R. (21) wurde erwürgt
Mordopfer: Christin R. (21) wurde erwürgt

Im Fall der ermordeten Pferdewirtin Christin R. aus Lübars soll der mutmaßliche Auftragsmörder den Freund des Opfers in seinen Aussagen schwer belastet haben. Demnach behauptet Steven M. (22), dass der 23 Jahre alte Robin H., mit dem Christin R. bis April auf einem Pferdehof im brandenburgischen Friesack zusammengelebt hatte, seine Freundin eigenhändig umgebracht hat. Robin H. habe die 21-Jährige mit einem Seil erdrosselt, hatte Steven M. offenbar schon kurz nach seiner Festnahme vor knapp drei Wochen zu Protokoll gegeben. Diese Aussage widerspricht jedoch den von der Polizei ermittelten Erkenntnissen zum Ablauf der Tat. Nach Angaben der Mordkommission soll Robin H. zwar am Tatort gewesen sein, die Tat aber nicht selber verübt haben. Vielmehr soll er Steven M. als Auftragsmörder angeheuert haben. Der wiederum soll Christin R. am 21. Juni auf einem Parkplatz in Lübars erwürgt und dafür 1000 Euro erhalten haben.

Die Polizei äußerte sich am Montag nur zurückhaltend zu der angeblichen Aussage von Steven M. "Das sind Gerüchte, die wir nicht bestätigen können", sagte Pressesprecher Volker-Alexander Tönnies zu Morgenpost Online. Friedrich-Georg Rumpf, der Verteidiger von Robin H., bezeichnete die Aussage von Steven M. dagegen als "unsinnig". Wäre Christin R. mit einem Seil erwürgt worden, hätte es bei der Obduktion des Opfers Anzeichen dafür geben müssen. Nach seiner Festnahme hatte Steven M. nach Informationen von Morgenpost Online zunächst behauptet, noch nie in Berlin gewesen zu sein, später dann aber doch seine Anwesenheit am Tatort eingeräumt.

Rechtsanwalt Rumpf stellte neben der Aussage von Steven M. auch die der mutmaßlichen Mittäterin Tanja L. infrage, wollte aber keine Einzelheiten nennen. Die Angaben der 26-Jährigen seien widersprüchlich, sagte Rumpf lediglich. Tanja L. soll laut Polizei versucht haben, Christin R. mit K.-o.-Tropfen umzubringen, die sie der 21-Jährigen bei einem Treffen in einer Mc-Donald's-Filiale ins Getränk gemischt hatte. Weil das Gift nicht wirkte, soll sie Robin H. aus Liebe geholfen haben, mithilfe ihres Bruders den Kontakt zum Auftragsmörder herzustellen.

Die 26-Jährige hatte gegenüber der Polizei ausführliche Aussagen zur Tat gemacht. Sie und ihr Bruder wurden in der vergangenen Woche aus Dortmund nach Berlin überstellt und sitzen in U-Haft. Auch Robin H. und seine Mutter Cornelia H. (55) warten im Untersuchungsgefängnis auf ihren Prozess.

Haftprüfung für Mutter

Die 55-Jährige könnte jedoch schon bald auf freien Fuß kommen. Ihr Verteidiger, der Berliner Rechtsanwalt Jörn Tessen, beantragte Haftprüfung für seine Mandantin, die frühestens in der kommenden Woche stattfinden könnte. Nach Angaben von Tessen bestehen erhebliche Zweifel am dringenden Tatverdacht gegen Cornelia H. hinsichtlich der Beteiligung an der Ermordung von Christin R. "Die Beweislage ist äußerst dünn", sagte Tessen zu Morgenpost Online. Cornelia H. wird vorgeworfen, beim Mordkomplott gegen Christin R. mitgemischt zu haben. Darüber hinaus soll sie im April selbst versucht haben, Christin R. zu ermorden, indem sie ihr von hinten in den Rücken stach. Insgesamt drei Mordanschläge sollen gegen Christin R. verübt worden sein.

Robin H. und seine Mutter schweigen weiterhin zu den Tatvorwürfen. Nach Angaben der Polizei sollen sie die Ermordung von Christin R. aus Habgier geplant haben, um an das Geld aus den Lebensversicherungen des Opfers zu gelangen. Im letzten halben Jahr vor dem Tod der 21-Jährigen waren insgesamt sieben Lebensversicherungen in einer Gesamthöhe von rund 2,1 Millionen Euro auf die Pferdewirtin abgeschlossen worden. In allen Versicherungen war Robin H. als Begünstigter eingetragen worden. Während Christin R. eine der Lebensversicherungen selbst abgeschlossen haben soll, könnten die anderen Verträge durch gefälschte Unterschriften zustande gekommen sein. Um dies herauszufinden, arbeitet die Mordkommission auch mit Finanzermittlern zusammen. Das Bundeskriminalamt prüft unterdessen, ob möglicherweise auch im Ausland Lebensversicherungen auf Christin R. abgeschlossen wurden.

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