27.04.09

Pilotversuch

Berlin wird jetzt Testgebiet für Elektroautos

Stromkonzerne und Autohersteller wollen in Berlin die Zukunft des Autos ausloten. Dazu werden in den kommenden Wochen 550 Strom-Zapfsäulen in der Stadt aufgebaut. Dort sollen ab Juni 50 Elektro-Minis von BMW ihre Batterien aufladen. Und Konkurrent Daimler will wenig später nachziehen.

Von Markus Falkner
Foto: DPA
Der Anschluss zum Aufladen der Akkus verbirgt sich hinter dem Tankdeckel.
Die etwas andere Art zu tanken: ab Juni soll es in ganz Berlin Stromzapfsäulen geben

Mit einem bundesweit bislang einmaligen Pilotversuch wollen Stromkonzerne und Autohersteller in Berlin die Zukunftschancen von Elektro-Fahrzeugen im Alltag ausloten. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat jetzt eine entsprechende Absichtserklärung mit den Energieriesen Vattenfall und RWE unterzeichnet. In den kommenden Wochen sollen an 550 Standorten, vor allem in Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte, Ladestationen für Elektroautos aufgebaut werden. Das Land stellt gemeinsam mit den Bezirken die nötigen Stellflächen für die Strom-Zapfsäulen und die Autos im öffentlichen Straßenland zur Verfügung. Geplant sind nach RWE-Angaben auch Stationen in Parkhäusern und auf den Parkplätzen großer Arbeitgeber. Alle Stationen werden mit Ökostrom aus regenerativen Energiequellen betrieben.

Bereits von Juni an sind 50 Elektro-Minis des Vattenfall-Projektpartners BMW auf Berlins Straßen unterwegs. Von Mitte 2009 an folgen 100 Smart-Fahrzeuge des RWE-Partners Daimler. Profitieren sollen aber auch die Nutzer anderer Elektro-Fahrzeuge, wie RWE-Sprecher Harald Fletcher betont. Derzeit arbeiten die Konzerne an einer Vereinheitlichung der Systeme, die es nach einer Registrierung allen Strom-Fahrern ermöglichen soll, die Test-Ladestationen zu benutzen.

Wie viele Autos und Roller mit reinem Strombetrieb auf Berliner Straßen unterwegs sind, wissen selbst die Experten nicht. Im Gegensatz zu den am Test beteiligten Modellen, sind viele schwach motorisierte Elektro-Fahrzeuge nicht zulassungspflichtig.

Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) geht aber von steigenden Zahlen aus. Sie sieht in der Elektro-Mobilität "eine zukunftsträchtige Option für eine stadt- und umweltverträgliche Abwicklung des innerstädtischen Verkehrs". In dem Pilotversuch solle nun ermittelt werden, wie leistungsfähig vor allem die derzeit lieferbaren Akkus im Alltagsbetrieb sind, so die Senatorin. Neben der Entwicklung einer benutzerfreundlichen Infrastruktur erhofft sich die Verwaltung aus dem Versuch auch Erkenntnisse über die Akzeptanz, die Nutzungsintensität und das Fahrverhalten der Testfahrer. Grundsätzlich geht die Senatsverwaltung aber davon aus, dass Elektro-Fahrzeuge für den Stadtverkehr geeignet sind, weil dort 70 Prozent der zurückgelegten Fahrtstrecken kürzer als 18 Kilometer sind. Derzeit liegt die Reichweite pro Akkuladung bei den meisten Modellen zwischen 150 und 250 Kilometern – Tendenz steigend.

Auch die Stromkonzerne hoffen deshalb in Zeiten des Klimawandels auf einen wachsenden Markt. Nach ihrer Einschätzung arbeiten alle großen Autohersteller an der Entwicklung von reinen Elektro-Fahrzeugen. Und sie blicken gespannt auf Berlin. Seit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Herbst 2008 das nun beginnende Pilotprojekt ankündigte, hätten schon mehrere weitere Hersteller Interesse bekundet, heißt es aus der RWE-Zentrale in Essen. "Der Berliner Ballungsraum ist in diesem Zusammenhang ein besonders interessanter Markt", sagt Harald Fletcher.

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