17.06.12

Forschung

Warum die Berliner Humboldt-Uni Spitze ist

Die HU hat die Exzellenzinitiative gewonnen. Präsident Olbertz erklärt, warum Berlin Forschungselite ist - und wie es dabei bleiben kann.

Von Christina Brüning
Foto: HU/Olbertz
Humboldt-Universität
Festbeleuchtung: Nach dem Gewinn der Exzellentinitiative erstrahlt das Portal der Berliner HU

Die Idee mit dem Licht sei aus "purem Übermut" entstanden, sagt Jan-Hendrik Olbertz. "Vor gut einem Jahr habe ich bei einer Veranstaltung gesagt, wenn wir die Exzellenzinitiative gewinnen, dann spanne ich eine Lichterkette von Alexander zu Wilhelm." In Vergessenheit geriet die Schnapsidee nicht, im Gegenteil.

Klammheimlich bereitete der Präsident der Humboldt-Universität mithilfe eines Sponsors in den letzten Wochen die Illumination des berühmten Portals Unter den Linden vor. Nur der technische Leiter der Uni war eingeweiht. Und als am Freitagnachmittag endlich die Nachricht aus Bonn kam, mit der die HU zur Eliteuniversität wurde, gab Olbertz das Startzeichen, die Beleuchtung aufzubauen.

"Mit so etwas hatte keiner gerechnet. Sogar das Präsidium war total überrascht", erzählt Olbertz am Sonnabend im Gespräch mit Morgenpost Online.

Ein Präsident, der aus Übermut seine Universität erleuchten lässt? Bildlicher könnte die Freude an der HU, es bei der dritten und letzten Runde der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern endlich auch zur Elite-Uni gebracht zu haben, gar nicht zum Ausdruck kommen.

Für die HU bedeutet der Sieg nicht nur die Bewilligung millionenschwerer Fördermittel, sondern auch die verbriefte Etablierung in der deutschen Spitzenforschung nach 22 Jahren Aufholjagd seit der Wende.

Berlin auf Augenhöhe mit München

Olbertz' Vorgänger Christoph Markschies hatte 2007 den Grund für die erneute Niederlage auch darin gesucht, dass die HU noch keine 20 Jahre Teil des bundesrepublikanischen Wissenschaftssystems sei. Man sei auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel.

"Inzwischen haben die ostdeutschen Universitäten enorm aufgeholt", sagt Olbertz heute. Neben der HU hat nun auch die Universität Dresden den Elitestatus errungen. "Das ist ein symbolischer erster Schritt raus aus dem Ost-West-Gefälle", sagt der Professor der Erziehungswissenschaften.

Zu Anfang der Exzellenzinitiative habe es noch Rückstände gegeben – in der Ausstattung, bei wissenschaftlichen Netzwerken und internationalen Verbindungen. "Jetzt ist Berlin auf Augenhöhe mit dem Münchner Forschungsraum, der sonst immer das Vorbild ist." Bei der Einwerbung von Drittmitteln habe Berlin München sogar schon knapp überholt.

Die Aufholjagd und der Wettbewerb um die Fördermillionen waren ein Kraftakt für die HU. Die Niederlagen in den ersten Anläufen des Elite-Wettbewerbs waren so bitter, dass vor zwei Jahren sogar große Zweifel bestanden, ob man sich überhaupt noch einmal bewerben sollte, sagt Olbertz.

Doch kurz bevor er selbst sein Amt als Präsident angetreten habe, habe sich eine Art Taskforce engagierter Professoren gebildet, die es noch einmal versuchen wollte. "Ich konnte dazustoßen und unbelastet mit dem Blick von außen sagen, es kann doch gar nicht sein, dass die HU mit ihrem Anspruch und ihrem Potenzial nicht an so einem Wettbewerb teilnimmt."

Konkurrenten auf kollegialer Basis

Bis zu 200 Millionen Euro fließen nun in den nächsten fünf Jahren an die HU, die sich wie erneut auch die Freie Universität auf allen drei Förderlinien der Initiative durchsetzen konnte: Mit ihrem Zukunftskonzept, fünf Graduiertenschulen und drei Exzellenzclustern. Berlin hat nun zwei sogenannte Elite-Universitäten, und auch die Technische Universität konnte Fördergelder für eine Graduiertenschule und ein Forschungscluster erstreiten.

Dass die Berliner Wissenschaftslandschaft jetzt so erfolgreich ist, liege sehr an der veränderten Zusammenarbeit, sagt Olbertz. "Die ist viel besser geworden, als sie noch vor Jahren war." Natürlich seien FU und HU Konkurrenten, aber auf "freundschaftlicher, kollegialer" Basis.

"Wir können in solchen großen Wettbewerben nur bestehen, wenn wir unsere Potenziale zusammenlegen", sagt der Präsident, der bis 2010 Kultusminister von Sachsen-Anhalt war. "Deshalb gibt es ja so viele Cluster und Graduiertenschulen, wo FU und HU gemeinsam agieren, oft auch über die Charité, die wir zusammen tragen."

Aber auch die Berliner Wissenschaftspolitik der letzten Jahre habe dem Standort geholfen, sagt Olbertz. Solche Worte von einem Universitätspräsidenten sind eher selten, kämpfen die Hochschulmanager doch sonst stets mit der Politik um Geld und Autonomie.

Sein Lob sei als Hommage an Jürgen Zöllner gemeint, sagt Olbertz. Der ehemalige Wissenschaftssenator, der im Herbst von Sandra Scheeres (beide SPD) im Amt abgelöst wurde, habe "gemacht, was in einem schwierigen Umfeld möglich war, um ein Höchstmaß an Ressourcen und Aufmerksamkeit für den Wissenschaftsstandort Berlin zu bekommen".

Elite-Status nicht langfristig abgesichert

Dem Berliner Senat falle nun die Aufgabe zu, bei den nächsten Verhandlungen über die Hochschulverträge für Stabilität und Nachhaltigkeit zu sorgen, sagt Olbertz. "Die Reputation des Berliner Forschungsraums gibt es nicht zum Nulltarif."

Der Elite-Status zweier Berliner Unis sei ein toller Erfolg, langfristig abgesichert sei er aber nicht. Die Förderung durch die Exzellenzinitiative solle ein strukturgebender Effekt sein, der weit in die Universität hineinwirke. "Ich will keinen Garten Eden oberhalb des Alltags aus Forschung und Lehre", sagt Olbertz. Die geschaffenen Strukturen müssten sich verstetigen.

"Wir sind auch bereit, unser Forschungsprofil mehr noch an unseren eigenen Stärken auszurichten und auch mit unseren eigenen Ressourcen, durch Umwidmungen und Akzentverschiebungen, einen Teil dieser Absicherung selber zu leisten", sagt Olbertz. Auf Kosten der kleineren, ertragsschwächeren Fächer solle das aber nicht gehen.

"Ich habe an der Universität die Devise ausgegeben, dass wir etwa zur Hälfte die Verstetigung selber organisieren müssen, aus welchen Quellen auch immer." Die andere Hälfte müsse aber von der Politik kommen, fordert der Präsident. "Alleine schaffen wir es nicht, das Niveau zu halten."

Berlin und die Exzellenz-Förderung

Die neue Runde reicht bis 2017. Die Mittel kommen von Bund (75 Prozent) und Ländern (25 Prozent).

Für die Schlussrunde der dritten Exzellenz-Initiative waren im März 2011 nur zwei der vier Berliner Universitäten aufgefordert worden: Humboldt-Universität (HU) und Freie Universität (FU). Die Technische Universität ging trotz Anträgen leer aus. Die Universität der Künste hatte sich nicht beteiligt.

HU und FU mussten ihre Vollanträge bis zum 1. September 2011 eingereicht haben.

Während die FU bereits 2007 den Exzellenz-Status erhielt, hoffte die HU noch in der neuesten Runde.

Die FU hatte sich mit dem Konzept der Weiterentwicklung zu einer "Internationalen Netzwerkuniversität" beworben, eingeschlossen der Ausbau des Forschungscampus mit Max-Planck-Instituten. Die HU überschrieb ihre Bewerbung "Bildung durch Wissenschaft".

die beiden Universitäten konnten sich für die drei Säulen einer jeden Exzellenz-Runde bewerben: Graduiertenschulen (bringen Millionen Euro für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses), Exzellenz-Cluster (bringt Geld für Forschungsverbünde beziehungsweise hilft, solche Verbünde zu etablieren) und Zukunftskonzept (für einen ganzheitlichen Ansatz zur Entwicklung der Hochschule). Allein dieses Konzept ist für den Elite-Status maßgeblich.

Die HU hatte sich im Schlusspurt für drei Graduiertenschulen und zwei Cluster beworben, einen Cluster – zur Charité – als Kooperation mit der FU. Ebenfalls mit der FU war eine weitere, vierte Graduiertenschule beantragt worden. Die FU allein hatte sich ebenfalls um eine Graduiertenschule bemüht.

Bislang bekamen die Berliner Universitäten 12 Projekte finanziert (unter anderen vier Exzellenz-Cluster).

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Zufallstreffer Touristen filmen F-18-Testflug im Death Valley
Glück gehabt Bungee-Seil nicht festgemacht - Mann überlebt
Himmelskreaturen Der Angriff der Riesendrachen
Skandal-Schauspielerin Lindsay Lohan verrät ihr Beauty-Geheimnis
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Ex-Fußball-Star

Die fünf Frauen des Lothar Matthäus

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote