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Unterrichtsqualität

Schulinspektoren kritisieren Berliner Lehrer

Berliner Pädagogen fördern leistungsstarke und schwache Schüler nicht ausreichend. Das geht aus dem Bericht der Schulinspektion hervor. Experten befürchten, dass so das Konzept der Gemeinschaftsschule gefährdet ist. Sie fordern eine Bildungsoffensive für Lehrer, um die Qualität des Unterrichts zu steigern.

Schulinspektion in Berlin
Foto: dpa
Schulinspektoren hospitieren im Unterricht eines Gymnasiums

Die individuelle Förderung der Berliner Schüler lässt sehr zu wünschen übrig. Aus dem Bericht zur Schulinspektion 2007/2008 geht hervor, dass differenzierte Unterrichtsmethoden auch in diesem Schuljahr eher selten angewendet wurden.

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So fand an etwa 70 Prozent der 148 überprüften Schulen Binnendifferenzierung im Unterricht gar nicht oder nur ansatzweise statt; leistungsstarke wie leistungsschwächere Schüler wurden nicht entsprechend gefördert. Damit unterscheiden sich die Ergebnisse nicht von denen im Vorjahr. Das geht aus der Beantwortung einer kleinen Anfrage des bildungspolitischen Sprechers der CDU, Sascha Steuer, hervor. Der gesamte Bericht zur Schulinspektion 2007/08 wird laut Bildungsverwaltung aber erst im Mai vorgelegt werden.

Schulexperte Steuer forderte eine Ausweitung der Lehrerfortbildung. „Wenn Lehrer nicht binnendifferenziert unterrichten können oder wollen, muss jede Schulreform scheitern“, sagte Steuer. Er verwies auf die Pläne von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), mit der Schulstrukturreform Haupt-, Real- und Gesamtschulen zu sogenannten Sekundarschulen zusammenzulegen. Große heterogene Lerngruppen seien die Folge. Das erfordere, dass die Lehrer unterschiedlich leistungsstarken Schülern unterschiedliche Angebote machen, eine individuelle Förderung der Schüler sei unumgänglich. „Auch Projekte wie die Gemeinschaftsschule oder die flexible Schulanfangsphase sind zum Scheitern verurteilt, wenn binnendifferenzierter Unterricht nicht stattfindet“, so Steuer.

Wolfgang Harnischfeger, Vorsitzender der Vereinigung Berliner Schulleiter, forderte ebenfalls eine Lehrerfortbildung im großen Stil. „Für den Erfolg der geplanten Schulstrukturreform ist binnendifferenzierter Unterricht ausschlaggebend. Bisher gibt es aber keinerlei Vorbereitung in dieser Richtung“, sagte er. Wenn heterogene Lerngruppen unterrichtet werden sollten, könne man nicht einfach an den Leistungen der Schwächsten anknüpfen, sondern müsse den Schülern je nach Leistungsstand unterschiedliche Angebote machen. „Das ist nicht leicht und sehr arbeitsintensiv“, betonte Harnischfeger. Entsprechende Fortbildungen für Lehrer seien deshalb unerlässlich. Bisher gebe es aber zu wenige Möglichkeiten, vorhandene Angebote richteten sich vor allem an Grundschullehrer.

Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen, forderte eine Fortbildungsoffensive für Lehrer. „Der Senat darf nicht warten, bis das Gesetz zur Schulstrukturreform da ist. Er muss jetzt handeln“, sagte Mutlu. Schon die Ergebnisse des Leistungsvergleichs Pisa hätten gezeigt wie nötig binnendifferenzierter Unterricht sei.

Auch André Schindler, Vorsitzender des Landeselternausschusses, äußerte sich kritisch zu den Ergebnissen der Schulinspektion. „Das ist jetzt der dritte Bericht, aus dem hervorgeht, dass binnendifferenzierte Unterrichtsmethoden nur selten angewendet werden. Dieser Missstand muss endlich angegangen werden“, sagte Schindler und forderte die Bildungsverwaltung auf, den Bericht der Schulinspektion ernst zu nehmen. „Der Fokus sämtlicher Anstrengungen muss klar auf die Verbesserung der Qualität des Unterrichts gerichtet werden“, sagte Schindler. Schulstrukturdebatten allein würden die durch mangelhaften Unterricht verursachten Probleme nicht lösen.

Kenneth Frisse, Sprecher der Bildungsverwaltung, verwies indes auf umfangreiche Fortbildungsangebote. Diesen würden Lehrer darin unterstützen, moderne Unterrichtsmethoden einzusetzen, um den heterogenen Lerngruppen gerecht zu werden.

Die Schulinspektionen starteten 2006. Inspektorenteams, bestehend aus Lehrern, Eltern und Vertretern der Schulaufsicht, bleiben seitdem – je nach Größe der Schule – zwei bis vier Tage, um die jeweilige Einrichtung auf Herz und Nieren zu überprüfen. Zum Programm der Gutachter gehören neben Befragungen der Lehrer, Schulleiter, Schüler und Eltern auch Unterrichtsbesuche.

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