05.06.12

Kreuzberg

Mehr als 100 Menschen gedenken getöteter Frau

Nach der grausamen Tötung seiner Ehefrau kommt Orhan S. in eine psychiatrische Klinik. Am Abend gedachten Anwohner der Toten.

Foto: Steffen Pletl

Anfang Juni 2012 hat die Berliner Polizei die zerstückelte Leiche einer 30-Jährigen in einer Kreuzberger Wohnung entdeckt.

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Der 32 Jahre alte Orhan S. aus Kreuzberg hat die Tat an seiner Frau bei den Vernehmungen durch die Mordkommission gestanden, wie Morgenpost Online aus Sicherheitskreisen erfuhr. Demnach habe der Mann geschildert, was im Einzelnen passiert sei. Bereut habe er die Tat einem Ermittler zufolge allerdings nicht.

Gegen den 32-Jährigen will die Staatsanwaltschaft voraussichtlich einen Haftbefehl wegen Totschlags beantragen. Mordmerkmale wie etwa Heimtücke seien bislang nicht zu erkennen, sagte Sprecher Martin Steltner am Dienstag.

"Stark eingeschränkte Schuldfähigkeit"

Am späten Nachmittag hat ein Richter entschieden, dass Orhan S. wegen Totschlags in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird. Eingewiesen deshalb, weil die "stark eingeschränkt Schuldfähigkeit" sehr wahrscheinlich ist.

Die 30-Jährige Mutter von sechs Kindern starb laut Obduktion an Messerstichen in die Brust. Anschließend habe der 32-Jährige die Leiche zerteilt. Die sechs Kinder der Eheleute befanden sich in der Wohnung der Familie, während ihr Vater die Mutter auf der Dachterrasse des Hauses umbrachte.

Der Tatverdächtige sollte am Dienstag einem Richter vorgeführt werden, der über einen Haftbefehl entscheidet. Zuvor werde der Mann noch psychiatrisch begutachtet.

Kinder bleiben zusammen

Die Kinder im Alter von 18 Monaten bis 13 Jahre können zusammen in einem Heim unterkommen. "Ich bin sehr froh darüber, dass der Träger des Heims das so unkompliziert übernommen hat", sagte die Bezirksstadträtin für Familie, Monika Herrmann (Grüne), am Dienstag. Spätestens an diesem Mittwoch sollten die beim Kindernotdienst untergebrachten Mädchen und Jungen dorthin umziehen. "Spezialkräfte werden die Kinder psychologisch betreuen", erklärte Herrmann.

Mahnwache gegen Gewalt

Mit einer Mahnwache gegen Gewalt haben in Berlin laut Polizei mehr als 100 Menschen der von ihrem Ehemann getöteten Frau gedacht. Sie versammelten sich am Dienstagabend am Tatort des brutalen Mordes in der Köthener Straße in Kreuzberg. "Wir sind entsetzt und wütend über diese grausame Tat. Wir wollen ein Zeichen gegen Gewalt setzen", sagte Kazim Erdogan, Psychologe und Initiator der türkischen Vätergruppe des Vereins "Aufbruch Neukölln". Er kündigte an, Geld für die hinterbliebenen Kinder zu sammeln.

Mutlu fordert mehr Schutz ausländischer Frauen

Der Grünen-Abgeordnete Özcan Mutlu forderte mehr Schutz und Aufklärung ausländischer Ehefrauen. "Frauen, die über eine Heirat ins Land kommen, kein Deutsch sprechen, keine Kontakte hier haben und andere Rechtsvorstellungen gewohnt sind, müssen wissen, dass sie der Staat schützt", sagte der Politiker am Dienstag. Er wohnte bis vor kurzem in dem selben Haus wie das Opfer.

Mutlu zufolge stammt die getötete 30-Jährige aus dem Osten der Türkei. Sie sei für ihren Mann nach Deutschland gekommen, der hier aufgewachsen sein soll. Die Polizei machte dazu keine Angaben. Nun müsse geprüft werden, ob die Behörden künftig Frauen in einer ähnlichen Lage besser über ihre Rechte informieren könnten. So seien bei der Einreise etwa Einzelgespräche ohne den Mann denkbar, bei denen über Grundrechte und Anlaufstellen für den Notfall gesprochen werden könne. Diese Gespräche könnten mit Sprachtests einhergehen.

Quelle: mb/dpa/ap/tj
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