02.06.12

Friedrich-Jubiläum

Friedrich-Musical dreht die Geschichte durch den Wolf

Zum Friedrich-Jubiläum gibt es nun ein Musical. Doch das Libretto hat mit Historie nicht viel gemein - das liegt vor allem an der Story.

Foto: dpa
Friedrich
"Historical" in Babelsberg: Das Friedrich-Gedenken läuft in einer Dauerschleife

Potsdam hat den 100. Geburtstag seines Filmstudios Babelsberg bekanntlich ein wenig vorverlegt, weil in diesem Jahr der 300. Geburtstag Friedrichs II. gefeiert wird. Und zwei Jubiläen in einem Jahr, das geht wohl nicht.

Nun ist der Alte Fritz sogar bis aufs Filmgelände vormarschiert. Denn dort, in der Metropolis-Halle, gleich gegenüber dem Filmpark mit seinen Stuntshows, wurde am Freitag das eigens für das Jubiläumsjahr komponierte Musical "Friedrich. Mythos und Tragödie" uraufgeführt.

War es die Rache von Babelsberg? Die Halle eignet sich jedenfalls, was Akustik und auch Bühnenmagie angeht, nicht wirklich für einen derartigen Anlass. Aber nicht das war es, was das Premierenpublikum ein wenig irritierte.

Dass da kein leibhaftiges Orchester spielt, sondern Musik vom Band läuft, dass auch der Chor teils aus der Konserve kommt, das wiegt schon schwerer und lässt den Funken schwer überspringen. Doch am ärgerlichsten ist die Geschichte, die dieses Historical uns da auftischt.

Sinn verdreht, um Kasse zu machen

Die Firma Spotlight sitzt in Fulda und bringt dort historische Musicals wie "Die Päpstin" oder "Elisabeth – Die Legende einer Heiligen" heraus. Drei Jahre will man nun an dem Friedrich-Stoff gesessen haben. Aber am Ende ist Fulda doch ganz schön weit weg.

Und die "Friedrich"-Macher setzen den Potsdamern und Berlinern einen Bären vor, den diese ziemlich schnell erkennen müssen. Schließlich laufen seit Januar reihum Friedrich-Gedenken, Ausstellungen und Dokumentationen in Dauerschleife. Immer wieder wird da die Männerfreundschaft des Prinzen zu Leutnant Katte aufgegriffen, der Versuch der gemeinsamen Flucht und die Hinrichtung Kattes vor den Augen des Freundes.

Auch dass Friedrich nie mit Frauen konnte, ist wohl allen bekannt. Nur nicht Christoph Jilo und Wolfgang Adenberg, die das Libretto verfassten. Bei ihnen verliebt sich Katte, jawohl, in Friedrichs Schwester. Friedrich dagegen wird von einer sächsischen Gräfin verführt. Warum der tote Katte dann ständig dem alten Fritz erscheint, ist nicht nachvollziehbar.

Auch in Hollywoodfilmen wird ja gern jeder Sinn verdreht, um Kasse zu machen. Bei all den 300er-Jubelarien aber ist dieses offensichtlich mit siedender Nadel gestrickte Musical der bislang ärgerlichste Beitrag. Dass der Komponist Dennis Martin Verstärkung durch Marc Schubring bekam, spricht auch für sich.

Schade um die guten Stimmen: Vor allem Tobias Bieri und Chris Murray brillieren als Kronprinz und Alter Fritz. Ob das Musical über das Festjahr hinaus Bestand haben wird, darf bezweifelt werden.

Quelle: zdr
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