Wintervorbereitungen

Berliner Flughäfen rüsten gegen Schneechaos auf

Nichts soll mehr so sein wie im letzten Winter, als Flüge reihenweise ausfielen. Die Berliner Flughäfen haben vorgesorgt und ihre Lagerkapazitäten für Streugut erhöht, Spezialgeräte angeschafft und Personalschulungen angeordnet.

Foto: dpa / dpa/DPA

Mit Schrecken erinnern sich viele Fluggäste an den vorweihnachtlichen Reiseverkehr vergangenes Jahr, als Passagiere stundenlang in Tegel und Schönefeld ausharren oder gleich ganz auf andere Verkehrsmittel umsteigen mussten, weil Hunderte Flugzeuge nach heftigen Schneefällen am Boden bleiben mussten.

Solche Szenen sollen sich in diesem Jahr nicht wiederholen, versicherte am Freitag der Sprecher der Berliner Flughäfen, Leif Erichsen. "Wir haben aus dem harten und langen Winter gelernt und unsere Vorbereitungen auf die kommende Wintersaison gründlich optimiert", so der Sprecher. Zwar bleibe der Winter auch weiterhin "keine ideale Zeit für Flugreisen". Mit Verspätungen müsse insbesondere bei plötzlich einsetzenden Schneefällen immer noch gerechnet werden. "Doch ein Winter-Chaos wie im vergangenen Jahr" werde es nicht geben.

Bereits am 1. Oktober sei das Winterprogramm angelaufen, so Erichsen weiter. Insgesamt 200 geschulte Mitarbeiter und 100 Fahrzeuge an den Flughäfen Tegel und Schönefeld stehen bereit, um mit ihren Spezialgeräten für freie Start- und Landebahnen sowie enteiste Flugzeuge zu sorgen. Zudem wurden die Lagerkapazitäten für Enteisungs- und Streumittel erheblich erhöht und auch die Lieferwege optimiert.

Lieferkette geschlossen

Neben den außergewöhnlich starken Schneefällen hatten im vergangenen Jahr auch Lieferengpässe bei der Spezialflüssigkeit zur Flugzeugenteisung zu einem Chaos im europäischen Flugverkehr geführt. Allein Berlin hatte bereits Mitte Dezember die zehnfache Menge des Glykolgemischs verbraucht wie im gesamten Vorjahr. Doch der Hersteller Clariant hatte aufgrund der außerordentlichen Nachfrage nicht nur Schwierigkeiten, mit der Produktion hinterherzukommen. Auch der Transport der Chemikalie erwies sich als Problem. Die Gefahrguttransporter, die das Mittel des schweizerischen Herstellers nach Berlin transportieren sollten, mussten angesichts der Wetterlage schon vor dem Fichtelgebirge stoppen, weil sie diesen Abschnitt der Autobahn A 9 nicht befahren durften.

Der für die Enteisung der Flugzeuge zuständige Dienstleister GlobeGround Berlin hat mit Clariant deshalb neue Verträge geschlossen, so Bernhard Alvensleben, Geschäftsführer von GlobeGround.

"Als Konsequenz wurde für den gesamten ost- und norddeutschen Raum bei Schkopau in Sachsen-Anhalt ein Zwischenlager für Enteisungsmittel eingerichtet", sagte Alvensleben. Zudem habe man an den Flughäfen Tegel und Schönefeld je drei zusätzliche Tanks angeschafft, die jeweils mit 30.000 Litern der Chemikalie gefüllt seien. Insgesamt stünden an den beiden Standorten nunmehr 700.000 Liter und damit 180.000 Liter mehr als im vergangenen Winter zur Verfügung. Je nach Wetterlage und Flugzeugtyp benötige man im Winter zwischen 200 und 2000 Liter, um ein einzelnes Flugzeug zu enteisen. Als Konsequenz aus dem Schnee-Chaos des vergangenen Winters sei zudem geplant, auch das Notlager in Spandau, das im vergangenen Winter insgesamt 240.000 Liter fasste, zu erweitern. "Doch die Verhandlungen laufen noch", so Erichsen.

Auch bei den Spezialfahrzeugen habe man entsprechend nachgerüstet, so GlobeGround-Chef Alvensleben weiter. Die bereits vorhandenen 15 Fahrzeuge, die aufgrund ihrer langen Spritzrüssel "Elefanten" genannt werden, wurden durch drei neue ergänzt, so dass nunmehr 18 "Elefanten" zur Verfügung stehen. Mit ihrer Hilfe kann ein Flugzeug in der Warteposition in wenigen Minuten eis- und schneefrei gemacht werden – "und bei Bedarf auch noch einmal, wenn es schon in der Startposition steht, technisch ist das kein Problem", so Alvensleben. Das Personal sei inzwischen auch auf die neuen Spezialfahrzeuge geschult worden. GlobeGround habe zudem die Enteisungsverfahren mit einem neuen Mittel etwas verändert, ergänzte Flughafensprecher Leif Erichsen. Im ersten Schritt würden Leitwerke und Rumpf enteist und dann imprägniert, so dass bis zum Start keine Vereisungsprobleme mehr auftauchen sollten.

Doch nicht nur die Flugzeuge, auch die Start- und Landebahnen müssen eis- und schneefrei sein, um den reibungslosen Betrieb zu garantieren. Für den Winterdienst am Boden sind die Berliner Flughäfen selbst zuständig. Und auch die haben vorgesorgt. Vier neue Schneepflüge wurden angeschafft, um 140 Hektar am Flughafen Schönefeld und die etwa 130 Hektar in Tegel freizuhalten.

Zudem sei der Vorrat an Streumitteln gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel aufgestockt worden, sagte der zuständige Bereichsleiter Frank Giehler von den Berliner Flughäfen. Rund 400 Tonnen Granulat und Flüssigenteisungsmittel aus Spezialsalzen zum Enteisen der Pisten seien eingelagert. "Das reicht vermutlich nicht für den ganzen Winter, doch Engpässe gibt es bei unseren Lieferanten nicht", so Giehler. Zudem hätten die Berliner Flughäfen mehrere Lieferanten über Rahmenverträge gebunden, man sei anders als GlobeGround nicht von einem einzigen Unternehmen abhängig. Auch bei extremen Witterungsbedingungen könne jede Start- und Landebahn in bis zu 40 Minuten betriebsbereit sein.

In Tegel und Schönefeld stehen 100 Einsatzfahrzeuge zur Verfügung, davon etwa 80 Spezialfahrzeuge wie die Räumfahrzeuge mit einer Schaufelbreite von 3,50 Metern oder Streuwagen, die extra große Flächen abdecken können.

Hilfe von der Flughafenfeuerwehr

An beiden Flughäfen gibt es 30 geschulte Fahrer für diese Einsatzfahrzeuge. Zusätzlich werden die Kollegen in Tegel und Schönefeld von der Flughafenfeuerwehr sowie durch saisonale Fachkräfte, beispielsweise aus dem Gartenbaubereich, unterstützt. "Insgesamt sind etwa 200 Mitarbeiter im Einsatz, die – wenn nötig rund um die Uhr – die Flughäfen schneefrei halten können", so Giehler, der betont, dass auch im vorigen Winter "wegen widriger Start- und Landebahnverhältnisse kein Jet am Boden bleiben musste".

Das haben sich die Berliner Flughäfen allerdings einiges kosten lassen. Insgesamt seien im Winter 2010/11 für Räumarbeiten etwa zwei Millionen Euro ausgegeben worden. Pro Startbahnräumung würden Salze im Wert von 6000 bis 7000 Euro eingesetzt, sagte Frank Giehler. Schon allein deshalb wünsche sich an den Flughäfen wirklich niemand einen Winter wie im vergangenen Jahr. Schließlich werden die Streumittel auch nicht schlecht, ein milder Winter ist deshalb – trotz aller Vorbereitungen – der Wunsch aller Flughafenmitarbeiter.

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.