10.08.2011, 07:53

Aufrufe zu Liebig 14 "London brennt, wann folgt endlich Berlin?"

Liebigstrasse 14 nach der Raeumung

Foto: dapd / dapd/DAPD

Liebigstrasse 14 nach der Raeumung Foto: dapd / dapd/DAPD

Seit der Zwangsräumung des Hauses Nummer 14 kommt es in der Liebigstraße immer wieder zu Gewalttaten der linksautonomen Szene. Im Internet rufen einige Gruppen zu Rache auf und verweisen auf die Krawalle in Großbritannien.

Die Bewohner und Hauseigentümer an der Liebigstraße in Friedrichshain kommen nicht zur Ruhe. Fast ein halbes Jahr ist seit der von Ausschreitungen begleiteten Zwangsräumung des Hauses Nummer 14 vergangen, und noch immer kommt es regelmäßig zu neuen Gewalttaten der linksautonomen Szene. Auch in der Nacht zu Dienstag schlugen gewaltbereite Extremistengruppen wieder zu. Ihr Ziel war wie schon so häufig in den letzten Monaten das Haus Nummer 14. Gegen 1 Uhr schreckte einer der neuen Mieter des zwangsgeräumten Hauses durch einen kurzen, aber ohrenbetäubenden Krach aus dem Schlaf. Ursache des Lärms: Unbekannte hatten drei Fensterscheiben in seiner Wohnung eingeworfen.

Zwei der Scheiben zersplitterten unter dem Aufprall der Pflastersteine völlig, die dritte wies ein kreisrundes Loch auf. Dass kein Bewohner getroffen und verletzt wurde, war reines Glück. Während die Täter in der Dunkelheit verschwanden, alarmierte der betroffene Mieter die Polizei. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

Aufrufe zu Racheakten

Blinde Zerstörungswut tritt an der Liebigstraße immer wieder zutage. Aufgehetzt werden die Täter auch durch regelmäßige Aufrufe im Internet. "Rache für Liebig 14", lautet zumeist das Motto, wenn zu Gewalttaten aufgerufen wird. Einige Gruppen scheuen sich auch nicht, die seit Tagen in britischen Städten anhaltenden Krawalle zu nutzen. "London brennt, wann folgt endlich Berlin?", ist ein am Dienstag auf der Internetplattform Indymedia erschienener Beitrag überschrieben. Der Text enthält unter anderem Anleitungen, wie sich ein Feuerlöscher "ganz easy" in einen Flammenwerfer verwandeln lässt. Und einem Erfahrungsbericht über den Test eines solchen Gerätes an einem Bauwagen: "Das geht voll geil ab", so der Kommentar. Staats- und Verfassungsschützer registrieren solche Aufforderungen und nehmen sie ernst.

Die Steinwürfe auf das Haus Liebigstraße 14 blieben in der Nacht zu Dienstag nicht die einzige Gewalttat in dem Kiez. Am Abend hatten an der nahe gelegenen Voigtstraße mehrere Personen von einem Balkon aus Steine auf einen vorbeifahrenden Streifenwagen geworfen. Verletzt wurde niemand, drei Verdächtige konnten festgenommen werden.

Unterdessen begann am Dienstag vor dem Amtsgericht Tiergarten der Prozess gegen einen 23-Jährigen, der während der Ausschreitungen bei der Räumung des Hauses Liebigstraße 14 Steine gegen die Fensterscheiben mehrerer Banken geworfen haben soll. Der Angeklagte schwieg zunächst zu den Vorwürfen. Das Urteil soll am 30.August erfolgen.

(hhn)
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