Anmeldezahlen

Bewerber stürmen Berlins Universitäten

Das Ende der Wehrpflicht und doppelte Abiturjahrgänge bescheren den Berliner Universitäten und Hochschulen Rekordzahlen bei den Anmeldungen. Teilweise kommen sieben und mehr Abiturienten auf einen Studienplatz.

Foto: picture alliance / dpa

Berlin verzeichnet erneut einen immensen Zulauf von Studienanfängern. Nachdem Ende vergangener Woche die Bewerbungszeit für Universitäten und Fachhochschulen zu Ende gegangen ist, melden viele Immatrikulationsbüros nun Rekordzahlen. Das Ende der Wehrpflicht und die doppelten Abiturjahrgänge in Niedersachsen und Bayern machen sich nach Einschätzung der Hochschulen auch in Berlin deutlich bemerkbar.

Besonders die Fachhochschulen registrieren einen sprunghaften Anstieg in der Nachfrage. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) spricht von einem "Rekord" und meldet 16.300 Bewerber auf 2600 Studienplätze – 5000 mehr als im Vorjahr. Damit konkurrieren dort sieben Bewerber um einen Platz. An der Beuth-Hochschule für Technik haben sich 14.900 Interessierte um eine Bewerbung für die 2500 Bachelor- und Masterplätze bemüht, nach ersten Schätzungen einige Hundert mehr als 2010. Immer mehr Abiturienten würden sich aus Angst, leer auszugehen, an vielen Hochschulen zugleich bewerben, erklärt der Leiter der Studienverwaltung, Wolfgang Preuß, den Ansturm. Auch soziale Studienrichtungen an Fachhochschulen sind beliebt. So meldet die Alice-Salomon-Hochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik 5000 Bewerber auf gut 380 Plätze. Der Anstieg sei signifikant, so eine Sprecherin.

Die Bildungsverwaltung rechnet nach eigenen Angaben für die gesamte Berliner Hochschullandschaft mit einem deutlichen Anstieg der Bewerber. "Berlin ist als Hochschulstadt ungebrochen attraktiv", sagte Bildungssenats-Sprecher Christian Walther. Dem Ansturm stehe aber ein "enormer Zuwachs" an Studienplätzen gegenüber. 6000 neue Studienplätze sollen bis 2012 neu geschaffen werden.

Die Plätze werden dringend gebraucht, denn auch an den vier Universitäten der Hauptstadt ist die Nachfrage nach Studienmöglichkeiten groß. So hat die Technische Universität (TU) bisher etwas mehr als 17.500 Bewerber für die rund 4300 zulassungsbeschränkten Studienplätze registriert. Damit kommen an der TU vier Bewerber auf einen Studienplatz. "Das sind etwa zehn Prozent mehr als im vergangenen Jahr", sagte Vizepräsident Wolfgang Huhnt. Und er erwartet noch mehr Studieninteressierte. Denn zu den Bewerbern für die Fächer mit Zulassungsbeschränkung müssten noch die Studierenden hinzugezählt werden, die sich bis Semesterbeginn für die zulassungsfreien Fächer Elektrotechnik, Mathematik und Physik einschreiben.

An der Freien Universität (FU) sieht die Lage ähnlich aus. Auf 4000 Studienplätze, die zu Bachelorabschluss oder Staatsexamen führen, haben sich rund 30.500 Abiturienten beworben. Das entspricht etwa dem hohen Niveau des vergangenen Jahres. Die Bewerberzahlen auf Masterstudiengänge haben sich dagegen um 65 Prozent auf rund 8000 erhöht. Zur Verfügung stehen dafür aber nur gut 1800 Plätze.

Auch die Universität der Künste (UdK) vermeldet einen Ansturm von Studieninteressierten. Neun Bewerber kommen hier auf einen der gut 700 Studienplätze. "Berlin zieht viele Kreative an", sagte die Leiterin des Immatrikulationsamtes, Susanne Hagen. Bislang habe sie mit rund 5000 Bewerbern kalkuliert.

Aus dem Trend fallen die Bewerberzahlen an der Humboldt-Universität. Die Situation sei nicht so dramatisch wie befürchtet, so Sprecherin Ljiljana Nikolic. Etwa 32.000 Interessierte möchten an der HU nach vorläufigem Stand studieren, etwa 3000 weniger als 2010. Doch auch trotz des Rückgangs kommen an der HU immer noch sechs Bewerber auf einen Platz. Psychologie, Jura und Betriebswirtschaftslehre sind an HU und FU die Favoritenfächer.

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