21.06.2011, 08:18

Prozess Polizist soll Geld aus Tresor eingesteckt haben

Mehr als 3300 Euro verschwanden im vergangenen Jahr aus einem Polizeitresor in Berlin-Tempelhof. Jetzt muss sich ein 49 Jahre alter Oberkommissar wegen Diebstahls vor Gericht verantworten. Er bestreitet die Tat.

Genau 3312,17 Euro können eine berufliche und wirtschaftliche Existenz vernichten. Oder eine Dienststelle der Berliner Polizei in Aufregung versetzen. Oder beides. Denn dieser Betrag verschwand im vergangenen Jahr aus einem Tresor im Polizeigewahrsam am Tempelhofer Damm.

Seit Montag steht ein 49 Jahre alter Oberkommissar als Tatverdächtiger vor dem Amtsgericht Tiergarten. Sein Motiv sieht die Staatsanwaltschaft in den finanziellen Problemen, die der Beamte zur Tatzeit hatte. Es gab unbezahlte Rechnungen, Zwangsvollstreckungen und sogar Haftbefehle, um ihn zur Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung, früher als Offenbarungseid bekannt, zu bewegen. Der Angeklagte bestreitet die Tat. Es geht auch um seine Existenz.

Der Richter lockt vergeblich mit dem Angebot, mildere Strafe gegen ein Geständnis. Dieses, so der Richter, könne auch das Klima des Misstrauens aus der Welt schaffen, dass seit der Tat unter den Mitarbeitern des Polizeigewahrsams herrsche. Die Verteidigerin wehrt ab, ihr Mandant hätte das Geld aus dem Tresor nehmen können, er habe als Schichtführer ja die Schlüsselgewalt gehabt, aber eben nicht nur er. So müssen mehr als ein Dutzend Zeugen aufmarschieren.

Schon die Befragung am ersten Prozesstag macht deutlich: Es gibt viele Schichtführer mit Schlüssel, außerdem Stellvertreter, denen die Schlüssel auch anvertraut werden. Also stehen nun alle Zeugen vor dem Richtertisch, betrachten angestrengt die in den Akten enthaltenen Formulare mit vielen Vermerken und Unterschriften und erörtern, wer wann was entgegennahm und wann an wen weitergab. Die Verteidigerin denkt derweil laut darüber nach, dass Theorie und Praxis bei Dienstvorschriften nicht immer das gleiche sein müsse. Anfang Juli soll das Urteil gesprochen werden. Denn einer muss das Geld genommen haben.

(hhn)
Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter