Manipulationen im Fußball

Berliner in internationalen Wettskandal verstrickt

Die Fußball-Welt wird von einem neuen Wettskandal erschüttert. Ein ranghoher Ermittler spricht von einem der größten Skandale in der Geschichte des Profi-Fußballs. Nach derzeitigem Stand könnte auch ein Spiel in Deutschland betroffen sein. Im Zuge einer europaweiten Razzia nahm die Berliner Polizei auch zwei alte Bekannte fest.

Ein neuer Wettskandal erschüttert den internationalen Fußball. Die Polizei hat am Morgen in Berlin fünf Mitglieder einer internationalen Bande festgenommen, die in großem Stil Spiele aus hochrangigen Fußball-Ligen manipuliert haben sollen. Im Zusammenhang mit den Manipulationen sollen insgesamt 15 Haftbefehle in zehn Ländern ausgestellt worden sein.

Ein ranghoher Ermittler sprach gegenüber Morgenpost Online von einem der größten Skandale in der Geschichte des professionellen Fußballs. "Dieses Erdbeben wird die Glaubwürdigkeit dieses Sports nachhaltig erschüttern", sagte er. Ein Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft teilte mit, dass die Beschuldigten verdächtigt würden, "Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Offizielle aus hochrangigen Fußball-Ligen gegen Geldzahlungen veranlasst zu haben, den Ausgang von Spielen im Sinne der Bande zu manipulieren".

Nach Informationen von Morgenpost Online sind unter den in Berlin festgenommen Verdächtigen die beiden Drahtzieher des Wettskandals um den Schiedsrichter Robert Hoyzer - die Brüder Ante und Milan S. Aus Ermittlerkreisen erfuhr Morgenpost Online, dass die die Betrügerein wieder vom Café King ausgegangen sein sollen. Das Lokal an der Berliner Rankestraße war im Zusammenhang mit der Hoyzer-Affäre 2005 die Zentrale der Wettmanipulationen gewesen.

Spezialkräfte der Polizei hatten S. am Mittwochmorgen in seiner Charlottenburger Wohnung gestellt und wie sein Bruder MilanS. zur Vernehmung gebracht. Die Mutter von Ante S. bestätigte gegenüber Morgenpost Online, dass ihr Sohn festgenommen wurde. Die Beschuldigten wurden später nach Bochum geflogen.

In dem neuen Verfahren ermittelt die Staatanwaltschaft Bochum gegen insgesamt 200 Tatverdächtige, erfuhr Morgenpost Online aus Berliner Sicherheitskreisen. Nach Angaben der Bochumer Staatanwaltschaft sind am Donnerstag gesamten Bundesgebiet und im Ausland zahlreiche Einrichtungen durchsucht und mehrere Verdächtige festgenommen worden. Dabei sei die Bochumer Behörde durch Verantwortliche der Europäischen Fußball-Union (Uefa) unterstützt und begleitet worden. Details der Aktion sollten noch am Donnerstag mitgeteilt werden. Neben Deutschland sind laut Uefa auch Österreich, Belgien, Bosnien, Kroatien, Ungarn, Slowenien, Schweiz und die Türkei von den Manipulationen betroffen.

Nach Informationen von Morgenpost Online wurden unter anderem Fußballspiele in der ersten Liga der Türkei manipuliert. Gewettet wurde den Vorwürfen der Ermittler zufolge auf Spiele der SüperLig von Deutschland aus - mit zum Teil sehr hohen Beträgen - bei Wettanbietern in Asien Auch namhafte türkische Nationalspieler sollen involviert sein.

In Deutschland könnte nach dem momentanen Ermittlungsstand möglicherweise eine Partie betroffen sein. Ermittler hegen einen Anfangsverdacht, dass das Freundschaftsspiel SSV Ulm gegen Fenerbahce Istanbul am 14. Juli 2009 möglicherweise manipuliert wurde. Der türkische Spitzenklub wird von Christoph Daum trainiert und hatte das Spiel 5:0 gewonnen. "Bislang unbekannte Spieler des SSV Ulm sollen für ihre Bereitschaft zu verlieren" einen niedrigen fünfstelligen Betrag insgesamt erhalten haben, zitiert das Internetportal sueddeutsche.de Ermittlerkreise.

Wie Morgenpost Online aus Ermittlerkreisen erfuhr, sollen die in Berlin festgesetzten Verdächtigen insbesondere türkische Erstliga-Spiele beeinflusst haben. Dabei soll es sich um Spiele der türkischen Süper Lig handeln. Teilweise hätten auch Fußballspieler selbst gewettet. Es werde nicht ausgeschlossen, dass auch türkische Nationalspieler ins Visier der Sicherheitsbehörden geraten.

Ob diesmal auch deutsche Ligen betroffen sind, blieb zunächst unklar. "Die Uefa- und DFB-Frühwarnsysteme für die Überwachung des Wettmarktes haben keinerlei Erkenntnisse über Spielmanipulationen in Deutschland geliefert. Zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum können wir keinen Kommentar abgeben, da uns die Ermittlungsergebnisse bisher nicht bekannt sind", erklärte Harald Stenger, der Medien-Direktor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Hoyzer-Skandal ging von Berlin aus

Anfang 2005 war der bisher größte Wettskandal im deutschen Fußball aufgeflogen. Im Mittelpunkt stand der mittlerweile lebenslang gesperrte Bundesliga-Schiedsrichter Hoyzer, die Gebrüder S. und das Berliner Café King. Hoyzer gestand später, 67.000 Euro für die Manipulation von Spielen erhalten zu haben. Wegen Beihilfe zum Betrug wurde er im November des gleichen Jahres vom Landgericht Berlin jedoch zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten ohne Bewährung verurteilt. Zudem wurde er vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) lebenslang gesperrt. Hoyzer trat seine Haftstrafe im Mai 2007 an und kam 14 Monaten später wegen guter Führung wieder frei.

23 Spiele im DFB-Pokal, der Zweiten Bundesliga und in den Regionalligen waren manipuliert worden oder sollten beeinflusst werden. Doch Hoyzer selbst war dabei der mäßig bezahlte Handlanger. Das große Geld machten Hoyzer Auftraggeber: Die kroatischen Brüder Ante, Milan und Filip S. verdienten hunderttausende Euro. Das Trio hatte den Ausgang bestimmter Partien gewettet und sorgte mit den Bestechungen für ihre Gewinne.

Zentrale der Manipulationen war das von den Brüdern betriebene Café King in der Charlottenburger Rankestraße. Dort hatte Hoyzer die Brüder kennen gelernt. Bei einer Polizei-Razzia fanden die Beamten nach dem Auffliegen des Betrugs Auszahlungsbelege für Sportwetten in Millionenhöhe. Ante S. wurde zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt. Seine Brüder erhielten Bewährungsstrafen.

Hoyzer war nicht der einzige, der sich für Spielmanipulationen bestechen ließ. Hoyzer hatte bei seinen Vernehmungen auch seinen früheren Kollegen Dominik Marks belastet. Der Zweitbundesliga-Schiedsrichter sollte mindestens zwei Spiele manipuliert haben. Marks wurde zu einem Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft hat für Freitag, 20. November, 14 Uhr, eine Pressekonferenz in Bochum zu den Vorfällen angekündigt.

Mit mtt/apä

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