Historische Mitte

38 Berliner schenken der Stadt die Bauakademie

Vor einem Jahr schien der Traum vom Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie in Berlin-Mitte geplatzt. Nun wollen Privatpersonen die erforderliche Summe von 15 Millionen Euro bereitstellen.

Vor genau einem Jahr scheiterte der Versuch des Berliner Liegenschaftsfonds, einen privaten Investor für den Wiederaufbau der berühmten schinkelschen Bauakademie auf dem Friedrichswerder zu finden. Jetzt gibt es wieder Hoffung: Ein Zusammenschluss von 38 Berliner Privatpersonen hat sich bereit erklärt, die erforderliche Summe von 15 Millionen Euro bereitzustellen. Bedingung: "Wir haben heute fristgerecht für die Bauparzellen am Schinkelplatz ein Kaufangebot bei der Bima, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, abgegeben", so Steffi Haubold, Geschäftsführerin der neu gegründeten "Berliner Baugesellschaft Am Schinkelplatz". Da das knapp 5000 Quadratmeter große Baugrundstück neben der Bauakademie zum kleineren Teil dem Land Berlin und zum größeren dem Bund gehört, leitet die Bima das Bieterverfahren. "Wir wollen weder vom Land Berlin noch vom Liegenschaftsfonds Geschenke", versichert die 44-Jährige. "Wir bieten einen marktgerechten Kaufpreis."

Zentraler Bestandteil des Gesamtkonzeptes ist nach Angaben der Baugesellschaft die gleichzeitige Errichtung von vier Wohnhäusern mit 53 Wohnungen und dem Wiederaufbau der Bauakademie. "Wir sind eine Gruppe von architekturinteressierten Bürgern, die mit ihren Familien gern in Berlins historischer Mitte wohnen möchten", so Haubold, die als Franchise-Nehmerin zwölf McDonalds-Filialen in Berlin unterhält. "Die Kosten für die Bauakademie sind in dem Finanzierungsmodell bereits enthalten", ergänzt Detlev Stoecker. Der Berliner Rechtsanwalt, Jahrgang 1954, ist wie die Geschäftsfrau Mitglied der Baugesellschaft und möchte ebenfalls eine Wohnung am Schinkelplatz beziehen. Um sicherzustellen, dass die architektonische Qualität für das Vorhaben an Berlins bester Adresse gegenüber dem Schloßplatz angemessen ist, hat die vermögende Baugruppe vier Berliner Architekturbüros für die Entwürfe gewonnen.

Stararchitekten sollen Wohnhäuser errichten

Bernd Albers, Jan Kleihues, Petra und Paul Kahlfeldt sowie das Büro von Antje Freiesleben und Johannes Modersohn haben vier Stadthäuser entworfen, deren Gestaltung sich in Form und Größe an die klassischen Berliner Wohnbauten anlehnt. So sind im Erdgeschoss der Häuser Ladenflächen vorgesehen und zum Werderschen Markt Büroflächen im 1. Obergeschoss. Auch die Wohnungsgrößen zwischen 80 und 240 Quadratmetern sollen sich an den gründerzeitlichen Vorbildern orientieren. Der mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung abgestimmte Bebauungsplan für die sieben Baufelder am Schinkelplatz sieht jedoch eine kleinteiligere Bebauung im Stile der Townhouses vor, vergleichbar den Häusern am Hausvogteiplatz ganz in der Nähe. "Ich habe sowohl am Planwerk Innenstadt als auch an den Townhouses auf dem Friedrichswerder mitgewirkt", sagt dazu Architekt Bernd Albers. Und obwohl er die Häuser zwischen Hausvogteiplatz und Auswärtigem Amt immer noch für gelungen halte, "sind sie in ihrer Kleinteiligkeit für die direkte Nachbarschaft zur Friedrichswerderschen Kirche, der Bauakademie und dem Berliner Schloss einfach nicht geeignet", so sein Urteil. Die geplanten vier Wohnhäuser, die über einer gemeinsamen Tiefgarage errichtet werden sollen, würden sich dagegen an den Höhenkanten der Bauakademie und der Kommandantur Unter den Linden orientieren. "Wir hoffen, dass die Politik das Potenzial des Projektes und insbesondere die Chance zur Errichtung der Bauakademie erkennt", so Albers weiter, der genauso wie sein Kollege Jan Kleihues auch gern in eines der neuen Häuser einziehen möchte.

Konkrete Zahlen zum Investitionsvolumen wollte die Baugesellschaft gestern nicht nennen. Nur so viel: "Wir entwickeln das Projekt selbst. Deshalb können wir 1000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche – das wäre der Anteil an den Baukosten, den ein Projektentwickler bei einem Wohnprojekt dieser Größenordnung und Lage üblicherweise einkassieren würde – für die Bauakademie abführen", erläutert Stoecker. Bei einer Nutzfläche von 15000 Quadratmetern kämen so exakt die 15 Millionen Euro zusammen, die für den schinkelschen Nachbau erforderlich wären. Sollte diese Summe wieder erwarten nicht reichen, sei man auch bereit, mehr zu geben.

Kollhoff begeistert von dem Projekt

Hans Kollhoff, Architekt und Präsident des Vereins Internationale Bauakademie, der sich seit Jahren um den Wiederaufbau des Gebäudes bemüht, zeigte sich von den Plänen der Baugesellschaft begeistert. "Ich hoffe, dass mit diesem tollen Vorschlag endlich wieder Bewegung in die Sache kommt", so Kollhoff. Schließlich hätten sowohl der Senat als auch das Abgeordnetenhaus den Wiederaufbau beschlossen, seien bislang jedoch mit ihren Bemühungen gescheitert. Von der Bauakademie stehen bislang nur eine Schaufassade sowie eine Fassaden-Attrappe aus Planen, in deren Inneren für das Projekt des Wiederaufbaus geworben wird. Vor einem Jahr hatte sich als Interessent für den Wiederaufbau des Gebäudes zwar der Unternehmer Hans Wall gefunden. Doch dieser hatte die Baukosten nur bis zu einer Maximalsumme von 15 Millionen Euro übernehmen wollen. Dem Senat erschien das damals zu riskant, die Verhandlungen wurden abgebrochen. "Dabei haben mehrere Expertisen ergeben, dass die Summe ausreichend ist", so Kollhoff. Allerdings hatte man sich damals auch nicht einigen können, wie viel Fläche des Gebäudes mit insgesamt 8500 Quadratmetern für die öffentliche Nutzung bereitstehen sollte. Im Ergebnis tat sich aufgrund der gescheiterten Bemühungen auf dem Areal östlich der Friedrichswerderschen Kirche seit Jahren nichts. Das Grundstück, auf dem bis zu seinem Abriss 1996 ein Teil des DDR-Außenministeriums stand, wurde als provisorische Grünfläche hergerichtet.

Bis gestern hatten Kaufinteressenten die Möglichkeit, ihr Gebot für eine der sieben Parzellen abzugeben. Der Bodenrichtwert für die Wiese in bester Innenstadtlage beträgt 2900 Euro pro Quadratmeter. Doch bei der Bima geht man davon aus, dass die Gebote deutlich über diesem Wert liegen werden. "Wir haben einen ganzen Stapel Angebote bekommen", sagt Maik Masche, bei der Bima mit dem Verkauf betraut. Die Auswertung beginne in der kommenden Woche und werde etwa 14 Tage dauern. So lange müssen die Architekturfreunde nun bangen, ob ihr Angebot eine Chance hat.

Zur Startseite