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Architekturwettbewerb gefordert
Verein will die Deutschlandhalle erhalten
Mittwoch, 4. März 2009 15:17
Die Deutschlandhalle soll abgerissen, ein neue Eissport- und eine neue Messehalle gebaut werden. So lauten die Pläne des Senats. Doch es gibt erneut Widerstand gegen den Abriss. Die Halle müsse schon aus Denkmalschutzgründen erhalten bleiben, heißt es.
Die Deutschlandhalle wurde 1935 zu den Olympischen Spielen von Franz Orthmann und Fritz Wiemer für 10.000 Zuschauer als "größte Mehrzweckhalle der Welt" errichtet.
Die deutsche Flugpionierin Hanna Reitsch führte 1938 in einer Revue den Hubschrauber FW61 vor. Reitsch stellte mit dem FW61 sämtliche für Drehflügler möglichen Weltrekorde auf. In der Deutschlandhalle demonstrierte sie auf einer Fläche von 100 mal 40 Metern vor tausenden Zuschauern Vorwärts-, Rückwärts-, Seitwärts- und Schwebeflug.
Im Krieg fielen während einer Vorstellung von "Menschen Tiere Sensationen" Bomben auf die Halle. Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt nannte sie bei der Wiedereröffnung im Oktober 1957 "ein Symbol für den Lebenswillen der geteilten Stadt".
In der Folge fanden legendäre Konzerte und Wettkämpfe in der Deutschlandhalle statt, so etwa der Schau-Kampf von Box-Weltmeister Muhammad Ali (l.) gegen den deutschen Box-Meister Georg Butzbach am 4. Juni 1979.
Im November 1967 fand der Bistumstag in der Deutschlandhalle statt. Bischof Kurt Scharf (l.) im Gespräch mit dem katholischen Ostberliner Erzbischof Alfred Kardinal Bengsch und dem Berliner Senator für Wissenschaft und Kunst, Werner Stein (r.).
Es folgte die Sendung "Der Goldene Schuss" mit Showmaster Vico Torriani und seinen Assistentinnen Ina, Barbara und Alexandra (v.l.). Mit der 25. Ausgabe der ZDF-Show in der Deutschlandhalle kam am 25. August 1967 die farbige Fernsehwelt in die deutschen Wohnzimmer.
Auch das Sechstagerennen fand damals in der Deutschlandhalle statt. Das belgische Duo Eddy Merckx (r) und Patrick Sercu (l) gewann 1977. In ihre Mitte: Klaus Bugdahl, der erfolgreichste deutsche Sechstagefahrer, der nach 218 Rennen mit 37 Siegen seine Profi-Laufbahn beendete.
1998 wurde die Halle dann geschlossen und wegen Baufälligkeit zum Abriss vorgesehen, jedoch nach dem Abriss der benachbarten Eissporthalle 2001 ersatzweise zur temporären Eissportarena umgebaut. Zum Abschluss der Umbauarbeiten testete die Senatorin für Wirtschaft und Technologie, Juliane Freifrau von Friesen, das Eis.
2005 wurde die Halle dann erneut geschlossen wegen angeblicher Einsturzgefahr des Daches. Nach Belastungstests gab es jedoch Entwarnung, und ab März 2006 fand wieder Eissport in der Deutschlandhalle statt.
Basketball, Reiten - oder auch Tennis. Kaum eine Sportart fand in der Halle nicht ihr Zuhause. 1991 wurde hier das Tennis-Daviscup-Viertelfinale zwischen Deutschland und Argentinien ausgetragen.
Formel-1-Pilot Heinz-Harald Frentzen steuerte 1995 seinen Kart beim ADAC-Super-Kart-Festival in einer rasanten Kurvenfahrt auf dem Kurs in der Berliner Deutschlandhalle.
Die britische Königin Elisabeth II. besuchte am 20.Oktober 1992 mit Prinz Philip (r.) und dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (l.) in der Deutschlandhalle das militärische Zeremoniell British Tattoo.
Vor allem während der Musikmesse Popkom gaben sich Topmusiker in der Deutschlandhalle die Klinke, beziehungsweise das Mikrofon, in die Hand, hier die "Sportfreunde Stiller".
Zu Tausenden Veranstaltungen kamen weit mehr als 30 Millionen Besucher in die Deutschlandhalle. Nun ist ihr Ende beschlossen. Die Vorbereitungen für den Abriss werden umgehend eingeleitet.
Die Deutschlandhalle soll saniert werden. Das fordert ein Bündnis von Berliner
Denkmalschützern, Architekten, Politikern und Sportlern. Das baufällige
Gebäude könne umgebaut und weiter genutzt werden, sagte die
Geschäftsführerin des Vereins „Denk mal an Berlin“, Stefanie Peitzmeier. Ein
Architektenwettbewerb solle klären, wie die 1935 errichtete Mehrzweckhalle
kostengünstig saniert werden könne. Ein Abriss würde geschätzte 4,5
Millionen Euro kosten, sagte Peitzmeier. Der Senat hatte 2008 beschlossen,
die denkmalgeschützte Deutschlandhalle abzureißen und eine neue
Eissporthalle zu bauen.
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Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) und Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg
Junge-Reyer (SPD) hatten den geplanten Abriss mit dem maroden Zustand und
der geringen Nutzung der Halle gerechtfertigt. Eine Sprecherin von Senator
Wolf erteilte den neuen Sanierungsvorschlägen eine Absage. Die
Deutschlandhalle sei seit 2006 nur für den Eissport zugelassen und führe zu
hohe Kosten an. Die Halle könne nicht adäquat genutzt werden und werde daher
abgerissen.
In einer Pressemitteilung von „Denk mal an Berlin“ hieß es, die Messe Berlin
GmbH habe alle Veranstaltungen außer dem Eissport sperren lassen und selbst
die Erträge reduziert. Sie fordere den Senat als Hauptgesellschafter der
Messe Berlin GmbH auf, das Denkmal Deutschlandhalle zu schützen. „Was für
andere Denkmäler gilt, muss auch auf die Deutschlandhalle zutreffen“, sagte
Peitzmeier. Senator Wolf war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
„Denk mal an Berlin“ wolle die Deutschlandhalle als ein „besonderes Denkmal“
kennzeichnen lassen, sagte Peitzmeier. Das Bündnis gebe es sei Januar. Ihm
gehören auch die Berliner Architekten- und Baukammer, der Architekten- und
Ingenieurverein, der Bezirk Charlottenburg und der Eishockeyverein ECC
Preussen Juniors Berlin an.
Zuletzt hatte der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin (AIV) mehr
Transparenz und eine aussagefähige Kostenberechnung im Zusammenhang mit dem
geplanten Abriss der Deutschlandhalle und dem Neubau einer neuen Messehalle
gefordert. "Aus ökonomischer Sicht müsste erst bewiesen werden, dass
Abriss und Neubau für weniger Geld zu haben sind, als die Restaurierung und
Umbau der Deutschlandhalle kosten würden", sagte
AIV-Vorstandsmitglied Uwe Hameyer. Zudem solle die Messe Berlin GmbH ihren
tatsächlichen Mehrbedarf an Messe- und Sondernutzungsflächen benennen.
Der Senat hatte Ende Mai beschlossen, das Internationale Congress Centrum
(ICC) zu sanieren, die benachbarte Deutschlandhalle aber abreißen zu lassen.
Die Eissportler, für die die Halle erst 2006 für viel Geld wieder saniert
wurde, sollen aber Ersatz bekommen. Ein Standort für den elf Millionen Euro
teuren Neubau ist dafür inzwischen gefunden: ein Parkplatz an der
Glockenturmstraße, nahe dem Olympiastadion.dpa/sh