Postkarten-Aktion

Senat wirbt mit "Tattoos" für Organspende

Täglich sterben in Deutschland Menschen, weil ihnen kein passendes Organ transplantiert werden konnte. Jetzt wirbt die Berliner Gesundheitsverwaltung mit offensiven Fotos für Spenderausweise - und ein neues Bewusstsein.

Knackig, sehnig, braun gebrannt – so sehen sie die Körper aus, mit denen die Senatsverwaltung für Gesundheit für Organspenden wirbt. "Spenderleber" steht in schwarzen Lettern wie eintätowiert unter einer Männerbrust, "Spenderherz" über einem Frauenbusen und das Wort "Spenderniere" rankt sich über einen nackten Rücken.

Diese Fotomotive hat Senatorin Katrin Lompscher (Die Linke) der Öffentlichkeit präsentiert. Die Postkarten werden derzeit in einer Auflage von 83.000 Exemplaren in Kneipen und Kinos, Restaurants und Hochschulen sowie Familien- und Freizeiteinrichtungen verteilt. Wer sie umdreht, hält zwei Organspendeausweise in der Hand. "Einen für sich und einen für den Partner", so die Hoffnung der Gesundheitssenatorin.

Lompscher will mit der 13.000-Euro-Kampagne für Organspenden werben. Ihr Argument: Aktuell warten in Deutschland 12.000 Menschen auf eine Organspende, und vielen läuft die Zeit davon. "Täglich", so Lompscher, "sterben zwei bis drei Menschen, weil sie das benötigte Organ nicht erhielten".

Nach einer repräsentativen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2008 waren zwar zwei Drittel der 4000 Befragten im Alter von 14 bis 75 Jahren mit Organspenden einverstanden – doch nur 17 Prozent hatten den Ausweis.

Doch der macht durchaus Sinn. Denn nach dem deutschen Transplantationsgesetz müssen Menschen einer Entnahme ihrer Organspende noch zu Lebzeiten zustimmen – oder der Arzt befragt ihre Angehörigen unmittelbar nach ihrem Tod.

"Viele wollen sich aber noch nicht entscheiden, haben Angst, dass Ärzte nicht mehr alles zu ihrer Rettung tun würden, wenn sie Organspender sind oder halten sich für zu alt", sagte Lompscher. Doch die Befürchtungen seinen leicht zu entkräften, da zwei Ärzte unabhängig voneinander den Hirntod eines Patienten bestimmen müssten, bevor Organe entnommen werden dürfen.

Selbst wer keine Organe spenden wolle, solle den Ausweis benutzen und das Kästchen mit "Nein" ankreuzen, sagte Lompscher. "Das entlastet zumindest die Angehörigen, weil sie die Frage des Arztes nicht mehr beantworten müssen."

Eine Änderung der gesetzlichen Zustimmungsregelung in eine Widerspruchsregelung befürwortete Lompscher dagegen nicht – anders als der Berliner Herzchirurg Roland Hetzer. Demnach wäre jeder Bürger automatisch Organspender, wenn er nicht zu Lebzeiten verfügt, dass er keine Organe geben will. Für diese Widerspruchsregelung hat sich bereits der spanische Gesetzgeber entschieden. Doch Lompscher plädiert für die Zustimmungslösung. "Ich sehe unseren Auftrag darin, mehr Aufklärung zu betreiben." Die Kampagne sei ein Mittel dazu.

Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter