Film und Architektur

Brad-Pitt-Freunde gestalten Boulevard der Stars

Die Entscheidung für die Gestaltung des geplanten Boulevard der Stars ist gefallen. Das Preisgericht habe den Vorschlag der Berliner Arbeitsgemeinschaft Graft und Art + Com mit dem ersten Preis ausgezeichnet, teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit. Mit dem Boulevard sollen vor den Türen der Deutschen Kinemathek Filmschaffende geehrt werden.

Foto: graFT*ARTCOM / graFT*ARTCOM/graft

Fast fünf Jahre lang hatte man nichts mehr von ihm gehört, vom "Boulevard der Stars", dem Ruhmesweg für die deutschen Kino- und Fernsehgrößen, mit dem Berlin seine Version des "Hollywood Walk of Fame" installieren wollte. Es gab einen Ort (den Potsdamer Platz) und einen preisgekrönten Entwurf (von der britischen Stardesignerin Zaha Hadid) – aber nichts geschah. Nun meldet sich das Projekt quicklebendig zurück, mit einem neuen Entwurf (von den Berliner Stararchitekten Graft) und mit einer Finanzierung: eine Million Euro vom Senat.

Der Ort ist derselbe geblieben: die Potsdamer Straße zwischen den beiden Hälften des Potsdamer Platzes. Der breite Mittelstreifen liegt immer noch – abgesehen von gelegentlichen Berlinale-Plakatkästen – ungenutzt. Das soll sich nach dem Willen von Graft, den Haus- und Hofarchitekten von Brad Pitt und Angelina Jolie, ändern: Durch das Sichtfenster einer Säule wird man das holografische Abbild erblicken, kann sich selbst daneben stellen – und Hand in Hand mit Marlene Dietrich oder Götz George fotografieren lassen.

Der Mittelstreifen – lange begehrt von der Straßenbahn, die dort eine Linie bauen wollte, und von der Werbewirtschaft, um Wände aufzustellen – soll zur neuen Touristenattraktion werden. Regula Lüscher, als Senatsbaudirektorin Mitglied der Jury: "Der siegreiche Entwurf von Graft und Art + Com spielt sehr überzeugend mit den uns vertrauten Symbolen festlicher Inszenierungen des Filmschaffens – dem roten Teppich, Scheinwerferlicht, Sternen für die Stars – und bündelt diese auf eine geradezu selbstverständliche Weise zu einem permanenten Auftritt im Stadtraum."

Das alte Hadid-Konzept war letztlich an seinen Kosten gescheitert; ihr Entwurf war kein in die Erde eingelassener Stern à la Hollywood, sondern eine ovale Steinplatte, auf der wie in einem Milchstraßennebel viele kleine Lichter um den Namen des Geehrten herum hätten funkeln sollen. Schon nach den ursprünglichen Schätzungen hätte jede Platte rund 40.000 Euro gekostet, und bald verdoppelte sich diese Summe.

Nun stehen 1,08 Millionen vom Senat zur Verfügung. In den Folgejahren soll der "Boulevard der Stars" durch jährliche Ehrungen wachsen, wofür die Gemeinnützige GmbH Sponsoren gewinnen will. In dieser haben sich die Initiatoren der Idee – Freunde und Förderer des Filmmuseums Berlin – und neue Unterstützer als Gesellschaft formiert und mit dem Land Berlin eine kontinuierliche öffentlich-private Partnerschaft vereinbart.

Der Erinnerungsboulevard soll den prominenten Künstlern vorbehalten sein, die das deutschsprachige Kino in 100 Jahren hervorgebracht hat; aber auch Plaketten für Fernsehpersönlichkeiten sind vorgesehen. Ein Expertengremium hat vor fünf Jahren schon das erste Dutzend Namen benannt: Fritz Lang, Marlene Dietrich, Billy Wilder, Artur Brauner, Hildegard Knef, Hanna Schygulla, Rainer Werner Fassbinder, Armin Mueller-Stahl, Michael Ballhaus, Wolfgang Petersen, Thomas Gottschalk – und Max Skladanowsky, der 1895 die ersten Filme in Deutschland im Berliner "Wintergarten"-Varieté vorführte. An diese Selektion muss sich die neue GmbH nicht notwendigerweise halten.

Vorbild sind natürlich die Säulenheiligen der US-Unterhaltung. Ihr Tempel ist der Vorplatz des imposanten Grauman's Chinese Theatre. Hier liegt die Urzelle des "Walk of Fame". Links und rechts des Grauman-Kinos erstreckt sich der eigentliche "Walk of Fame". Mehr als 2000 Bronzesterne sind in den Bürgersteig zu beiden Seiten des Hollywood Boulevards eingelassen – mit dem Namen des Stars und einer von fünf möglichen Kategorien: Film, TV, Schallplatte, Radio, Theater. Die erste, die mit einem Stern geehrt wurde, war am 9. Februar 1960 Schauspielerin Joanne Woodward.

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.