Unternehmensberatung

Berliner Bezirke sollen Jugendfreizeitheime aufgeben

Dutzende von Berliner Jugendfreizeitheimen sind in Gefahr: Laut einem Gutachten sollen sich die Berliner Bezirke von ihren Einrichtungen trennen. Die Arbeit mit den Jugendlichen soll dann von freien Trägern übernommen werden. Die Mitarbeiter befürchten nun Personalabbau.

In Berlin sind offenbar Dutzende Jugendfreizeitheime in Gefahr. Laut einem Gutachten der Unternehmensberatung für die Senatsbildungsverwaltung sollen die Bezirke ihre kommunalen Jugendfreizeiteinrichtungen aufgeben. Nur noch freie Träger sollen sich um die nachmittäglichen Anlaufstellen für Jugendliche kümmern. Der Gutachten zeigt aber auch erhebliche Schwächen der Berliner Jugendämter auf. Beim Hauptpersonalrat und in den Bezirken gibt es Befürchtungen eines Personalabbaus und deutliche Kritik.

Das mehr als 300-Seiten-starke Gutachten, das die Unternehmensberatung "steria mummert" mit Datum 1. Juli für Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) erstellt hat und das dieser Zeitung vorliegt, schlägt einen massiven Umbau der Jugendämter in den Bezirken vor. Untersucht wurden die Ämter in Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Tempelhof-Schöneberg und Treptow-Köpenick. Das Ergebnis der Unternehmensberater: Die Behörden sollen sich im Wesentlichen um das Planen, die Gewährleistung und das Kontrollieren kümmern. Die Arbeit mit den Jugendlichen soll von freien Trägern übernommen werden. "Die Vorhaltung eigener Jugendfreizeiteinrichtungen ist (…) kein Bestandteil des Aufgabenportfolios des Amtes mehr", heißt es in der Beschreibung eines "Musterjugendamtes". Betroffen wären auch Eltern von behinderten Kindern, die bisher vom Jugendamt betreut wurden. Sie sollen sich laut Gutachten zukünftig an das Sozialamt wenden. Angebote der Bezirke in der Familien- und Erziehungsberatung sollen reduziert werden.

Gegen diese Vorschläge protestiert der Hauptpersonalrat. Dessen Vorsitzender Uwe Januszewki sagte: "Der Berliner Senat lässt sich in diesem Projekt aufschreiben, wie der direkte Kontakt zu den Bürgern vermieden werden kann. Jugendämter dürfen nicht bloße Gewährleistung von Kinderschutzmaßnahmen garantieren." Die Interessenvertretung der Beschäftigten befürchtet durch die Umstrukturierungen auch Einschnitte beim Personal. Reinhard Naumann (SPD), Jugendstadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf, plädierte für die Beibehaltung bezirklicher Einrichtungen für Jugendliche.

"Die Jugendfreizeitheime sind mehr als Kickern und Disko. Sie haben einen Bildungsauftrag", sagte Naumann. In Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es 15 Einrichtungen des Bezirks, sechs haben freie Träger übernommen. Naumann setzt sich nun für einen Kompromiss ein. "Wir sollten eine Lösung ähnlich wie bei den Kitas finden, bei denen es auch öffentliche und Kitas in freier Trägerschaft gibt." Kenneth Frisse, Sprecher von Bildungssenator Zöllner verwies auf ein anstehendes Gespräch mit den Bezirken, in dem man über die Konsequenzen aus der Untersuchung reden will.

Das Gutachten zeigt aber auch deutliche Strukturschwächen der bestehenden Jugendämter auf. "Es wird empfohlen, den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst und den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst aufgrund des stark überschneidenden Aufgabenportfolios in das Jugendamt zu integrieren", heißt es in dem Gutachten.

Mitarbeiter zu alt

Die Jugendämter drohen zudem zu überaltern. Lediglich vier Prozent der Mitarbeiter sind unter 35 Jahre alt. 30 Prozent gehen in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand. Die Unternehmensberater nennen die Probleme "gravierende Überalterungstendenzen". Auch die Infrastruktur in den Ämtern ist veraltert. Statt auf moderne Kommunikationsmittel wie E-Mails zu setzen, werden die Fälle häufig noch per Akten, die durch die Behörden wandern, bearbeitet. Die Unternehmensberater empfehlen dringend eine bessere Ausstattung der Jugendämter mit moderner Informationstechnologie. Anlass für das Gutachten war die vom Senat gewollte Betonung des Kinderschutzes in der Jugendarbeit, nachdem es einige schwere Vorfälle von Kindesverwahrlosung in Berlin gegeben hatte. Die Mitarbeiter in den Jugendämtern der Bezirke hatten daraufhin auf die besonders hohe Arbeitsbelastung hingewiesen.

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