Linke Aktionswochen

Polizei beendet Hausbesetzung von Ex-Verdi-Zentrale

Bereits im vergangenen Mai hatten Angehörige der linksautonomen Szene die ehemalige Zentrale der Gewerkschaft Ver.di besetzt - eine Nacht lang. Nun waren erneut Besetzer eingedrungen. Die Polizei hat das Gebäude mittlerweile wieder geräumt und neun Besetzer vorübergehend festgenommen.

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Fr, 12.06.2009, 20.04 Uhr

Polizei räumt besetztes Haus in Mitte

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Mehrere Dutzend Angehörige der Hausbesetzerszene haben am Freitagabend vorübergehend die leer stehende ehemalige Ver.di-Zentrale in Mitte besetzt. Etwa 140 Personen, die der politisch linksextremen Szene zuzurechen sind, hatten sich gegen 18.30 Uhr an der Michaelkirchstraße versammelt, von denen sich einige Zutritt in das Bürogebäude verschafften. Sympathisanten hielten vor dem Haus, das bereits im Mai 2008 für eine Nacht besetzt worden war, eine Kundgebung ab. Gut zwei Stunden später räumte die Polizei nach Ende der kurzfristig genehmigten Veranstaltung das Haus. Neun Besetzer wurden vorübergehend festgenommen.

Bereits zuvor hatte die Polizei den Zugang für Unterstützer verhindert und zahlreiche Platzverweise ausgesprochen. Es kam zu Widerstandshandlungen, bei denen Beamte verletzt wurden.

Eine inoffizielle Sprecherin der Besetzer erklärte, die Aktion richte sich "gegen unsoziale Wohnungspolitik." Das Haus sei mit Bedacht ausgewählt worden, weil es nach der Besetzung im vergangenen Jahr Zusagen gegeben haben, die Immobilie solle nach einer Renovierung einer Nutzung zu Wohnzwecken zugeführt werden. "Das Versprechen hat sich als Sprechblase entpuppt, deshalb sind wir jetzt wieder hier", so die Sprecherin.

Nach Informationen von Morgenpost Online war der Hausbesetzung ein Täuschungsmanöver vorausgegangen. Eine Personengruppe hatte zum Schein die Besetzung eines Hauses an der Cuvrystraße in Kreuzberg vorgegeben. Dies sei ausschließlich geschehen, um die Polizei von der geplanten Besetzung des Hauses am Engelbecken in Mitte abzulenken.

Seit Pfingsten hatte es in Berlin zahlreiche Sachbeschädigungen an Häusern sowie Brandstiftungen gegen Fahrzeuge mit politischem Hintergrund gegeben, nachdem die Szene in Internetforen "Aktionswochen" angekündigt hatte. So war in der Nacht zu Freitag in Köpenick ein Haus attackiert worden. Unbekannte hatten am Müggelheimer Damm die Fassade mit Farbflaschen beworfen und dabei ein Fensterrollo des dort ansässigen Anwaltbüros beschädigt. Die Täter hinterließen ein Flugblatt am Tatort. In der Nacht zu Mittwoch hatten Unbekannte die Fassaden von drei Jobcentern und des Software-Entwicklers SAP in Mitte mit Steinwürfen und Farbeiern beschädigt.

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