Kultur

Stadtbad Wedding wird ein Ort für Berlins Kreative

Seit 2002 ist das Stadtbad Wedding geschlossen. Weder Sportvereine noch die Bäderbetriebe konnten die Mittel für die Sanierung aufbringen. Jetzt hat Arne Piepgras das Schwimmbad aus dem Jahre 1907 vom Liegenschaftsfonds gekauft. Er will die gekachelten Hallen mit Kunst, Architektur, Mode, Fotografie, Musik und Events wiederbeleben.

Diese Augen, dieser durchdringende Blick: Neben dem Schwimmbecken, zwischen Wassertanks und Rohrleitungen taucht wie aus dem Nichts eine riesige Leinwand mit einem Frauengesicht auf. Es ist ein Bild des Streetart-Künstlers El Bocho, das im Stadtbad Wedding bereits für eine Vernissage bereit steht. Das Bild ist ein erster Bote: Künftig soll das stillgelegte Bad eine neue Adresse für die kreative Szene werden.

Seit 2002 ist die Halle an der Gerichtstraße 65-69 geschlossen. Weder Sportvereine noch die Bäderbetriebe konnten die Mittel für die Sanierung aufbringen. Jetzt hat Arne Piepgras von der Quantum Immobilien und Projektentwicklungs GmbH das alte Schwimmbad, das im Kern noch aus dem Jahre 1907 stammt, vom Liegenschaftsfonds gekauft. Er will die gekachelten Hallen unter dem Namen "Stattbad" mit Kunst, Architektur, Mode, Fotografie, Musik und Events wiederbeleben.

Eigentlich hatte Arne Piepgras schon vor fünf Jahren vor, dass Stadtbad zu kaufen, um an diesem Standort einen Lidl-Markt zu errichten. Diesem Schicksal entgingen die historischen Gemäuer, weil der Lebensmittel-Discounter nicht in die, für seinen Geschmack zu ruhige Gerichtstraße wollte. Als Piepgras dann aber mit dem Aufbau eines kulturwissenschaftlichen Zentrums in der ehemaligen Patzenhofer Brauerei an der Landsberger Allee ins Stocken geriet, erinnerte er sich wieder an das Weddinger Bad und kaufte es kurz entschlossen vom Liegenschaftsfonds. Das Bad erschien ihm die geeignete Location für seine Kunst- und Kulturprojekte zu sein.

Ideen ohne Ende

Zwei Millionen Euro will Piepgras jetzt in den etwa 4500 Quadratmeter großen Gebäudekomplex stecken. Damit wird er das Herrenbad, das Damenbad, Umkleideräume, Wannenbadabteilung, Keller und Büroräume so umgestalten und umbauen lassen, dass sie für verschiedene Zwecke genutzt werden können. Ideen hat der Projektentwickler genug.

Auf dem Grunde des Herrenbades sollen sich künftig Ausstellungs- oder Konzertbesucher unter einer Glashaube tummeln. Im Becken des Damenbades hingegen könnten eines Tages Seminarteilnehmer sitzen, aber auch private Vergnügen stattfinden. Aus der weitläufigen Sonnenterrasse, die früher nur den Herren zur Verfügung stand, soll ein Biergarten werden. Dort, wo heute noch ein Sonnenstudio seinen Platz hat, wird eine Gaststätte entstehen, die auch für das Catering der verschiedenen Veranstaltungen zuständig sein soll. Außerdem plant Arne Piepgras Ateliers für Künstler und Architekten und kleine Wohnungen. Einzelne Teile des Hauses, wie den Ateliertrakt will Piepgras nach der Sanierung vielleicht verkaufen. Das hängt davon ab, wie er den Umbau finanziert. Er schwankt noch zwischen einem Bankkredit, einem finanzstarken Partner oder dem Verkauf von Teileigentum.

Im Herbst sollen die Umbauarbeiten beginnen. Bis dahin bleiben die Türen aber nicht geschlossen. Einzelne kleine Events und Ausstellungen laufen bereits ( Mehr Informationen finden Sie hier ). Für die Organisation dieser Veranstaltungen sind zwei junge Männer zuständig. Während sich Jochen Küpper um die kulturelle Bespielung kümmert, versucht Christoph Spanier kommerzielle Nutzer für Markenkampagnen, Kunden-Events und Tagungen zu buchen.

Ausstellung im Juli

Im Juli wird der erste Probelauf mit der Ausstellung "Urban Affairs extended" im Stadtbad sein. Nachdem diese Ausstellung im vergangenen Jahr zum ersten Mal in den Räumen der Patzenhofer Brauerei zu sehen war, gibt es nun eine Neuauflage zum Thema Stadtraum-Kunst. Zwischendurch wird es auch immer wieder kleinere Ausstellungen und Installationen geben. Aus diesem Grund steht auch das Frauenbild von El Bocho mit dem Titel "Ich bedaure nichts" schon im Stadtbad. Der Künstler, der vor Jahren aus Frankfurt am Main nach Berlin gezogen ist, hat noch ganz andere Pläne mit dem alten Bad: Er wird die komplette Fassade an der Gerichtstraße künstlerisch gestalten. Keine Frage, was zu sehen sein wird: Im Sommer soll dort eine schöne Frau mit großen Augen von der Fassade blicken.

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