Ideenwettbewerb

Brad Pitts Architekten planen Tempelhof-Bebauung

Der Wettbewerb für das Columbiaquartier auf dem Areal des Flughafens Tempelhof ist entschieden - fast: Es gibt drei Sieger, darunter auch das Architektenbüro Graft, das unter anderem für Brad Pitt tätig war. Alle Siegerentwürfe sehen eine Wohnbebauung vor. Nur: Bis es los geht, wird es noch ziemlich lange dauern. Und keiner der Entwürfe wird tatsächlich umgesetzt.

Mit einem "Ideenwettbewerb" hatte sich die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher im vergangenen Herbst auf die Suche nach innovativen Konzepten für ein "Columbiaquartier" auf dem Gelände des geschlossenen Flughafens Tempelhof gemacht. Ein gutes halbes Jahr und eine Wettbewerbsrunde später präsentierte die Senatsbaudirektorin am Donnerstag gleich drei siegreiche Entwürfe, die sich den ersten, mit 75.000 Euro dotierten Preis teilen müssen. Die Frage, was die Berliner auf dem Gelände künftig erwarten dürfen, bleibt damit jedoch weiter unbeantwortet.

Aus insgesamt 80 eingereichten Vorschlägen wurden die Arbeitsgemeinschaften Graft/Kiefer (Berlin) Urban Essences/Lützow 7 (Berlin) sowie Chora/gross.max (London/Edinburg) ausgewählt. Während in der ersten Runde noch Konzepte mit im Rennen waren, die etwa ein Rotlichtviertel namens "Columbia-Strip" oder einen 1000 Meter hohen Berg vorsahen, waren nun seriöse Planungen gefragt.

Ziel des Wettbewerbs ist es schließlich, Ideen für die Entwicklung des nördlichen Flughafengeländes entlang des Columbiadammes zu erhalten. "Die jetzt vorliegenden Ergebnisse bilden eine hervorragende Grundlage zur Weiterarbeit", lobte Lüscher. Die Entwürfe sollen in einen Masterplan einfließen, der für den zukünftigen "Entwicklungsträger Tempelhof", der in der zweiten Jahreshälfte seine Arbeit aufnehmen soll, die weiteren Planungen bestimmt.

Erste Bebauungspläne erst 2011

Angesichts des aufwendigen Planungsprozederes – so verhandelt der Finanzsenator immer noch mit dem Bund über die erforderlichen Eigentumsübertragungen – wird es noch eine ganze Weile dauern, bis am ehemaligen Flugfeld tatsächlich gebaut wird. So muss bis Ende des Jahres zunächst ein neuer Flächennutzungsplan vom Abgeordnetenhaus beschlossen werden, der das 104 Hektar große Areal für das Columbiaquartier als Bauland ausweist. "Die ersten Bebauungspläne werden wir sicher erst 2011 haben", so die Senatsbaudirektorin.

Ob das Flughafengelände, wie vom Senat bei Schließung des Flughafens versprochen, in den kommenden Jahren zumindest teilweise für die Bevölkerung geöffnet wird, ließ die Senatsbaudirektorin am Donnerstag unbeantwortet. Über solche Fragen müsse die künftige Trägergesellschaft entscheiden, so Lüschers ausweichende Antwort.

Was gebaut wird, bleibt unklar

Mit der Jury-Entscheidung, gleich drei Entwürfe zum Sieger zu küren, bleibt weiterhin unklar, was dort eigentlich gebaut werden soll. "Sicher lassen sich die Konzepte nicht eins zu eins umsetzen", räumte Lüscher ein. "Wir verstehen sie als Anregungen und werden uns aus jedem Vorschlag die überzeugendsten Ideen heraussuchen."

So sei es etwa den Graft-Architekten am besten gelungen, das neue Wohnquartier über die Lilienthalstraße mit dem Südstern in Kreuzberg zu verbinden. Auch die elegante "räumliche Kante" mit der Promenade direkt am Flugfeld überzeuge. "Aus dem Flug- machen wir zudem ein Experimentierfeld mit kleinteiliger Bebauung", ergänzt Graft-Architekt Lars Krückeberg, dessen Büro unter anderem dadurch bekannt wurde, weil es für US-Leinwandstar Brad Pitt eine Villa entworfen hat.

Expo-Gelände zum Thema Energie und Klima

Am Entwurf von Urban Essences dagegen überzeuge, so Lüscher, besonders das ausgefeilte städtebauliche Konzept, in dem das Büro auch gleich das gesamte Flughafenumfeld einbezogen habe. Besonders reizvoll sei auch der Vorschlag, das große Regenwassersammelbecken auf der anderen Seite des Columbiadamms aufzulösen. Dessen Wasser soll nach den Vorschlägen des Planerteams die neuen Wohnquartiere – immerhin werden im Columbiaquartier rund 5000 Menschen ein neues Zuhause finden – mit attraktiven "Uferlagen" direkt vor der Haustür versorgen. "Wir machen aus der heutigen Verkehrsachse Columbiadamm eine städtische Straße", so Architekt Rolf Teloh. Die Trennung zwischen Kreuzberg und Tempelhof werde so am wirkungsvollsten aufgehoben, das neue Wohnquartier mit den bestehenden Vierteln verknüpft.

Die vom Büro vorgeschlagene Weiterführung der Kreuzberger Graefestraße quer durch die Hasenheide und den Friedhof lehnte Lüscher jedoch kategorisch ab: "An dieser Stelle werden wir dem Entwurf sicher nicht folgen", versicherte sie.

Die Engländer dagegen hätten sich in hervorragender Weise mit dem Thema experimentelles Bauen beschäftigt. Der Vorschlag mache zwar keine präzisen städtebaulichen Angaben, so die Senatsbaudirektorin. "Ihr Vorschlag ist eher als Expo-Gelände zum Thema Energie und Klima zu verstehen und kann uns viele gute Hinweise für die geplante Internationale Bauausstellung geben", sagte Lüscher. "Es gibt nur einen Flughafen Tempelhof, und es gab nur eine Luftbrücke", begründet Raoul Bunschoten vom Londoner Büro Chora architecture seinen Verzicht auf groß angelegte Wohnblöcke. "Da kann man nicht nur einfach einen weiteren Stadtteil bauen" plädiert er.

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