Soho House

Luxus und Privatpartys in Ex-SED-Zentrale

An der Torstraße in Mitte öffnet das erste deutsche Soho House. In dem Privatclub sollen sich demnächst Kreative aus Medien, Kunst und Mode treffen. Und das in historischer Umgebung. Denn hier hatte einst das Zentralkomitee der SED seinen Sitz. Morgenpost Online hat sich den Club mit Dachterrasse und Swimmingpool schon einmal angesehen.

Es ist einer der außergewöhnlichsten Orte in der Stadt – die Dachterrasse des Clubs Soho House Berlin mit dem Swimmingpool, der in große grüne Fliesen eingefasst ist. Man taucht in das zwölf Meter lange Becken ein, sitzt auf Sesseln aus Stahl an kleinen Marmortischen oder auf Hockern und genießt den weiten Blick über die Stadt, zum Alexanderplatz und zum Fernsehturm. Oder man macht es sich 26 Meter über der Straße in einem Liegestuhl bequem. Natürlich gibt es eine Bar, damit der Genuss durch einen Cocktail abgerundet wird.

Anfang Mai öffnet der Privatclub an der Torstraße 1 in Mitte, im ehemaligen Gebäude des Zentralkomitees der SED. Ein traditioneller englischer Gentlemen Club soll es nicht werden, sondern ein Treff von Kreativen aus den Bereichen Medien, Design, Mode und Film. "Wir wollen Individualisten, keine Schlipsträger", sagt Nick Jones, Begründer der Soho House Group. "Die Berliner Community entspricht genau dem Profil unserer Mitglieder." Außer Kreativität ist auch Geld vonnöten. An der Bar, im Restaurant, für das Hotelzimmer oder das private Dinner zahlen die Club-Mitglieder.

Der erste Club im Londoner Stadtteil Soho wurde 1995 als Privatclub für Medien- und Filmleute, Musiker und Kreative gegründet. Weitere Häuser sind in London und Umgebung, in New York und West Hollywood entstanden. In England und USA sind unter den Mitgliedern auch Banker, Anwälte und Wirtschaftsmanager.

Die Badewanne steht frei im Raum

Das Haus an der Torstraße ist der erste Soho House Club in Deutschland. Das helle Gebäude an der Ecke zur Prenzlauer Allee mit acht Obergeschossen und zwei Seitenflügeln fällt auf im Stadtbild. Es wird zu mehr als 60 Prozent von Soho House genutzt. 40 Hotelzimmer und 22 Lofts gehören zum Club, mehrere Private Diningrooms, das Clubrestaurant, ein Fitnessklub, ein großer Spa-Bereich im Keller, ein kleiner Kinosaal mit 36 Plätzen und eine Bibliothek.

50 Millionen Euro sind in das alte Haus investiert worden, allein 30 Millionen betragen die Baukosten. Einer der Fahrstühle ist mit Leder ausgekleidet. Die Hotelzimmer sind größtenteils mit alten Möbelstücken aus England eingerichtet. Diwan und Chaiselonge gehören dazu. Auf einem Sideboard steht ein Plattenspieler aus den 30er- oder 40-Jahren, daneben ein Flachbildfernseher. "Es gibt auch Schallplatten, aber nicht mit Rock- oder Popmusik", erzählt Jens Gmiat, General Manager des Hauses. Zwischen 100 und 500 Euro kosten die Suiten. Die Preise seien nicht fest, sagt Gmiat. Sie richten sich nach der Nachfrage. "Wenn der Gast das Zimmer betritt, sind Radio und Licht an."

In vielen Suiten steht die Badewanne frei im Raum. Manche Außenwände bleiben unverputzt. Die Badfliesen seien so gefertigt, dass sie nach einiger Zeit kleine Risse zeigen und dadurch nicht wie neu wirken, sagt Architekt Bürk. Auch das frisch gelegte Parkett ist auf alt getrimmt.

Mehr als 1000 Clubmitglieder werden in Berlin zugelassen. 75 Euro kostet der Monatsbeitrag für das Berliner Haus. Wer in allen Soho House Clubs Zutritt haben möchte, zahlt 100 Euro. Hinzu kommen 200 Euro Aufnahmegebühr. Wer sich bewirbt (www.sohohouseberlin.com), muss zwei Clubmitglieder als Bürgen stellen und von einem der beiden ein Empfehlungsschreiben einreichen. Ein Komitee befindet über den Antrag.

Doch die Hotelzimmer kann jedermann buchen. Auch das Restaurant "Cecconi's" im Erdgeschoss wird für jeden offen stehen. Allerdings öffnet es frühestens im Sommer. Nicht nur das Erdgeschoss, auch die erste Etage darüber gleicht noch einer Baustelle. Überall liegen Kabel, Schläuche und Baumaterial. Architekt Gunter P.J. Bürk hat mit seinem Büro J.S.K Dipl. Ing. Architekten den Umbau geplant und begleitet die Bauarbeiten zwischen Keller und Dachgeschoss.

Umbau für 50 Millionen Euro

In der Etage, in der einst DDR-Präsident Wilhelm Pieck residierte, wird jetzt die alte Wandtäfelung wieder installiert. "Politbüro" heißt der Private Dining Room, der entsteht und für Hochzeiten oder andere Feiern gemietet werden kann. Im Kinosaal im Keller flimmern schon Bilder über die Leinwand. In der benachbarten Bibliothek wird noch gebaut, ebenso am Spa-Bereich.

Etwa 65 Prozent des Hauses nutze Soho House, sagt Bürk. Die Bausubstanz des denkmalgeschützten Hausees habe sich als "medium" erwiesen, besonders die Qualität des Betons ließ zu wünschen übrig. Alle Sanierungsarbeiten sind Bürk zufolge von Firmen aus Berlin und Brandenburg ausgeführt worden. Manches ist jedoch im alten Zustand belassen.

Auch wenn Bürk in einigen Monaten den Umbau abschließt, bleibt er Soho House Berlin treu. "Ich will Mitglied werden", sagt der Architekt. Sein Lieblingsort ist die Dachterrasse. Und sein Wunsch: "Dort frühstücken."

Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter