Sicherheit

Auch S-Bahn prüft jetzt Radachsen auf Schäden

Die Achsen der Berliner S-Bahnen sind aus einem ähnlichen Material wie die der modernsten ICE-Züge - darum werden nun, wie bei der Bahn, auch S-Bahnen öfter technisch untersucht. Bei der Bahn war die Folge, dass kürzere Züge eingesetzt werden mussten und die Fahrt für manchen Fahrgast deutlich unbequemer wurde.

Während der ICE-Verkehr wegen der Sonderkontrollen der Zugachsen nach Aussage von Bahnchef Hartmut Mehdorn noch mindestens bis Weihnachten nur mit Einschränkungen aufrecht erhalten werden kann, müssen nun offenbar auch S-Bahn-Nutzer in Berlin mit Behinderungen rechnen. Alle Wagen der Baureihe 481 – des modernsten Zugtyps bei der Berliner S-Bahn – sollen zur Ultraschalluntersuchung der Achsen künftig doppelt so häufig in die Werkstatt wie bisher.

Der Grund für die Vorsichtsmaßnahme: "Die Radachsen sind aus einem ähnlichen, aber nicht dem gleichen Material wie sie Achsen des ICE-T", so ein Sprecher der Bahn. Bei den bisherigen Routine-Untersuchungen seien bislang jedoch keinerlei Risse oder andere Auffälligkeiten festgestellt worden, betont der Sprecher weiter. "Sicherheit hat aber oberste Priorität und wir wollen die gleiche Vorsicht walten lassen, wie im Fernverkehr", so der Bahnsprecher. Die Fristen für die Ultraschall-Untersuchungen sollen ab sofort von 120.000 Kilometer auf 60.000 Kilometer verkürzt werden. Die Maßnahme sei mit dem zuständigen Eisenbahn-Bundesamt abgestimmt – die S-Bahn GmbH ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn AG. Die S-Bahn werde alles tun, um Einschränkungen für die Fahrgäste zu vermeiden, so der Bahnsprecher weiter.

Das Berliner Unternehmen hat rund 500 Wagen des Typs 481 im Einsatz. Die Züge gehören zur jüngsten Baureihe der S-Bahn Berlin und sind zugleich die derzeit meistgenutzten. Die 481er gingen ab 1996 in Serienfertigung. Herstellerfirma waren AEG/Adtrans in Hennigsdorf und DWA in Halle, heute beides Werke der Bombardier Transportation (Holdings) Germany GmbH, die ihren Konzernsitz in Berlin hat. Bei der S-Bahn geben sich die Verantwortlichen trotz der zahlreichen Wagen dieses Bautyps zuversichtlich, dass es zu keinen Einschränkungen kommen werde.

"Wir gehen davon aus, dass es keine Beeinträchtigungen im Fahrplan geben wird", so ein S-Bahn-Sprecher. In S-Bahnerkreisen wird jedoch bereits darüber spekuliert, dass es nicht genügend Wartungspersonal gibt und sich die Fristen deshalb nicht einhalten lassen würden. Und obwohl es sich bei der Intervall-Verkürzung um eine freiwillige Maßnahme handele, müssten die Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen werden, die nicht fristgerecht untersucht werden konnten.

Wie berichtet, hatte Bahnchef Mehdorn letzte Woche 71 ICEs aus dem Verkehr gezogen, um die Achsen überprüfen zu lassen. Wegen der Sonderkontrollen der Achsen könnten derzeit etwa 40 ICE-T nicht eingesetzt werden. Am 9. Juli war ein ICE in Köln bei niedrigem Tempo mit Achsbruch entgleist. Gestern räumte er ein, dass der ICE-Verkehr der Deutschen Bahn noch mindestens bis Weihnachten gestört bleibt. Auf vier Hauptrouten des Fernverkehrs müssen sich die Fahrgäste deshalb weiterhin auf Einschränkungen einstellen. Dazu gehört beispielsweise die Strecke Berlin-Leipzig-Nürnberg-München. Zwischen Hamburg und Berlin verkehren wieder alle Züge aus dem Fahrplan bis auf eine Ausnahme. Kostenlose Auskunft unter 0800 / 996633.

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