Gestaltungssatzung

Berlins historische Mitte bekommt strenge Bauregeln

Nicht höher als 30 Meter, Glattputz oder Stein, keine leuchtenden Farben. Unter den Linden, am Gendarmenmarkt, der Museumsinsel und auf dem Schlossplatz sollen Neubauten künftig äußerst strengen Regeln unterliegen - wenn der Entwurf für die Gestaltungssatzung so durchkommt. Investoren warnen.

Foto: picture-alliance/ ZB / dpa-Zentralbild

Glasfassaden, überdimensionierte Dachgeschosse und Werbung an den Außenflächen sollen bei der Genehmigung von Neubauvorhaben in Berlins historischer Mitte künftig von vornherein ausgeschlossen werden. Das sieht der Entwurf für die Gestaltungssatzung "Historische Mitte" vor, die die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erarbeitet hat. Im Geltungsbereich entlang der Prachtstraße Unter den Linden, am Gendarmenmarkt, der Museumsinsel sowie auf dem Schlossplatz will die Behörde damit künftig bei Neubauten mehr Mitspracherecht haben. Doch kaum werden nun Details aus dem Entwurf bekannt, wächst die Kritik an der Ausformulierung. Während die einen befürchten, dass damit die Regulierungswut der Behörden weiter zunimmt, geht die Vorlage anderen nicht weit genug.

Bereits ab 2009 sollen Bauherren im Geltungsbereich der Gestaltungssatzung folgende Vorschriften beachten müssen: Gebäude dürfen nicht höher als 30 Meter sein. Fassaden müssen mit Stein oder Glattputz versehen werden. Die Farbgebung soll sich an der Umgebung orientieren, leuchtende Farben sind tabu. Verspiegelte Fenster sind unzulässig, zudem darf der Fensteranteil höchstens 50 Prozent der Gesamtfassade ausmachen. Werbung an den Gebäuden darf nur noch im Erdgeschoss angebracht werden und nicht mehr als 50 Prozent der Fassade einnehmen. Leuchtreklame wird komplett ausgeschlossen.

Tonziegel sind nicht erwünscht

Auch bei der Dachform gibt es genaue Vorschriften: So darf der Neigungswinkel bei Dachgeschossen zur Straßenfront nur zwischen 30 und 60 Grad liegen. Die Dachdeckung muss aus Kupferblech, Schiefer oder Zinkblech sein, Tonziegel sind nicht erwünscht. Gauben dürfen nicht mehr als die Hälfte der gesamten Dachlänge einnehmen. "Bei all diesen Details handelt es sich lediglich um einen Entwurf, der noch mit den Fachabteilungen abgestimmt werden muss", so Manuela Damianakis, Sprecherin der Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer (SPD).

Die Gesellschaft Historisches Berlin (GHB), deren Ziel es ist, die Mitte der Hauptstadt nach historischem Vorbild umzugestalten, ist trotz der weitreichenden Eingriffe in das Baurecht nicht ganz glücklich mit den Planungen der Senatorin. Die Gesellschaft hatte ab Dezember 2007 Unterschriften unter anderem für eine Gestaltungssatzung gesammelt, das Verfahren vor wenigen Wochen jedoch gestoppt, weil bis dahin lediglich 10000 Stimmen zusammengekommen waren. "Zum einen sind wir unzufrieden, weil wir gerne mitarbeiten würden, bislang aber nicht einmal über die Inhalte des Entwurfs informiert wurden", rügt GHB-Vorstand Bernd Wendland. Enttäuscht ist der Verein vor allem, weil die Rathausbrücke, für deren Wiederaufbau nach altem Vorbild sich die Gesellschaft einsetzt, nicht enthalten ist.

Zumindest als "Teilerfolg" wertet die CDU den Vorstoß der SPD-geführten Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die CDU hatte noch vor der Sommerpause zwei entsprechende Anträge ins Abgeordnetenhaus eingebracht. Darin wurde der Senat auch aufgefordert, für das "Gebiet der historischen Mitte (Nikolaiviertel, Rathausbrücke/Schlossareal/Bauakademie/Staatsoper/Museumsinsel mit Dom-Areal und Lustgarten) eine Erhaltungssatzung zu erlassen."

CDU: Vorschriften nicht zu rigide anwenden

Dieser Forderung, so der baupolitische Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus, René Stadtkewitz, werde nun zumindest in Teilen entsprochen. "Wir werden uns nun dafür einsetzen, dass auch die Rathausbrücke in die Satzung Eingang findet", so Stadtkewitz. Man wolle aber auch darauf achten, dass die neuen Vorschriften nicht zu rigide angewendet werden. "Schließlich wollen wir keine Investitionen lahmlegen." Genau das aber befürchten Kenner der Baubranche.

Heinz H. Meermann gehört zu den Investoren in Mitte, die bereits viele Gebäude in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz hergerichtet haben. Derzeit plant er zudem nach den Plänen des Architekturbüros Elisabeth Rüthnick das Pergamon-Palais. Das Ensemble aus fünf Wohn- und Geschäftshäusern entsteht direkt gegenüber dem Pergamonmuseum. Rund 50 Millionen Euro steckt die deutsch-spanische Meermann Chamartin Gruppe in das Vorhaben. "Für das Ensemble, das sich in die historische Bebauung einfügen wird, gab es einen Wettbewerb, alles wurde mit der Denkmalbehörde abgestimmt", sagt er. Eigentlich bestehe kein Bedarf für weitere Regelungen. "Jede Fassade ist doch bereits heute schon mit den Behörden abgestimmt", sagt er. Es sei doch schade, wenn ein Gebäude wie die Galeries Lafayette mit ihrer auffälligen Fassade an der Friedrichstraße künftig nicht mehr möglich wäre.

Ob solche Befürchtungen gerechtfertigt sind, wird sich ab 2009 zeigen. In der Vergangenheit jedenfalls hat die Landesregierung bereits den Beweis erbracht, dass sie durchaus nicht gewillt ist, ihren eigenen Regelungen auch zu folgen. So setzte Ex-Bausenator Jürgen Klemann (CDU) die Gestaltungssatzung für den Pariser Platz beim Bau der Akademie der Künste einfach außer Kraft – und genehmigte eine Fassade nur aus Glas.

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