Rechtsextremismus-Vorwurf

Ehemaliger Pfleger von Rudolf Heß wirbt bei NPD

Abdallah M. pflegte bis 1987 im Gefängnis Spandau den verurteilten Kriegsverbrecher Rudolf Heß. Mit einem Buch über diese Zeit soll er bei der NPD auftreten, um an der Rehabilitierung des Hitler-Stellvertreters mitzuwirken. Das Bezirksamt Spandau zog jetzt Konsequenzen und warf den Tunesier aus dem Migrations- und Integrationsbeirat.

Das Spandauer Bezirksamt hat den gebürtigen Tunesier Abdallah M. mit sofortiger Wirkung aus dem Migrations- und Integrationsbeirat ausgeschlossen. Es folgte damit der Bitte des bezirklichen Gremiums, das die Abberufung am 1. Juli in Abwesenheit M. einstimmig beschlossen hatte.

Abdallah M. war der letzte Krankenpfleger des verurteilten Kriegsverbrechers Rudolf Heß, der 1987 im Spandauer Kriegsverbrechergefängnis starb. Über die Zeit als Krankenpfleger hat M. ein Buch geschrieben, das in Zusammenarbeit mit dem Mitglied des Bundesvorstandes der NPD, Olaf Rose, veröffentlicht werden soll.

Das Bezirksamt und der Migrationsbeirat werfen dem Autor vor, mit seinem Buch in Veranstaltungen der NPD aufzutreten, "auf welchen er versucht als Zeitzeuge der letzten Lebensjahre von Rudolf Heß an dessen Rehabilitierung mitzuwirken", heißt es in einer Erklärung des Bezirksamtes.

Es sei eindeutig erkennbar, dass die Person Rudolf Heß in einer besonderen Weise positiv bewertet werde, sagte Bezirksbürgermeister Konrad Birkholz (CDU). "Er wird als integre Person mit Vorbildfunktion dargestellt", so Birkholz. Er habe M. zu diesen Vorträgen um Stellungnahme gebeten. Dieser habe die Vorwürfe nicht widerlegen können und sei deshalb im Spandauer Migrations- und Integrationsbeirat nicht mehr tragbar. Genau dieser Ansicht ist auch Ali Yildirim. Der Vorsitzende des Migrationsbeirates in Spandau hatte Abdallah M. in der Sitzung am 3. Juni zur Rede gestellt. Dort hätte er die Möglichkeit gehabt, sich zu erklären, sagt Yildirim. Stattdessen habe er sich aufgeregt, ob er vor Gericht sei und angedroht, dass nächste Mal mit seinem Anwalt zu kommen. Auf konkrete Veranstaltungen angesprochen argumentierte M., er habe nicht gewusst, dass sie von der NPD organisiert werden.

In der Juli-Sitzung sei M. nicht erschienen, so der Beiratsvorsitzende. "Bis 20. Juni war er krank geschrieben, seit dem 21. Juni hält er sich im Ausland auf", sagt Yildirim. Das sei die letzte Botschaft an die Gruppe gewesen. Yildirim forscht nach eigenen Angaben viel über Islamismus im Internet. Dabei ist er auf die Veranstaltungen mit Abdallah M. aufmerksam geworden. Bereits im April hatte der Pfleger gemeinsam mit Olaf Rose an einer Veranstaltung teilgenommen, zu der 180 Personen kamen, "unter anderen nationale Sozialisten aus Borna und Geithain", wie im Internet zu erfahren ist. Weiter heißt es: "Herr M. berichtet bemerkenswert über die Zeit, in der er Rudolf Heß als Krankenpfleger und als enger Vertrauter zur Seite stand. Er versuchte unter Zuhilfenahme verschiedenster Mittel und Wege das Leben von Rudolf Heß erträglicher zu gestalten."

Beiratsvorsitzender Yildirim hatte Abdallah M. auf seine offensichtliche Zusammenarbeit mit Olaf Rose angesprochen. Er sei sein Übersetzer, hatte ihm der Pfleger daraufhin geantwortet. Er selbst habe das Buch in Französisch geschrieben.

Rudolf Heß hatte sich 1987 im Spandauer Gefängnis das Leben genommen. Anschließend kamen in der rechtsextremen Szene Behauptungen auf, Heß sei ermordet worden. Das Buch von Abdallah M. mit dem Titel "Ich sah dem Mörder in die Augen! Die letzten Jahre und der Tod von Rudolf Heß" wird jetzt in rechtsextremen Kreisen dazu benutzt, um die These eines Mordes zu stützen. Ali Yildirim hat das Buch bestellt. Bis heute ist es nicht angekommen.

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