27.10.09

Wir sind ein Volk - Wir sind Berlin

Techno-DJs gaben Berlin einen Endlos-Rhythmus

Mit der politischen Wende kam auch die musikalische Wende. Das Lied löste sich auf und ging über in Endlosbeats, die sich Techno nannten. Paul van Dyk und Dimitri Hegemann waren vom ersten Moment an mit dabei. Sie machten aus Berlin eine musikalische Stadt, in der die Mauern sofort verschwanden.

Von Sören Kittel
Quelle: Eigen
26.10.2009 0:0-1 min.
Für Techno-DJ Paul van Dyk war der Mauerfall etwas Besonderes. Denn die Wende veränderte nicht nur sein Leben, sondern auch die Musikszene.

Selbst durch geschlossene Augen ist das Stroboskop-Licht sichtbar, rund zehnmal pro Sekunde blitzt der Raum taghell auf. Blaue Lämpchen ziehen in eine Zick-zack-Spur an der Decke, mattes rotes Licht beleuchtet die Tanzfläche. Es ist zwei Uhr morgens am Donnerstag im Tresor, einem Club an der Köpenicker Straße in Mitte, ganz in der Nähe der Spree. Mitten in der Woche feiern hunderte Menschen auf drei Etagen, laufen herum, trinken, tanzen. Die Musik ist elektronisch, der Beat hat kein Anfang und vor allem: kein Ende. Als wäre er schon immer hier gewesen.

Das ist die Welt von DJ Paul van Dyk, 37, und Club-Betreiber Dimitri Hegemann, 55. Eines der Merkmale dieser Welt ist, dass sich dort alle Menschen duzen, also heißen sie auch hier "Paul" und "Dimitri". Ihre Arbeit ist es, andere Menschen zur Ekstase zu bringen. Techno gilt als die Musikform, die genau das kann. Paul und Dimitri haben sich auf den Club Tresor als Ort für ein Treffen geeinigt.

Beats die nie aufhören

Das ehemalige Heizkraftwerk ist ein rund dreißig Meter hoher Bau, der hinter einem zwei Meter hohen Zaun aufragt. Es liegt im ehemaligen Ostteil der Stadt, dahinter fließt die Spree. Paul und Dimitri sind pünktlich, beide tragen lässige Kleidung, nur Paul trägt erkennbar Marken wie Dolce & Gabbana und Ralph Lauren.

Sie begrüßen einander wie alte Freunde. Während sie durch Gänge, schwere Metalltüren und auf Betontreppen laufen, zählt Paul auf, wo er in letzter Zeit war - und benutzt dabei die Finger der linken Hand: Bangkok, Kuala Lumpur, Jakarta, Singapur, Hanoi. Dann wechselt er auf die rechte Hand und zählt Städte in Japan und China auf. Dann wechselt er wieder auf die linke Hand.

Heutzutage treffen sie sich oft auf Flughäfen

Paul van Dyk verbringt pro Jahr zusammengerechnet rund sechs Wochen in der Luft und legt eine Strecke zurück, mit der er die Erde rund 16 Mal umkreisen könnte. Sein Lufthansa-Meilenkonto ist das zweitgrößte, das größte Meilenkonto will das Unternehmen nicht verraten. Paul ist Mitglied im Hon-Circle, einem sehr engen Kreis von Flugkunden, die bereits mehr als 600.000 Meilen geflogen sind und immer eine schwarze Miles&More-Karte bei sich tragen. Wenn er einen oder zwei Tage frei hat, verbringt er sie in Grunewald mit seiner Frau und den beiden Hunden.

Wie anstrengend dieser Lebensstil ist, zeigt Pauls Reaktion auf die Frage, wo er am vergangenen Wochenende war: Er hält inne, starrt stumm vor sich hin. Fast zehn Sekunden lang. Paul überlegt und sagt wie zu sich selbst: "Ich bin am Sonntag in Tegel aus dem Flugzeug gestiegen." Er grübelt weiter. "Aber wo war ich vorher?" Wieder einige Sekunden Stille auf dem Gang im Tresor. Dann bricht es aus ihm heraus: "Bahrain! Dubai! Doha!" Und weil er so froh ist, sagt er es gleich noch einmal: "Genau! Bahrain, Dubai, Doha! Wie konnte ich das bloß vergessen?"

Von Eisenhüttenstadt nach Berlin

Dimitri kennt diese Seite von Paul. Er trifft ihn oft auf Flughäfen. Für ihn hat sich der DJ trotz der 15 Jahre auf Tour nicht verändert. Dimitri formuliert es wohlwollend: "Paul hat seinen Weg gefunden." Er freue sich immer über die Geschichten, die Paul von der Welt erzähle. Dimitri selbst reist nicht so viel. Er hat Familie und ist gern in Berlin. "Aber es ist schön, wenn er immer wieder vorbeikommt und fragt, wie es so läuft." Dimitri kennt auch einen anderen Paul van Dyk, einen, der als Kind von Eisenhüttenstadt nach Ost-Berlin zog. Das war eine Zeit, als es noch nicht einmal den Tresor gab. Dann kam der 9. November 1989, der Tag, der ein Treffen der beiden erst ermöglichte.

Dimitri war in jener Nacht bei Freunden zum Essen eingeladen und fuhr zu seiner Wohnung in der Köpenicker Straße, er wohnte auf der Kreuzberger Seite, nahe der Mauer. Doch in der Nähe seiner Wohnung standen mehrere Menschen, die etwas ratlos wirkten. Dimitri stoppte und fragte mit heruntergekurbelter Scheibe, ob er helfen könne. "Haben Sie einen Stadtplan?", fragte einer der Verirrten. Es war eine Gruppe von Ostdeutschen, die sich verlaufen hatten. Sie erzählten vom Mauerfall, aber Dimitri glaubte ihnen nicht. Er lud einen von ihnen zu sich nach Hause ein und sie schauten zusammen bis spät in die Nacht fern.

Ereignisse, die nicht zu glauben waren

Paul van Dyk saß in dieser Nacht mit seiner Mutter in einem Hotel in Hamburg und schaute ebenfalls fern. Er war erst eine Woche zuvor unter großen Schwierigkeiten ausgereist. Ein Laufband im Abendprogramm verkündete, die Mauer sei offen. "Das ist doch eine dieser Reality-Sendungen", dachte sich Paul damals. Er war 17 Jahre alt und konnte sich nicht vorstellen, dass es so schnell gehen könnte. "Doch dann riefen schon die ersten Freunde aus Ost-Berlin an und dann wussten wir Bescheid."

Nur wenige Tage später kehrte Paul zurück nach Berlin und bezog eine Wohnung in der Gubener Straße, nur rund 500 Meter Luftlinie von dem Club entfernt, über den damals alle sprachen: das UFO in der Großgörschenstraße in Schöneberg. An dieser Stelle werden beide ganz emotional und zum ersten Mal entsteht zwischen den beiden ein Gespräch, bei dem man beiden die Begeisterung anmerken kann.

Paul: Und da war diese Tür, bei der man das Gefühl hatte, einen Tempel zu betreten. Wahnsinn.

Dimitri: Hast du wirklich noch das alte Ufo kennengelernt?

Paul: Na klar, Dimi.

Dimitri: Da war so eine versteckte Hühnertreppe, da musste man hinabsteigen. Und die Deckenhöhe war nur 1,90 Meter hoch. Man konnte überhaupt nicht absehen, ob das ein Erfolg wird.

Paul: Als ich das erste Mal drin war, das war wirklich... da konnte man wirklich nicht mehr zwischen Ost und West unterscheiden.

Dimitri: Aber die Musik war damals noch anders. Ich würde sagen, das Technoide war noch nicht da. Eher so Acid- und Manchester House...

Paul: Aber das waren die Anfänge, Dimi! Stell dir vor, jemand, der ein bisschen jünger ist als ich, der kennt es gar nicht anders. Für den gab es immer Techno. Während... für uns war das... wirklich... total neu! Das gab es damals gar nicht.

Die politische Wende und das Ende der klaren Liedstruktur

Die Musik. Immer wieder geht es in diesem Gespräch um die Veränderung in der Musik. Aber in der Tat fällt die politische Wende mit dem Ende der klaren Liedstruktur zusammen. Die klaren Aufteilungen in Strophe und Refrain, mit einem Anfang und Ende nach drei bis fünf Minuten, lösten sich mehr und mehr auf. Gleichzeitig hatten viele Menschen das Bedürfnis, sich durch Musik in Trance zu versetzen. Mit Techno wurde das für eine breite Masse möglich. Mit der Weiterentwicklung von Computern und Synthesizern entstanden neuartige Musikstücke und mit ihnen neue Veranstaltungsformen. Dort trafen sich die Trance-Tänzer. Doch ohne Mobiltelefon und Internet - wie verabredete man sich im Jahr 1989 in einem Club?

Paul: Ganz einfach - wir haben auf beiden Seiten der Mauer den gleichen Radiosender gehört: den Sender Freies Berlin, SFB. Die Moderatorin Monika Dietl hatte dort eine Sendung...

Dimitri: Monika! Diese Frau war so unglaublich wichtig für die Anfänge dieser Musik. Als das in Chicago schon losging, schliefen wir noch. Monika hatte diesen Freund, der für sie immer Platten aus London besorgte. Sie spielte die Sachen dann einfach in ihrer Sendung.

Paul: Und mir sind die Ohren weggeflogen, sag ich dir! Sie war wirklich die Informationsstätte für alle im Osten. Sie wusste, was gerade in einem Keller irgendwo in London oder Detroit passiert. Ohne sie wäre vielleicht keiner von uns jemals auf die Idee gekommen, in deinen Club zu gehen.

Dimitri: Ach so! (lacht) Monika ist also eigentlich schuld daran...

Paul: ...dass es diese Connection gab, meine ich. Zwischen Ost und West, zumindest, was die Musik betraf. Das ist, was ich meine, wenn ich sage, dass es egal war, woher wir kamen. Wir haben im Radio die gleiche Musik gehört und hatten die gleichen total bescheuerten Klamotten an.

Dimitri: Ach Quatsch. So bescheuert saht ihr damals gar nicht aus. Eher ungewöhnlich, bunter als bei uns. Und das hat niemanden interessiert.

Paul: Na ja, ich kann mich erinnern, dass ich eine blaue Fliegerjacke getragen habe, und einen weißen Deckel als Mütze.

Die Gruppe der UFO-Gänger wurde größer. Der Club zog um, aus UFO wurde UFO2. Nach dem Fall der Mauer zog sich durch Berlin ein Band endloser Brachen. Dimitri Hegemann nennt das noch heute ein "Geschenk". Jeder habe damals mit wenig Geld einfach mal etwas probieren können, sagt er. "Wer ein Restaurant öffnen wollte, stellte zwei Tische und vier Stühle auf und probierte es eben." Ämter seien in der unmittelbaren Nachwendezeit überfordert gewesen mit all den Lizenzen und Verträgen.

Wenn ein Raum eine Seele bekommt

In der Leipziger Straße entdeckte er mit Freunden dann im Winter 1990 ein kastenförmiges Gebäude, den einstigen Geldspeicher des Kaufhauses "Wertheim". Plötzlich wurde das Haus wiederbelebt, "erwachte aus seinem Dornröschenschlaf", wie Dimitri heute sagt. Das sind Momente, die für ihn noch immer unvergesslich sind: "Wenn ein Ort angenommen wird, wenn er eine Seele bekommt, wenn die Leute schreien, wenn der Raum einfach explodiert."

Weitere Clubs wurden eröffnet, deren Namen allesamt an ihren ursprünglichen Zweck erinnerten: "Elektro" beherbergte zuvor einen Elektrowarenladen, der Club "Friseur" war vorher ein Frisörgeschäft und der "Bunker" wurde in einem ehemaligen Luftschutzbunker eingerichtet. Der "Tresor" passte nahtlos in diese Kette.

Paul war dabei - und entdeckte diese Clubs zunächst als Fan mit seinen Freunden. Nach wenigen Monaten kam der Moment, der sein Leben verändern sollte. Paul hatte zu Hause mit ein paar Platten geübt und eine Kassette aufgenommen. Ein "Tape", wie es in der DJ-Sprache hieß. Dieses "Tape" geriet in die richtigen Hände - und irgendwann fragte Dimitri den 19-jährigen Paul, ob er einmal im Tresor auflegen wolle.

Da wusste ich, ich wollte DJ werden

Paul erinnert sich noch heute, wie das ablief: "Zu Hause hatte ich ja immer die Bässe herausgedreht, damit die Oma nicht aufwacht", sagt er und macht dabei die typische DJ-Geste: Er legt den Kopf schief und bewegt beide Hände in Hüfthöhe hin und her, so als ob er die Kopfhörer mit der Schulter einklemmt und zwei Plattenteller dreht. Zu Dimitri sagt er: "Ihr hattet damals diese neuen Boxen - das Bassrohrsystem von Bose, oder?"

Dimitri nickt und schaut versonnen. "Als ich aufgelegt habe, hörte ich da plötzlich Sachen, von denen ich gar nicht wusste, das sie auf der Platte waren", sagt Paul weiter. "Ich stand da und dachte: 'Holy Shit, was ist das denn jetzt?'" Das war der Moment, in dem er wusste, was er mit seinem Leben machen wollte. DJ sein.

Berlin der Neunziger - der Wilde Westen

Auf Dimitris Empfehlung konnte Paul dann eine Stunde beim Bayerischen Rundfunk auflegen und über sich erzählen, bei der Sendung Zündfunk. "Das erste Mal mit echten Technics-Plattenspielern, Mann war ich aufgeregt...", sagt Paul. Dann sprang er für jemanden in New York ein und schon war er weltbekannt. Dimitri schwärmt noch von der ersten Love Parade, der Stimmung am Sonntag danach, als man merkte, dass die Parade etwas wirklich Großes werden könnte.

Wenn er redet, hat man das Gefühl, das Berlin der frühen Neunziger sei wie der Wilde Westen gewesen, das unentdeckte Land für die ersten Siedler in Amerika. Paul erzählt von verknoteten Gitarrenkabeln, mit denen er einen Kurzschluss erzeugte und das Geräusch dann aufnahm. Er spielte es in verschiedenen Tonhöhen ab und dieses Knarzen wurde sein Markenzeichen.

"Die Politik muss das Potenzial in der Ausgehkultur sehen"

Heute ist dieser Elektrosound längst digital herstellbar. Die Love Parade ist nach Westdeutschland umgezogen, in Berlin gibt es 25 Clubs und viele Bars, die mit elektronischer Musik Geld verdienen. Der Spiegel-Autor Tobias Rapp beschreibt in seinem in diesem Jahr erschienenen Buch "Lost and Sound", wie Berlin zu dieser Ausgehmetropole wurde.

Tausende Touristen kommen jedes Wochenende nach Berlin, übernachten für wenige Euro in einem Hostel, verbringen ihre Nächte im Berghain, der Bar25, dem Tape, Weekend oder Watergate - und immer noch im Tresor. Längst müssen Taxifahrer und Türsteher fließend Englisch sprechen, um sich noch mit ihrer "Easyjetset"-Kundschaft unterhalten zu können. Spanier und Italiener kommen genauso wie die sogenannten "Ny-Lons" - Partywütige aus New York und London. Für sie ist Ausgehen in Berlin inklusive Flug und Übernachtung zum Teil günstiger, als ein durchtanztes Wochenende in ihrer Heimatstadt.

Für Dimitri Hegemann und Paul van Dyk ist das eine durchaus logische Entwicklung - an der die elektronische Musik maßgeblich beteiligt ist. Aus der kleinen Bewegung im UFO mit seinen 40 Anhängern ist eine weltweite Bewegung geworden. "Der Charme", sagt Paul, "ist aber noch da." Er liege in der Grundcharakteristik der Musik selbst, sich zu verändern. "Techno ist eben sehr einladend und integriert immer wieder neue Elemente." Selbst Charthits von Lady Gaga oder Madonna bedienen sich seit Jahren beim Technosound.

In Berlin kann man schnell berühmt werden

Der Club-Betreiber Dimitri sieht noch immer das "Labor"-hafte, das nicht nur in der Musik, sondern auch in der Clubkultur zu finden ist. "Berlin ist auch heute die Stadt, in der sich ein guter DJ auch als Niemand schnell einen Namen machen kann." Er als Clubbesitzer unterstützt im Tresor regelmäßig unbekannte Newcomer. Ab Anfang 2010 soll mindestens die Hälfte aller DJs im Tresor neue Gesichter sein. Und die machen es dann wie in den Neuzigern: Sie schreiben alle ihre Freunde an und erzählen von dieser einen Party, die ganze unglaublich wird.

Nur eines stört die beiden, bei all dem anhaltenden Optimismus: dass dieser weiter lebendige Underground von Berlin nicht die Würdigung der Politik bekomme. So musste Dimitri auch immer wieder Rückschläge einstecken, darunter den größten, wie er sagt: die Verdrängung des Clubs aus der Innenstadt, das letzte Fest im Tresor an der Leipziger Straße 126 fand im April 2005 statt.

Miese Verdrängung aus der Innenstadt

Dimitri findet es schade, dass diese Gegend nahe dem Potsdamer Platz heute nicht mehr belebt ist. "Es ist ein Totentanz", sagt er. Auf dem Gelände des Tresors entstanden drei Bürogebäude, finanziert von der "Volksfürsorge". "Das Versagen der Kulturverantwortlichen des Senats lag darin, nichts zu tun", sagt Dimitri, "zuzusehen, wie eine echte Marke und ein Wegbereiter einer Jugendbewegung des Geldes wegen wegradiert wurde". Paul und Dimitri stehen im neuen Tresor und regen sich auf.

Dimitri: Ich glaub', die Politiker müssen jetzt aufpassen, diese Vibes, diesen Zug nicht noch einmal zu verpassen.

Paul: Das ist es, was ich meine, wenn ich immer sage, Berlin braucht mehr Visionen!

Dimitri: Die Politik müsste mehr darauf sehen, welches Potenzial in dieser Ausgehkultur steckt. Bei den Lenkern gibt es noch diesen Gap, diese Kluft. Dabei arbeiten auch wir ja an einem Image für die Stadt, das sollte die Politik anerkennen. Ich glaube, dass es unbestritten ist, dass Berlin, was elektronische Musik angeht, ganz oben steht...

Paul: Einspruch! Berlin ist nicht mehr der einzig wichtige Punkt für elektronische Musik. Spätestens, seit es das Internet gibt, ist Techno ein globales Phänomen geworden. Es ist in Barcelona genauso vibrierend wie in Vilnius, Dresden, Buenos Aires oder in London. Die Techno-Welt ist viel vernetzter.

Dimitri: Ich kann ja nur sagen, was ich sehe und da haben die Touristen hier einfach mehr Möglichkeiten auszugehen. Denn es ist genau dieses Unfertige, das und zu anderen Städten abgrenzt, weil es so viel Neues zulässt. Das müsste das Citymarketing noch mehr erkennen...

Paul: Das stimmt, diesen Hype bekomme ich auch auf meinen Reisen mit. Wenn ich Menschen von Berlin reden höre...

Dimitri: Aber man darf sich darauf nicht ausruhen, sondern muss sich weiterentwickeln.

Paul: Warum kann man nicht einfach ein Gesamtpaket anbieten: Der Flieger kommt abends um 18 Uhr aus Barcelona, man geht schön essen, danach in einen Club - und fliegt am Morgen wieder zurück. Warum gibt es so ein Angebot zum Beispiel noch nicht?

Ideen haben die beiden jedenfalls noch für die nächsten Jahre. Dimitri hat im Mai 2007 den neuen Tresor eröffnet, nur drei Kilometer östlich vom Potsdamer Platz, in der Köpenicker Straße, wo er zu Mauerzeiten gelebt hat und den Mauerfall erlebte.

Heute machen sie auch Discoabende mit Unterstützung der Pfadfinder

Dort findet inzwischen auch die Partyreihe "Tresor light" statt, ein Technofest für Teenager zwischen 12 und 15 Jahren. Die Party beginnt 17.30 Uhr und endet 22 Uhr - das nächste Mal zu Halloween. Die Idee ist, Jugendlichen den Mythos Diskothek zu entzaubern und ihnen Musik abseits des Mainstreams vorzustellen - eine Initiative, die vom Bund deutscher Pfadfinder unterstützt wird.

Parallel baut Dimitri gerade eine Zusammenarbeit mit China auf. In dieser Woche findet südlich von Peking in Wuhan die Veranstaltung "Tresor Park" statt, gefolgt von der Tresor-Nacht in Peking am 6. November. "In Peking herrscht heute eine Stimmung, die mit den Neunzigern in Berlin vergleichbar ist", sagt Hegemann. "Diese Möglichkeit, neue Orte zu entdecken ..."

Da ist sie wieder, diese Entdeckungslust, die Paul van Dyk an seinem alten Freund schätzt. "Er sieht immer noch neue Impulse und entwickelt neue Sachen", sagt er über Dimitri Hegemann. "Wenn ich von Visionen rede, dann hat Dimi die konkreten Vorschläge und Worte." Er lächelt zu Dimitri hinüber, der ähnlich warme Worte für Paul hat: "Auch wenn der Mauerfall jetzt immerhin schon 200 Jahre her ist", sagt er und lacht über seine Übertreibung, "es ist immer schön, wenn du immer wieder vorbeischaust."

Dimis Sohn ist auch schon DJ

Sie reden dann über ihre Erfahrungen in China, über den Tresor in Berlin und über Dimitris 13-jährigen Sohn, der sich auch gerade als DJ ausprobiert. Draußen vor der Tür umarmen sie sich. Paul muss bald wieder in einen Flieger einsteigen. Dimitri hat eine Party vorzubereiten.

Am Abend dann strahlt die Wand des Heizkraftwerks in der Köpenicker Straße in Lila und Dunkelblau. Von drinnen kommen laute, gleichmäßige Schläge. Ein Zeichen wird an die zehn Meter hohe Wand geworfen: ein Kreis mit einem Punkt in der Mitte. Es könnte einen Lautsprecher symbolisieren. Oder einen Stein, der ins Wasser gefallen ist und eine kreisförmige Welle aussendet. Oder ist es eine Zielscheibe? Es ist das weltberühmte Tresor-Symbol.

Gerade wurde der Club im Magazin Raveline im Rückblick als der einflussreichste und wichtigste Club in der elektronischen Musik bezeichnet. Für das Internet wurde das Logo etwas verändert, damit es sich mit den Zeichen der Tastatur darstellen lässt: (o). Und wieder ähnelt es einem Lautsprecher oder Wellen im Wasser. Dieses Logo hatte der Tresor schon seit fast zwanzig Jahren. Auch wenn es analog zu der Verbreitung von Techno heute so aussehen müsste: (((o))). Ein bisschen wie ein Ufo, das landet und ganz viel Staub aufwirbelt.

Die große Serie zum Mauerfall im Internet: www.morgenpost.de/mauerfall Die große 3D-Grafik zum Mauerfall: www.morgenpost.de/die-mauer

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