Dauerausstellung

Historiker arbeiten sich durch das Archiv des Zoos

Eine Ausstellung zeigt die 172-jährige Geschichte des Berliner Zoos und spart auch das Kapitel der Anpassung in der NS-Zeit nicht aus.

Zoodirektor Dr. Lutz Heck auf Jagdausflug mit Hermann Göring, 1934

Zoodirektor Dr. Lutz Heck auf Jagdausflug mit Hermann Göring, 1934

Foto: © 2016 Zoo Berlin

Jahrzehntelang blieben die Türen des Zoo-Archivs unter der Direktorenwohnung geschlossen. Am Ende gingen sie fast nicht mehr auf. "Der Raum musste erst entmüllt werden, bevor wir überhaupt hineingehen konnten", sagt
Andreas Knieriem, Zoo- und Tierparkdirektor. Der Schlüssel zum Archiv wurde bislang nur von Chef zu Chef weitergegeben. Damit sollte Schluss sein. Andreas Knieriem, seit mehr als zwei Jahren im Amt, händigte den Schlüssel dem Historiker Clemens Maier-Wolthausen aus, der anhand der staubigen Dokumente und Akten die 172-jährige Zoogeschichte aufarbeitete. Unterstützt wurde er von einem wissenschaftlichen Beirat.

Das Ergebnis dieser Archivaufarbeitung ist in der neuen Dauerausstellung "Berliner Zoo-Geschichte(n) in Zeiten von Monarchie, Diktatur und Demokratie" im Antilopen- und Giraffenhaus zu sehen. Im Foyer des ältesten, rekonstruierten Gebäudes des Zoos werden auf 130 Quadratmetern Tafeln, Fotos und Originaldokumente gezeigt, die die Geschichte erzählen: Vom Anfang des 19. Jahrhunderts auf der Pfaueninsel, als der preußische König Friedrich-Wilhelm III. Kängurus und Affen zum persönlichen Vergnügen hielt, über die ersten Gründungsideen und die Eröffnung des Zoos 1844, die Völkerschauen von 1870 bis 1952, die Zeit des Nationalsozialismus und den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg.

Anschmiegen an die Macht zwischen 1932 und 1945

Ein besonderer Schwerpunkt in der Ausstellung ist die Zeit von 1932 bis 1945, "eine Zeit, des freudigen Anschmiegens an die Macht und der Ausgrenzung der jüdischen Aktionäre, Aufsichtsratsmitglieder und Besucher", sagt Wolfgang Benz, Historiker und Beiratsmitglied. Es ist die Ära des Direktors Lutz Heck – ein Nationalsozialist, der 1945 flieht, um einer Verhaftung zu entgehen, und den Zoo im Stich lässt. Von einer Zeit, in der die Institution Schande über sich gebracht hätte, spricht Benz.

Der Zoo hätte ein Refugium für die jüdischen Bürger, die einen hohen Anteil an diesem Ort der Berliner Gesellschaft gehabt hätten, sein können. Stattdessen seien Mäzene und Prominente verachtet, gejagt und verjagt worden, so Benz. Eine erste Aufarbeitung hat schon vor der Archivöffnung stattgefunden. So wurde die Büste von Lutz Heck mit distanzierenden Kommentaren versehen. Und am Giraffenhaus ist eine Gedenktafel für die jüdischen Aktionäre angebracht worden. Zudem finanziert der Zoo heute ein Fellowship-Programm zur Stärkung des wissenschaftlichen Austauschs zwischen Israel und Deutschland. Die Geschichte von Zoos wird in der Regel über die Direktoren erzählt. Mit dieser Tradition will Clemens Maier-Wolthausen brechen. "Weil der Zoo mit der Geschichte der Stadt Berlin eng verbunden ist, dient diese auch als roter Faden für die Ausstellung", sagt der Historiker.

Am Ende der Ausstellung sind Fotos des legendären Eisbären Knut und des Pflegers Thomas Dörflein zu sehen. "Solche Bilder wird es von dem neuen Eisbärenbaby im Tierpark mit Sicherheit nicht geben", sagt Philine Hachmeister aus der Pressestelle. Eisbärenmutter Tonja würde sich hervorragend um das Anfang November geborene Jungtier kümmern und keinen heranlassen. Die Erziehung des Kleinen bleibt also diesmal Eisbären-Sache. Das Jungtier zeigt mittlerweile seine schwarzen Knopfaugen und versucht, sich fortzubewegen. Sobald Tonja es zulässt, steht die Tierarztvisite an.

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Zoo zu sehen: im Winter tgl. 9– 16.30 Uhr. Eintritt im Kartenpreis des Zoo enthalten: 14,50, Kinder 7,50, erm. 10 Euro

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