Autokonzerne

Porsche sucht digitalen Spirit in Berlin

Der Sportwagenhersteller Porsche sucht neue Geschäftsfelder. Berlin spielt dabei als Hotspot für Innovationen eine wichtige Rolle.

Boris Behringer leitet das Digital Lab des Sportwagenherstellers Porsche in Berlin

Boris Behringer leitet das Digital Lab des Sportwagenherstellers Porsche in Berlin

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin.  Der Sportwagenhersteller Porsche sucht neue Geschäftsfelder für die Zukunft. Berlin spielt dabei als Hotspot für Innovationen eine wichtige Rolle.

Porsche will mittelfristig einen zweistelligen Prozentsatz seines Geschäfts mit digitalen Diensten erwirtschaften, sagte Lutz Meschke, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende und IT-Vorstand des Sportwagenherstellers, kürzlich in Berlin. Denn das autonome Fahren werde die Effizienz der Fahrzeugnutzung dramatisch verändern. "Wir müssen daher davon ausgehen, dass wir spätestens mit der Ära des autonomen Fahrens deutliche Wachstumspotenziale neben dem Fahrzeug schaffen müssen."

Langjähriger Experte für die Innovation

Genau darum geht es in Berlin. Dazu soll Boris Behringer beitragen. Der Diplom-Ökonom, der seit 16 Jahren bei Porsche angestellt ist und deshalb das Unternehmen wie seine Westentasche kennt, leitet das Digital Lab des Unternehmens auf dem Gelände des früheren Osthafens.

14 Menschen arbeiten seit September 2016 fest in der Denkfabrik. Hinzu kommen Gäste aus Hochschulen und Start-ups sowie Mitarbeiter der Unternehmensberatung MHP, ein Tochterunternehmen von Porsche.

Digitale Transformation als ein zentrales Thema

"Wir wollen hier nicht das Auto neu erfinden", sagt Behringer. "Uns geht es darum, die Prozesse und die Performance von Porsche mit den digitalen Technologien der Zukunft zusammenzubringen."

Um dieses Ziel zu erreichen, betreibt der Sportwagenhersteller hier IT-Vorentwicklung. "Das heißt, wir identifizieren und erproben innovative Informationstechnologien und Methoden, die dann in die Prozesse des Unternehmens einfließen", erläutert der Chef des digitalen Lab.

"2016 haben wir in unserem Unternehmen mit der Porsche Strategie 2025 die Weichen für die Zukunft gestellt", sagt Behringer. "Die digitale Transformation ist eines der zentralen Themen, um die es für uns in den kommenden Jahren gehen wird." Ein Teil dieser Digitaloffensive ist das Digital Lab.

Scouts erkunden die Tech-Szene

Zu 50 Prozent sind die Innovationsscouts des Porsche-Lab in den klassischen Suchfeldern unterwegs. "Was sich als geeignet herausstellt, transferieren wir ins Unternehmen", sagt Behringer.

"Die anderen 50 Prozent sind Vorentwicklungsprojekte, die aus dem Unternehmen heraus beauftragt werden. Wir lösen konkrete Problemstellungen, die unsere Kollegen in ihrem Umfeld nicht in der Geschwindigkeit bearbeiten können wie wir."

Das Lab sei bei solchen Herausforderungen schnell und flexibel unterwegs – fernab von den Standardprozessen eines großen Unternehmens wie Porsche.

Unternehmen pflegt engen Kontakt zur TU

Da sind es eher die auf den ersten Blick unscheinbareren Dinge, die in Berlin entwickelt werden. Gleichwohl haben sie für den Konzern eine große Bedeutung, weil sie die Wege in neue Geschäftsfelder öffnen.

Ein Beispiel sind sogenannte Microservice-Architekturen – modellhafte Projekte mit Ausstrahlungskraft. So hat etwa ein Team eine Plattform für Besucher entwickelt, die das Werk in Stuttgart virtuell erfahrbar macht. Sie kann auch an anderen Stellen im Unternehmen eingesetzt werden.

Andere Projekte sollten das Reisemanagement des Unternehmens auf eine neue Basis stellen, ein weiteres befasste sich mit Indoor-Navigation. Viele der Projekte bedienen sich künstlicher Intelligenz und gründen auf dem Maschinenlernen. Hier pflegt Porsche enge Kontakte zu Einrichtungen der Technischen Universität. In Berlin gebe es auf diesem Gebiet viel Know-how, sagt Behringer.

Porsche-Fahrer wollen selber fahren

Universitätspartnerschaften für den Bereich der Auto-Technologien (Automotive), wo es um Sensoren und Assistenten und am Ende auch um eine Vision vom autonomen Fahrzeug geht, unterhält der Konzern nicht in Berlin, sondern viele in anderen Städten, wo es spezialisiertere Technische Hochschulen gibt.

"Wir müssen ein Stück weit selbst ein Internetunternehmen werden", sagte Vize-Vorstandschef Meschke bei seinem Berlin-Besuch. Datensicherheit und Datenschutz sieht der IT-Vorstand etwa für deutsche Autobauer mittelfristig als Wettbewerbsvorteil. Porsche gewährleiste, dass die Datenhoheit beim Kunden bleibe.

Und eines sei klar, unterstrich der Manager: "Einen Porsche wird man auch in Zukunft selbst fahren wollen – außer im Stau."

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