Startup-Brutkasten

RWE und Henkel suchen Innovationen in Berlin

Zwei DAX-Konzerne, eine Elite-Uni und Stiftungen haben in Berlin das German Tech Entrepreneurship Center GTEC gegründet.

Das German Tech Entrepreneurship Center (GTEC) bietet Gründern Arbeitsplätze in Berlin-Mitte an

Das German Tech Entrepreneurship Center (GTEC) bietet Gründern Arbeitsplätze in Berlin-Mitte an

Foto: Stefan Kny / BM

Berlin.  Es riecht nach DDR, diese Mischung aus Bohnerwachs, Linoleum, Sprelakat-Möbeln und Staub. Auf Wandregalen kleben Zettel mit der Aufschrift "Kommunistische Weltbewegung" und "Zwischenimperialistische Widersprüche" - Ablagen in einem Büro des DDR-Staatsratsgebäudes. Die Einrichtung ist seit 26 Jahren unberührt.

Doch in den Räumen geht es sehr kapitalistisch zu. 60 Gründer haben dort Arbeitsplätze, bereitgestellt von den DAX-Konzernen RWE und Henkel, Stiftungen, einer Wirtschaftskanzlei und der Elitehochschule European School of Management and Technology (ESMT). Träger der Einrichtung ist das German Tech Entrepreneurship Center (GTEC), das am Mittwoch im Seitenflügel Staatsratsgebäude in Mitte eröffnet wurde. Es versteht sich als die erste privatwirtschaftliche Plattform für Startups in Deutschland.

Energiesysteme der Zukunft gestalten

"Wir wollen neue Geschäftsmodelle entwickeln", sagt Inken Braunschmidt, Chief Innovation Officer (CIO) des Energieversorgers RWE (Essen). Dabei gehe es weniger darum, Kraftwerke zu optimieren. "Vielmehr wollen wir das Energiesystem der Zukunft gestalten." Jede Art der Kooperation sei denkbar - bis hin zum Joint Venture. Innovative Ideen kennenlernen will auch Paolo Bavaj, der beim Düsseldorfer Chemiekonzern Henkel (Pattex, Pril, Persil) für die Entwicklung neuer Geschäftsfelder zuständig ist.

Die Konzerne haben ein Problem. Sie verfügen zwar über starke Marken, hohe Umsätze und riesige Netzwerke. Doch es fällt ihnen schwer, von innen heraus Neues zu entwickeln, die Zukunft zu denken. Dazu brauchen sie offene und innovative Plattformen wie das GTEC und kreative Köpfe, die an der langen Leine Innovationen schaffen.

GTEC auf dem Campus der Elite-Uni

Das GTEC befindet sich auf dem Campus der ESMT direkt am Schlossplatz 1 in Mitte. Gründer haben auf der 1200 Quadratmeter großen Etage für bis zu sechs Monate Gelegenheit, sich potenziellen Geldgebern zu präsentieren und ihre Unternehmenspläne weiterzuentwickeln. Teil des GTEC ist die Startup Academy, die ein dreimonatiges Programm zur Unternehmensgründung anbietet. Ein großen Teil der Arbeitsplätze belegt Tech Stars, einer der erfolgreichsten Startup-Brutkästen aus den USA. Bereits am Eröffnungstag kündigte GTEC-Chef Benjamin Rohé die Eröffnung eines zweiten Campus an.

Der Fokus des GTEC ist international - wie auch der des Gastgebers ESMT. "80 Prozent unserer Studierenden kommt aus dem Ausland. Mehr als die Hälfte bleiben nach ihrem Studium in Deutschland - vor allem in Berlin", sagte der Präsident der Hochschule, Jörg Rocholl. Die Hochschule habe seit ihrer Gründung das Leitbild, unternehmerisch denkende Menschen in einem internationalen Umfeld auszubilden.

Drei Startups sind schon eingezogen

International sind auch die ersten drei Startups, die im GTEC Büros bezogen haben. Intact Healthcare aus Bari (Italien) entwickelt Hard- und Software für das Gesundheitswesen. UVizr aus Russland arbeitet an einem an der Kleidung tragbaren Gerät und einer App zur Messung der UV-Strahlung. Damit wollen die Gründer Hautkrebs vorbeugen. Smart Drive aus Ungarn, das dritte Startup, entwickelt eine Software für das Kfz-Flottenmanagement für die mittelständische Wirtschaft und die Betreuung der Fahrer.

Als neue Partner des GTEC wurden das John F. Kennedy Atlantic Forum des ehemaligen US-Botschafters in Berlin, John Kornblum, und das Epicenter Stockholm vorgestellt. Beide haben sich der Förderung des innovativen Unternehmertums verschrieben.

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