Noah 2015

Google-Chef Eric Schmidt setzt auf das selbstfahrende Auto

Auf der Internetkonferenz Noah warnt Google-Chef Eric Schmidt vor Wachstumsbremsen und setzt auf die Digitalisierung vor allem in der Autoindustrie. Sein Ziel ist das autarke Computer-Auto.

Foto: Stephanie Pilick / dpa

Eric Schmidt weiß, wie man Menschen umgarnt – und sie für seine eigenen Visionen einspannt. Der Google-Chef und heimliche Star der zweitägigen Konferenz Noah, die zum ersten Mal in Berlin stattfand, leitete seine Rede mit einem Zitat von Angela Merkel ein: "Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert." Das, so zitierte Schmidt, sagte die Kanzlerin am Abend zuvor auf einer Veranstaltung. Das entspricht genau dem, was Google seit Jahren vorantreibt: die vollständige Digitalisierung von Arbeit und Alltag.

Der Verwaltungsratschef des Internetgiganten verwendete einen Großteil seiner Redezeit darauf, eine Lanze für selbstfahrende Autos zu brechen. Er sehe eine große Zukunft in diesem Bereich für deutsche Hersteller: "Jedes deutsche Auto wird von einem Computer gesteuert werden", sagte Schmidt.

"Viele Aufgaben, in denen Computer inzwischen besser als Menschen sind, sollten auch von Computern erledigt werden", erklärte er. Computer würden keine für Menschen typischen Fehler machen, wenn sie erst einmal richtiges Verhalten von Menschen gelernt hätten, so Schmidt. Er schilderte emotional, wie viel Leid jährlich über Familien hereinbricht, die vom Unfalltod eines Angehörigen betroffen sind. Google arbeitet seit rund sechs Jahren an der Technologie für selbstfahrende Fahrzeuge und gilt damit als potenzieller Konkurrent auch für deutsche Hersteller. Die Autobauer haben in den vergangenen Jahren massiv in eigene Roboterwagen investiert. Die Branche erwartet, dass autonome Autos ab 2020 regulär im Straßenverkehr fahren werden.

Zudem riet Schmidt den Anwesenden, einen einheitlichen europäischen Digitalmarkt zu etablieren, mit gleichen Datenschutzregelungen und Strategien. Und er halte die prognostizierte Zahl von neuen Arbeitsplätzen in der IT-Branche für zu gering. "Ich glaube, es müssen noch viel mehr Jobs entstehen, sonst kann die Digitalisierung nicht schnell genug voranschreiten." Deutschland und Europa müsse aufpassen, dass das Wachstum der Internetwirtschaft nicht gebremst wird. Es brauche mehr gut ausgebildete junge Menschen. Das gehe nur über mehr "Bildung, Bildung, Bildung".

Am Nachmittag, nach dem Auftritt Schmidts, attestierte auch der EU-Parlamentspräsident Martin Schulz: "Europa hat noch keine echte digitale Struktur. Es ist höchste Zeit, Europa voranzubringen. Wir müssen uns entscheiden, wie wir leben wollen und welche Rolle Europa spielen soll", sagte Schulz. Vor allem auf dem Feld digitaler Infrastruktur müsse noch viel Boden gut gemacht werden.

Dax-Unternehmen zu zögerlich

Vizekanzler Sigmar Gabriel zeigt sich ebenfalls selbstkritisch: "Deutschland muss in Sachen digitaler Transformation einen Gang hochschalten. Wir wären schon froh, wenn wir eine digitale Vision von Deutschland hätten. Also kann ich nicht über eine digitale Vision für Europa sprechen", so Gabriel, der Noah als führende Konferenz für Investoren in der europäischen Start-up-Branche bezeichnete.

Der SPD-Politiker sieht aber auch die Wirtschaft in der Pflicht und schickte eine klare Botschaft an deutsche Dax-Unternehmen, die er angesichts ihrer zurückhaltenden Investitionspolitik in Wachstumsunternehmen kritisierte. "Risiko sollten nicht nur die Gründer tragen. Auch Unternehmen sollten mutiger sein. Wo sind unsere Dax-Unternehmen, wenn es um die Finanzierung von Start-ups geht", fragte der Bundeswirtschaftsminister. Gabriel meinte, man müsse junge Menschen, die nicht in reiche Familien geboren wurden, aber gute Ideen haben, unterstützen. Sonst gehen Innovationskraft und Kreativität für Deutschland verloren. Am heutigen Donnerstag sitzt Gabriel übrigens mit der Deutschen Börse zusammen, um über das neue Programm "Deutsche Börse Venture Network" zur Finanzierung von Wachstumsunternehmen zu sprechen.

Weitere Höhepunkte der Konferenz waren unter anderem der Auftritt von Huffington-Post-Gründerin Arianna Huffington und Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer.

Seine Rede schloss Google-Chef Eric Schmidt übrigens auch mit einem Zitat von Angela Merkel. Die Digitalisierung werde viele Arbeitsplätze vernichten. Aber noch viel mehr würden durch die digitale Transformation entstehen. Disruption also: Zerstören, alte Strukturen aufbrechen, um zu wachsen.

>> Mobil geht es hier zum Video <<

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.