Noah 2015

Eine Konferenz für die Gründer der digitalen Welt

Auf der Start-up-Konferenz Noah im Tempodrom berät die IT-Szene über die Zukunft Europas. Gründergeist trifft dabei auf Kapital.

Foto: Gregor Fischer / dpa

Die größten Internetfirmen der Welt, 120 Sprecher, rund 2000 Teilnehmer: Im Tempodrom bei der zweitägigen Start-up-Konferenz Noah trifft seit Dienstag Gründergeist auf Kapital. Marco Rodzynek, ein ehemaliger Investment-Banker und Gründer von Noah, wählte erstmals Berlin als Veranstaltungsort und lockt die großen Stars der Szene wie Google-Chef Eric Schmidt und Vertreter von Facebook in die Hauptstadt. In den vergangenen sieben Jahren fand die Konferenz einmal in San Francisco und sonst in London statt, wo sie im November noch einmal Station macht.

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"Das Ziel unserer Konferenz ist es, Internet-Firmen aus Europa eine Plattform zu geben, da sich alle anderen Konferenzen dieser Art auf die US-Unternehmen konzentrieren", sagt der gebürtige Hamburger Marco Rodzynek. "Wir wollen den digitalen Wettbewerb in Europa stärken", sagte auch Mathias Döpfner, der als erster von 120 Sprechern auf der Bühne stand. Dem Vorstandsvorsitzenden von Axel Springer wurden noch 20 Minuten Redezeit gewährt, danach wird das Programm nach einer strikten Zehn-Minuten-Regel durchgezogen. Laut Rodzynek ist das Konzept der Veranstaltung, Mehrwert für alle Beteiligten und nicht so viel Gerede zu bieten.

Firmen wie Babbel, SimilarWeb oder Evernote, die am Markt etabliert sind und deren Anwendungen bereits Millionen Nutzer begeistern, präsentieren sich auf der Bühne ebenso wie aufstrebende Unternehmen und Persönlichkeiten wie die "Huffington Post"-Gründerin Arianna Huffington ("Wachsen kann nur, wer sich als Störer und Angreifer wahrnimmt.").

Europäische Digitalstrategie notwendig

Welchen Stellenwert die Konferenz hat, zeigt auch die Anwesenheit von EU-Digitalkommissar Günther Oettinger, der in seiner Rede die Notwendigkeit einer europäischen Digitalstrategie betonte. Japan, Südkorea oder China würden sonst noch weiter davoneilen. Es brauche kluge Konzepte, um Gründer und ihre Ideen zu finanzieren. Oettinger nimmt vor allem Firmen in Europa in die Pflicht und appellierte an sie, häufiger im Start-up-Markt auf Einkaufstour zu gehen. "Europäische Unternehmen müssen eine aktivere Rolle im Markt für Start-ups spielen, durch Zusammenschlüsse und Zukäufe", sagte Oettinger. In Europa gegründete Start-ups würden häufig von ausländischen Firmen aufgekauft. Das müsse sich ändern.

Hoffnung hat Oettinger auch für die Finanzierung von Jungunternehmen durch viele Beteiligte, das Crowdfunding. Dabei sammeln Firmen kleine Beträge von vielen Unterstützern ein. Mit dem nötigen Schutz für Kleininvestoren könne das Crowdfunding eine Ergänzung zu professionellen Risikokapitalgebern sein.

Der zuletzt in der Öffentlichkeit eher zurückhaltende Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer wurde am Abend von Veranstalter Rodzynek interviewt. Google-Chef Eric Schmidt wird am Mittwoch auftreten und auch Vize-Bundeskanzler Sigmar Gabriel (SPD).

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