Start-up-Monitor

Berlin behauptet sich als deutsche Gründermetropole

Foto: Malte Christians / picture alliance / dpa

Start-ups in Deutschland sind auf Wachstumskurs und planen Neusteinstellungen. Das zeigt der Start-up-Monitor 2014, der jetzt in Berlin vorgestellt wurde und Einblicke in die Zukunftsbranche gibt.

Die deutschen Start-ups sind selbstbewusst. Jeder zweite Gründer ist davon überzeugt, eine weltweite Marktneuheit anzubieten. Das geht aus dem am Donnerstag in Berlin vorgelegten Start-up-Monitor des Bundesverbandes Deutsche Start-ups (BDVS) hervor. An der Online-Umfrage nahmen mehr als 900 Gründer teil. Das sind doppelt so viel wie im Vorjahr. Die Unternehmensberatung KPMG und die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) aus Berlin haben an der Studie mitgewirkt.

Insgesamt wird die Zahl der Start-ups in Deutschland auf 4000 bis 5000 geschätzt. Verlässliche Zahlen dazu gibt es aber nicht. Als Start-ups gelten Unternehmen, die jünger als zehn Jahre sind, innovative technologische Geschäftsmodelle verfolgen und ein starkes Wachstum anstreben.

Hauptproblem der Start-ups bleibt die Kapitalausstattung. Die im Monitor erfassten Start-ups benötigen in den nächsten zwölf Monaten mindestens 650 Millionen Euro Wachstumskapital, um ihre selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Jedes fünfte Start-up hat Geld von Wagniskapitalfirmen (VC) in Anspruch genommen.

Verschwindend kleiner Frauenanteil

38 Prozent bezeichnen den schwierigen Zugang zu Wagniskapital als "äußerst schweres Hemmnis". Frank Wiethoff, Regionalchef Ost der KPMG, dazu: "Die Dringlichkeit kann nicht hoch genug eingeschätzt werden." Fast jedes zehnte Start-up strebt übrigens einen Börsengang an. Nöll nutzt diese Gelegenheit erneut, um einen neuen Neuen Markt an der Börse zu fordern. "Ein Börsengang ist der Raketenantrieb. An Facebook hat man gesehen, dass das Wachstum danach anfängt", sagte Nöll.

90 Prozent der Gründer, die Fragen des Monitors beantwortet haben, sind männlich, 81 Prozent verfügen über einen Hochschulabschluss. Sie sind im Durchschnitt 34,9 Jahre alt. Damit seien Gründer älter als gemeinhin erwartet, sagte Professor Sven Ripsas von der HWR. Start-ups werden zu 77 Prozent in Teams gegründet. Hier unterscheiden sie sich von herkömmlichen Unternehmensgründungen.

Insgesamt werden nur 23 Prozent der neuen Unternehmen von Teams gegründet. Und fast jeder zweite Gründer hat in der Vergangenheit mehr als ein Unternehmen gestartet. "Man macht weiter und lässt sich nicht entmutigen", sagte Frank Wiethoff (KPMG).

Start-ups sind Jobmotoren

Jedes zweite Unternehmen erwartet, dass seine Mitarbeiterzahl in den kommenden zwölf Monaten steigt und dass es in den nächsten zwölf Monaten im Schnitt zehn Mitarbeiter einstellen wird. Die befragten Start-ups sind im Schnitt 2,7 Jahre alt und beschäftigen rechnerisch 16,8 Mitarbeiter. "Start-ups sind Jobmotoren", sagte Florian Nöll, Vorsitzender des BDVS.

Durch Start-ups entsteht eine neue Unternehmenskultur, die Mitarbeiter zu Teilhabern macht. 38,5 Prozent bieten Mitarbeitern Unternehmensbeteiligungen an, 35,7 Prozent planen das. "Das steigert die Motivation und Zufriedenheit", sagte Frank Wiethoff. Im Durchschnitt halten Mitarbeiter sechs Prozent der Anteile ihrer Unternehmen. Angaben zum Verdienstniveau der deutschen Gründerszene macht die Studie nicht.

Fast jeder zweite Gründer hält das deutsche Schulsystem für ungenügend, was die Förderung unternehmerischen Denkens betrifft. Ripsas unterstrich: "Es ist ein großer Wunsch der Gründer, dass unternehmerisches Denken in Schulen vermittelt wird."

Auch Scheitern will gelernt sein

Dazu gehört auch ein selbstbewusster Umgang mit dem Scheitern – ein Schicksal, das acht von zehn Start-ups ereilt. Mehr als sechs von zehn Gründer schätzen laut Start-up-Monitor die Toleranz des Gesellschaft gegenüber dem Scheitern als niedrig ein.

Zum ersten Mal untersuchte der Start-up-Monitor die gesamtdeutsche Gründerszene. 39 Prozent haben ihren Sitz in Berlin, jeweils acht Prozent in München und der Rhein-Ruhr-Region, sieben Prozent in Hamburg. Die Rahmenbedingungen in München und Berlin werden von den Gründern als besser eingestuft als in Hamburg und Rhein-Ruhr. Letztere gewinne an Bedeutung, sagte Ripsas.

Deutsche Start-ups sind nicht nur im Bereich Hightech unterwegs. Sie verfolgen verschiedene innovative Geschäftsmodelle, die sich in neun Kategorien einteilen lassen: Die größten sind Software-Dienstleistungen (SaaS) mit 21,5 Prozent, E-Commerce mit 12,3 Prozent, Verbraucher-Apps (10,5 %), Medien- und Kreativwirtschaft (8,7 %), Online_Marktplätze 7,1 %).

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