Putzhilfen Homejoy will von Berlin aus den Markt aufmischen

Foto: Reto Klar

Das US-Start-up vermittelt Putzhilfen und wird vor allem von Google finanziert. In Berlin trifft das Unternehmen auf aggressive Konkurrenten wie Helpling, Clean Agents oder Zeitreicher.

In den noch jungen Markt für die Vermittlung von Putzhilfen für private Haushalte kommt Bewegung. Der US-Anbieter Homejoy ist am Donnerstag offiziell in Berlin gestartet. Das maßgeblich vom Suchmaschinenkonzern Google finanzierte Start-up plant von Berlin aus die schnelle Expansion in Deutschland, sagte Deutschlandchef Michael Riegel. In London ist das Unternehmen bereits seit April aktiv.

In Berlin trifft das Unternehmen unter anderem auf die nach dem US-Vorbild gegründeten Anbieter Helpling, Clean Agents, Zeitreicher und Book a Tiger. Vor allem das von Rocket Internet, der Start-up-Fabrik der Gebrüder Samwer, gegründete Helpling hat seit seinem Start im April einen aggressiven Expansionskurs hingelegt und ist in mittlerweile fünf europäischen Ländern aktiv.

Die Unternehmen betreiben Onlinemarktplätze, auf denen Reinigungskräfte ihre Dienstleistungen für Privatpersonen anbieten können. Die Start-ups vermitteln die Dienste und rechnen sie ab. Dafür erhalten sie eine Provision.

Nur jede zehnte Putzfrau arbeitet legal

Die Unternehmen setzen vor allem auf diejenigen Großstadtbewohner, die sich bislang gescheut haben, eine Reinigungskraft anzustellen. Etwa, weil es ihnen zu mühselig war, eine Putzfrau ihres Vertrauen zum Beispiel über die Arbeitsagentur zu suchen; schließlich bekommen nur Pflegekräfte einen noch intimeren Einblick in das Leben ihrer Auftraggeber. Oder aber, weil sie sich nicht auf Schwarzarbeit einlassen wollen. In den deutschen Privathaushalten wird vor allem an Gewerbe- und Finanzamt sowie den Sozialversicherungen vorbei geputzt. Nach Schätzungen arbeitet nur jede zehnte Putzfrau legal.

Mit der Folge, dass es gar keinen offenen Markt für solche Dienste gibt: Putzkräfte werden hinter vorgehaltener Hand weiterempfohlen, die gerade in Metropolen geforderten Preise stehen oft in keinem Verhältnis zur Leistung. Reklamationen sind nahezu unmöglich. Zugleich droht Auftraggebern immer Ärger mit dem Finanzamt. Deswegen denkt die Bundesregierung über eine eigene Plattform für die von Schwarzarbeit geprägte Branche nach – sehr zum Ärger der jungen Branche.

Die neuen Unternehmen vermitteln nach eigenen Angaben nur Putzkräfte mit Gewerbeschein, zudem müssen die Bewerber ihre Erfahrungen nachweisen und Testarbeiten erledigen, bevor sie vermittelt werden. Wer die Auswahl überstanden hat, dem versprechen die Unternehmen regelmäßige Aufträge, Hilfe beim Papierkram mit den Behörden und die Übernahme der Rechnungsstellung. Für die vermittelten Putzkräfte wird zudem eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen.

Anbieter Homejoy verlangt 15 Euro pro Stunde

Dem Auftraggeber wiederum ersparen die Vermittler das mühselige Auswahlverfahren. Dafür verlangen die Vermittler zwischen zwölf und 22 Euro. Homejoy liegt mit 15 Euro pro Stunde in der Mitte der Preisspanne. Alle Unternehmen werben allerdings mit dem Steuervorteil, weil haushaltsnahe Dienstleistungen teilweise abgesetzt werden können. Den Putzfrauen zahlt Homejoy im Schnitt 10,70 Euro aus.

Homejoy, 2012 von den Geschwistern Adora und Aaron Cheung in San Francisco gegründet, hatte im vergangenen Jahr mit seinem schnellen Wachstum in den USA für Furore gesorgt. Mittlerweile vermittelt Homejoy Putzkräfte in 35 US-Städten, immer zum Preis von 20 Dollar die Stunde. Im Dezember war Google als Investor eingestiegen. Insgesamt hat das Unternehmen bei Geldgebern bereits mehr als 40 Millionen Dollar (rund 30 Millionen Euro) eingesammelt. Der Großteil des Geldes fließt jetzt in die Expansion in Europa.

Den Berlin-Start hat Homejoy vorgezogen. Offenbar als Antwort auf den aggressiven Wachstumskurs von Samwers Helpling, auch wenn das Unternehmen das bestreitet. Wie Deutschlandchef Riegel sagte, will Homejoy im Juli in München starten und das Angebot dann schnell auf Hamburg, Köln und Frankfurt/Main ausweiten. Zudem soll die Expansion in Europa vorangetrieben werden. In allen größeren Ländern West- und Südeuropas will Homejoy bis Jahresende aktiv sein.

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