Übernahmegerüchte

Soundcloud und Twitter - das klingt nur gut

Der Kurznachrichtendienst Twitter will den Berliner Streaminganbieter Soundcloud kaufen. Das berichten US-Medien. Es wäre die teuerste Übernahme in der Unternehmensgeschichte - und keine einfache.

Foto: RED DG**NY** / AP

Es wäre eine dieser Verbindungen, von denen alle etwas hätten – zumindest auf den ersten Blick. Wenn Twitter tatsächlich die Berliner Musikplattform Soundcloud übernehmen sollte, dann könnte der US-Kurznachrichtendienst wieder eine Wachstumsgeschichte erzählen, die seine Aktionäre seit dem Börsengang schmerzlich vermissen. Twitter zählte Ende des ersten Quartals 255 Millionen Nutzer weltweit, beim Börsengang waren es kaum weniger.

Die zuletzt 250 Millionen Soundcloud-Nutzer wären da wie ein Adrenalin-Schub. Soundcloud gilt in den USA als heißer Tipp, was bislang nur wenigen Berliner Gründungen gelungen ist. Bei Soundcloud können Tondateien und Musik hochgeladen und geteilt werden. Das Start-up firmiert unter dem Namen "Youtube für Audiodateien".

Einmal abgesehen von dem Verkaufserlös für Gründer und Investoren könnten die Soundcloud-Macher um Alexander Ljung und Eric Wahlforss die Reichweite endlich in klingende Münze umsetzen. Zwar hat der Streamingdienst aus Berlin ein Bezahlmodell für professionelle Nutzer und Unternehmenswerbung eingeführt. Von Umsätzen in Milliardenhöhe, wie sie Twitter vor allem mit Werbung erzielt, ist das 2007 in Berlin gegründete Unternehmen aber Lichtjahre entfernt.

Und Berlin bekäme den herbeigesehnten großen Exit eines Start-ups, der die Gründerszene der Stadt endgültig auf die internationale Ebene heben würde.

Hohe Hürden für eine Übernahme

Noch ist die Übernahme nur eine unbestätigte Nachricht des US-Technologie-Blogs recode, der sich auf Insider in beiden Unternehmen beruft. Weder Twitter noch Soundcloud wollten den Bericht kommentieren. Spiegel Online berichtet gar, Twitter habe sich nach einer Prüfung bereits gegen die Übernahme entschieden.

Die Hürden sind auch hoch. Da ist zum einen der Preis. Die Übernahme von Soundcloud wäre die teuerste in der Twitter-Geschichte. Das Berliner Startup wurde im Zuge der letzten Finanzierungsrunde im Herbst auf mehr als 700 Millionen Dollar bewertet. Eine Übernahme dürfte deutlich teurer werden – für ein Unternehmen, dem Erlösquellen fehlen, und das weit vom Erreichen der Profitabilität entfernt ist. Zumal Twitter selbst keinen Gewinn macht, ist es fraglich, ob das Unternehmen das Geld aus dem Börsengang ausgerechnet in Berlin investiert.

Soundclouds Problem sind fehlende Musiklizenzen

Zum anderen arbeitet Soundcloud im Graubereich. Anfangs von semiprofessionellen Bands genutzt, um Demos ins Netz zu stellen, werden heute auf Soundcloud in jeder Minute Audiodateien im Volumen von zwölf Stunden hochgeladen. Darunter allerdings auch Musik, für die Soundcloud keine Lizenzen hat.

Zwar sollen Verhandlungen mit den Plattenfirmen laufen, eine Einigung gibt es aber nicht. Damit quält sich Soundcloud mit einem ähnlichen Problem wie Youtube in seinen Anfangstagen vor der Übernahme durch Google.

An den fehlenden Lizenzen war bereits eine erste Zusammenarbeit zwischen Twitter und Soundcloud im vergangenen Jahr gescheitert. Zumal Twitter-Nutzer Links auf Soundcloud-Dateien um ein Vielfaches mehr teilten, als etwa von Spotify, hatte Soundcloud ursprünglich Partner bei Twitters Musikdienst Twitter Music werden sollen. Angesichts möglicher Rechtsstreitigkeiten verzichtete Twitter auf die Partnerschaft bei Twitter Music, das letztlich kläglich scheiterte und im März abgeschaltet wurde.

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