Rocket Internet

Helpling vermittelt in Berlin Putzfrauen auf Mausklick

Der Start-up-Finanzierer Rocket Internet ist im Onlinehandel groß geworden. Jetzt vermitteln die Berliner immer mehr Dienstleistungen. Am Montag starten sie die Vermittlung von Haushaltshilfen.

Foto: helpling

Oliver Samwers Start-up-Fabrik Rocket Internet baut ihr Dienstleistungsgeschäft aus. Nach Wimdu, dem Vermittler von Ferienwohnungen, und den beiden Kreditvermittlern Zencap und Lendico hat Rocket Internet jetzt Helpling gestartet.

Hepling ist ein Online-Marktplatz, auf dem Reinigungskräfte ihre Dienstleistungen für Privatpersonen anbieten können. Helpling vermittelt die Dienste und rechnet sie ab. Dafür erhält das Unternehmen eine Provision.

Damit versucht Rocket Internet ein Geschäftsmodell zu kopieren, das in den USA für Furore sorgt, seit sich der Suchmaschinenkonzern Google im Dezember an dem Start-up Homejoy beteiligt hat. Insgesamt hat das 2012 gegründete Homejoy, das Haushaltshilfen für den Festpreis von 20 Dollar pro Stunde vermittelt, bei Investoren bereits mehr als 40 Millionen Dollar eingesammelt.

Vorbereitungen für eine schnelle internationale Expansion

Samwers Helpling ist vorerst in Berlin aktiv, soll in den kommenden Wochen aber auch in Hamburg und Köln starten. Frankfurt/Main und München sollen folgen. Bis zum Jahresende will Co-Geschäftsführer Benedikt Franke den Vermittlungsdienst in den 25 größten Städten Deutschlands anbieten, wie er der Berliner Morgenpost sagte.

Parallel laufen – wie bei Rocket Internet üblich – die Vorbereitungen für eine schnelle internationale Expansion. Zum Zeitplan will sich Franke vorerst aber nicht äußern. Auch wie viel Geld Rocket Internet in den neuen Dienst investiert, lassen Franke und sein Mitgründer Philip Huffmann offen.

Klar ist: Es wird nicht einfach, der Markt ist undurchsichtig. Und: Helpling ist nicht das erste Unternehmen, das sich an dem Vermittlungsgeschäft versucht. Keines war bislang flächendeckend erfolgreich.

Zuletzt ist im Sommer 2013 in Berlin Cleanagents an den Start gegangen, das seine Dienste mittlerweile auch in Frankfurt und Köln anbietet. Seit der Start von Helpling bekannt wurde, drückt Cleanagents aufs Tempo, weitere Städte zu erschließen. Um die Expansion zu beschleunigen, sucht das Unternehmen aber noch nach Investoren. Bislang wurde Cleanagents durch You is Now, das Start-up-Förderprogramm des Berliner Wohnungsportals Immoscout24, unterstützt.

Nach Schätzungen arbeitet jede zehnte Putzfrau legal

Cleanagents und Helpling setzen vor allem auf diejenigen Großstadtbewohner, die sich bislang gescheut haben, eine Reinigungskraft anzustellen. Entweder, weil es ihnen zu mühselig war, eine Putzfrau ihres Vertrauen zum Beispiel über die Arbeitsagentur zu suchen. Schließlich bekommen nur Pflegekräfte einen noch intimeren Einblick in das Leben ihrer Auftraggeber.

Oder aber, weil sie sich nicht auf Schwarzarbeit einlassen wollen. In den deutschen Privathaushalten wird vor allem an Gewerbe- und Finanzamt sowie den Sozialversicherungen vorbei geputzt. Nach Schätzungen arbeitet nur jede zehnte Putzfrau legal.

Mit der Folge, dass es gar keinen offenen Markt für solche Dienste gibt: Putzkräfte werden hinter vorgehaltener Hand weiterempfohlen, die gerade in Metropolen geforderten Preise stehen oftmals in keinem Verhältnis zur Leistung. Reklamationen sind nahezu unmöglich. Zugleich droht Auftraggebern immer Ärger mit dem Finanzamt.

Helpling werde ausschließlich Putzkräfte mit Gewerbeschein vermitteln, sagte Franke. "Uns ist klar, dass wir damit den Schwarzmarkt angreifen."

Zudem werde nicht jede Haushaltshilfe vermittelt. Nach Fragebogen und persönlichem Gespräch müssen Putzkräfte, die von Helpling vermittelt werden wollen, unter fachkundiger Aufsicht eine Probereinigung absolvieren. Dazu hat das Unternehmen in Berlin ein fünfköpfiges Chefreinigungsteam engagiert, das die Arbeit der Bewerber bewertet. Derartige Auswahlteams soll es in allen Städten geben, in denen Helpling antritt.

Hilfe zum einmaligen Putzen oder regelmäßig

Wer die Auswahl überstanden hat, dem verspricht Helpling regelmäßige Aufträge, Hilfe beim Papierkram mit den Behörden und die Übernahme der Rechnungstellung. Für die vermittelten Putzkräfte wird zudem eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen.

Dem Auftraggeber wiederum erspare der Vermittler das Auswahlverfahren. "Auf unser Website kann man in wenig mehr als 60 Sekunden eine vertrauenswürdige Putzkraft buchen", sagte Franke. Zum einmaligen Putzen oder regelmäßig. Zugleich sind Standardpreise für die Arbeiten festgelegt, bezahlt werde ausschließlich online. Und Helpling wirbt mit dem Steuervorteil, weil haushaltsnahe Dienstleistungen teilweise abgesetzt werden können. Sollten gebuchte Putzfrauen ausfallen, organisiere Helpling Ersatz.

Mit dem Marktstart ist das Team bereits auf 40 Mitarbeiter angewachsen, so Franke. Darüber hinaus kann Helpling wie üblich die Dienste der Start-up-Fabrik nutzen. Eine naheliegende Ausweitung der angebotenen Dienste auf Babysitter oder Pflegekräfte sei nicht ausgeschlossen, sagte Franke, aber derzeit kein Thema. "Wohnungsreinigung ist für uns derzeit so groß, dass wir uns allein darauf konzentrieren." Um zu verstehen, wie groß eine professionelle Wohnungsreinigung ist, haben Franke und Huffmann unter den Augen der Chefreiniger selbst Wohnungen geputzt.

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