Risikokapital

Wie Project A in zwei Jahren 25 Start-ups aufgebaut hat

Foto: Jürgen Stüber

Zwei Jahre nach dem Ausstieg präsentieren vier Ex-Manager der Start-up-Fabrik Rocket Internet ihre Erfolgsgeschichte. Project A Ventures hat 25 Firmen aufgebaut und zwei für Millionenbeträge verkauft.

Sie ritten die Welle des Erfolgs. Doch die war am Ende nicht hoch genug. Die Top-Manager der Start-up-Schmiede Rocket Internet stiegen aus und gründeten das Wagniskapitalunternehmen Project A Ventures. Zwei Jahre danach präsentieren sie ihr Konzept und ihre ersten Erfolge. Ihre Strategie ist anders als die großer Teile der Risikokapitalbranche.

Die Geschäftsführer Florian Heinemann, Uwe Horstmann, Christian Weiß und Thies Sander haben Anfang 2012 Project A Ventures gegründet. Mit einem Team aus 100 Experten haben sie 25 Unternehmen in mehr als 30 Ländern aufgebaut und zwei davon verkauft: den Online-Reifenhhändler Tirendo für 50 Millionen Euro an Mitbewerber Delticom, und Metrigo, einen Dienstleister für Echtzeit-Online-Marketing, für eine nicht genannte Summe an den Marktführer der Werbenetzwerke, Zanox. Der Medienkonzern Axel Springer (in dem auch die Berliner Morgenpost erscheint) ist an Project A Ventures beteiligt. Das Werbenetzwerk Zanox gehört mehrheitlich zu Axel Springer.

Project A sieht sich als "Company Builder"

Project A ist ihr Lebenswerk. "Gemeinsam mit dem Team sein eigenes Ding zu machen, ist extrem erfüllend", sagt Horstmann. "Es ist anstrengender und aufreibender. Aber es macht Spaß. Ich habe das noch nie bereut", so Horstmann. Er managte 2007 bis 2012 als Geschäftsführer internationale Roll-outs des E-Commerce-Riesen Rocket Internet. Heinemann war dort 2007 bis 2012 ebenfalls als Geschäftsführer unter anderem für die Online-Partnervermittlung eDarling und den Internet-Modehändler Zalando zuständig.

Sander, der dritte Gründer, arbeitete zuletzt als CEO von toptarif.de, einem Vergleichsportal für Finanzdienstleistungen aus dem Rocket-Imperium. Weiß war Gründungsgeschäftsführer der Start-up-Fabrik. Alle vier haben die Elitehochschule WHU (Otto Beisheim School of Management) besucht.

Project A sieht sich als "Company Builder". "Bei uns fließt neben dem Kapital auch unsere operative Expertise in das Unternehmen", sagt Florian Heinemann. "Unsere Experten haben in den letzen 15 Jahren mehr als 50 marktführende Unternehmen aufgebaut." Ziel sei, nachhaltige Unternehmenswerte zu schaffen. "Wir glauben an die Kombination von professioneller Umsetzung, Kreativität und Innovation."

Ideen entstehen auch innerhalb des Unternehmens

Digitale Geschäftsideen werden bei Project A Ventures in einer frühen Phase umgesetzt (Inkubation). Anschließend werden die Teams bei der weiteren Entwicklung unterstützt (Acceleration). In dieser Phase erhalten sie Hilfe bei der Internationalisierung und dem Wachstum. Neue Ideen sammelt Project A nicht nur auf dem freien Markt. Sie entstehen auch innerhalb des Unternehmens. Eine ganze Abteilung des Wagniskapitalgebers ist damit beschäftigt, Ideen lange vor einer möglichen Markteinführung auf ihre Chancen zu testen.

Durchschnittlich scheitern sechs von zehn Start-ups, drei überleben, und eines wird ein Erfolg. "Da braucht man gute Nerven. Doch wir nehmen da durch unsere operative Expertise Risiko raus", sagt Horstmann, der von einer besseren Quote bei den eigenen Portfolio-Unternehmen spricht. Die schwierigste Aufgabe bleibt, die richtigen Ideen zu finden. "Wir wählen aus ungefähr 500 Ideen fünf bis sechs aus", sagt der Investor.

Evolution des Onlinehandels angestrebt

Unterschiede zu anderen Kapitalgebern gibt es auch bei der Finanzierung: "Die Laufzeit des Project A Fonds ist zeitlich begrenzt, aber wir verfolgen insgesamt eine langfristigere Perspektive", sagt Horstmann. So ist Project A nicht nur ein Partner der Gründer. "Wir sind auch ein gefragter Partner für Investoren – Risikokapitalgeber (VC) ebenso wie Family Offices", sagt Uwe Horstmann (Family Offices sind Vermögensverwaltungen reicher Privatleute, die riskant in Innovationen investieren wollen).

Das führt zu Synergien bei Investments, wie im Fall des Online-Kunsthandels Saatchi Art, wo Project A und Balderton Capital gemeinsam als Investoren auftraten. Es war das erste Engagement des Unternehmens in den USA.

Einer der von Project A verfolgten Ansätze ist die Evolution des Onlinehandels. Einfach Produkte ins Internet zu stellen und zum Verkauf anzubieten, das funktioniert heute nicht mehr. Heute geht es darum, komplexe Marktplätze zu bieten, auf denen nicht nur das Produkt sondern auch ein Mehrwert, der dazu passt, angeboten wird. Häufig handelt es sich dabei – wie etwa bei Saatchi um Dienstleistungen. "Dadurch entstehen neue Möglichkeiten im E-Commerce – zum Beispiel im hochpreisigen Kunstmarkt", sagt Uwe Horstmann.

Erfolge schnell messbar

Eine Zukunftsaufgabe werde sein, neue komplexe Marktplätze zu finden, sagt Horstmann. Mobile, Location Based Services und Echtzeit werden dabei beachtenswerte Aspekte sein. Ein weiteres Standbein des Unternehmens sind neben dem E-Commerce die AdTech-Firmen. Sie beschäftigen sich mit Echtzeit-Onlinemarketing. Ihr Ziel ist dabei, Anzeigenplätze auf Webseiten möglichst wirkungsvoll zu verkaufen beziehungsweise zu versteigern. Die Erfolge solcher Werbekampagnen lassen sich bereits einen Tag später messen.

"Das sind die Leute, die im Goldrausch die Schaufeln verkaufen", bringt Horstmann das Geschäftsmodell auf den Punkt. Diese Technologie sei erst am Anfang. "Wir werden hier noch viele neue Technologien sehen und geografisch neue Felder erschließen." Schwellenländer sind für Project A hoch interessant. Dabei ist Brasilien, das dem europäischen Kulturkreis am nächsten steht, der wohl interessanteste Markt.

Dort unterhält Project A eine Niederlassung mit 15 Mitarbeitern. Der Standort Berlin ist für die Gründer von Project A Ventures ideal. "Ein großer Vorteil ist die Internationalität der Stadt", sagt Florian Heinemann. Am Ort gebe es eine hohe Zahl an Muttersprachlern, mit denen leichter als anderswo internationale Projekte realisiert werden könnten.

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