Online-Handel Eine Frau steht künftig an der Spitze der Zalando AG

Foto: Bodo Marks / dpa

Zalando ist innerhalb weniger Jahre zum größten Online-Modehändler Deutschlands aufgestiegen. Jetzt beginnt ein neues Kapitel: Das Unternehmen wandelt sich in eine Aktiengesellschaft um

Der Berliner Modehändler Zalando wandelt sich von einer GmbH in eine Aktiengesellschaft um. Damit werden zumindest die theoretischen Grundvoraussetzungen für einen Börsengang geschaffen.

Über einen Börsengang wird seit langem spekuliert, eine Entscheidung ist aber offenbar noch nicht gefallen. Aufsichtsratsvorsitzende der neuen Zalando AG soll Mia Brunell Livfors werden, CEO des größten Zalando-Anteilseigners Kinnevik

Zalando selbst sprach am Mittwoch von einem lange geplanten Schritt in Richtung einer Unternehmensstruktur, die der Größe des Unternehmens und der großen Anzahl von Kapitalgebern gerecht werde. Dies gebe Zalando die Flexibilität, die für weitere Wachstum und die künftige Entwicklung notwendig sei, so ein Unternehmenssprecher. Die Änderung habe keine Auswirkungen auf das operative Geschäft oder die Rechtsform der Tochtergesellschaften.

Zalando wird mit 3,5 Mrd. Euro bewertet

Das 2008 als Schuhversandhändler in Berlin gegründete Unternehmen wird mittlerweile auf mehr als 3,5 Milliarden Euro bewertet. Mehr als 1000 Angestellte arbeiten allein in Berlin.

Bei dem Modehändler hatte im Sommer massive Veränderungen der Eigentümer-Struktur gegeben. Der Berliner Start-up-Investor Rocket Internet, der von den Gebrüdern Samwer kontrolliert wird, hatte seine Anteile auf die eigenen Anteilseigner übertragen. Damit wurde die schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevik zum größten Zalando-Teilhaber mit 37 Prozent.

Die Samwer-Brüder halten über ihr Investmentvehikel European Founders Fund 18 Prozent. Knapp zehn Prozent hält der dänische Modekonzern Bestseller, der weltweit Modemarken wie Jack&Jones, Vera Moda und Selected verkauft. Dazu kommen kleinere Anteilseigner wie der kanadische Lehrer-Pensionsfonds OTPP.

Umsatz im ersten Halbjahr bei mehr als 800 Mio. Euro

Zalando mischte den Online-Modehandel in Deutschland dank einer einprägsamen Werbekampagne und dem Geschäftsmodell mit lockeren Rückgabe-Bestimmungen auf. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr mit 1,15 Milliarden Euro Umsatz erstmals die Marke von einer Milliarde überschritten.

In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres war das Geschäft wegen des kalten Frühjahrs allerdings hinter den Erwartungen geblieben. Zalando weist für das erste Halbjahr einen Umsatz von 809 Millionen Euro aus. Das ursprüngliche Jahresziel von knapp zwei Milliarden Euro dürfte daher schwer zu erreichen sein.

Luxus-Plattform Emeza wird eingestellt

Angesichts einer schnellen Expansion schreibt das Unternehmen noch rote Zahlen. Zumindest in der Kernregion Deutschland, Österreich und Schweiz ist Zalando nach eigenen Angaben aber operativ profitabel. Zalando ist in mittlerweile 14 Ländern Europas aktiv.

Neben dem Umbau der Gesellschaftsstruktur ordnet Zalando auch das Geschäft neu. Wie Gründerszene in dieser Woche als erste berichtete, stellt das Unternehmen die erst zu Jahresanfang gestartete Luxus-Tochter Emeza ein. Ziel von Emeza war es, als Händler für Luxusartikel das obere Preissegment zu bedienen. Die Zwei-Plattformen-Strategie ist nicht aufgegangen. Jetzt wird die Luxusware in das Zalando-Kerngeschäft integriert.

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