Start-up

App sorgt für Freiräume in der übervernetzten Welt

Im Zeitalter von Smartphones und Tablets sind Menschen rund um die Uhr erreichbar - ob gewollt oder nicht. Ein Start-up hat nun eine App entwickelt, die Nachrichten und Anrufe zeitweilig blockiert.

Foto: Offtime

Selbst bei Menschen, die mit dem mobilen Internet nicht auf Kriegsfuß stehen und als sogenannte Digital Natives gelten, ist die permanente Erreichbarkeit durch Mails, Kurznachrichten und soziale Netzwerke umstritten. Auch sie wollen gelegentlich abschalten, um entweder einfach ihre Ruhe zu haben oder sich auf eine wichtige Aufgabe konzentrieren zu können. Aber auch sie wissen: "Das ist wie mit Süßigkeiten. Wenn sie da sind, nascht man davon." Das sagt Alexander Steinhart, einer der vier Gründer des Start-ups Offtime.

Die Entwickler der Android-App "Offtime" wollen ihren Nutzern Freiräume in der übervernetzten Welt schaffen, ohne dass diese etwas verpassen. Das Programm ist in der Entwicklungsphase und deshalb noch nicht im App Store verfügbar. Mit der App können Anrufe und SMS-Nachrichten für einen wählbaren Zeitraum abgeschaltet werden. Ausnahmen sind einstellbar, sodass wichtige Nachrichten etwa der Eltern oder des Partners den Smartphone-Nutzer weiter erreichen.

Blockierung gilt auch für Apps

Auch Apps lassen sich abschalten. Der Nutzer hat die Möglichkeit, unterschiedliche Profile für seine Erreichbarkeit zu wählen – eine absolute Nachrichtensperre für die Zeit von Konferenzen etwa oder ein eingeschränkter Abwesenheitsagent für Zeiten, in denen der Nutzer einfach nur seine Ruhe haben will. Die Abwesenheitszeiten lassen sich mit Einträgen im Smartphone-Kalender steuern.

Mithilfe eines eingebauten "Habit Lab" lässt sich das Nutzerverhalten grafisch darstellen. Es zeigt an, welche Apps wie häufig und zu welcher Zeit benutzt wurden – eine Art Selbstkontrolle für den Nutzer.

Crowdfunding brachte bereits 6000 Euro ein

Nach dem Abschluss des hub:raum-Accelerator-Programms der Deutschen Telekom – damals noch unter dem missverständlichen Start-up-Namen "Master and Slave" – sammeln die Gründer nun Startkapital im Internet und haben dazu eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. 25.000 Euro wollen sie sammeln. Anfang Juli hatten sie bereits mehr als 6000 Euro zusammen. Die App soll in den nächsten Wochen zunächst den Crowd-Investoren zum Testen zur Verfügung gestellt werden. Danach werden die Anregungen der Tester in die App integriert. Wie lange diese Phase dauern wird, ist nach Angaben von Alexander Steinhart noch unklar. Im Anschluss daran ist eine offene Beta-Phase geplant.

Debatte um Dauererreichbarkeit

Aktualität hat die Debatte um dauernde Erreichbarkeit per E-Mail oder Smartphone durch den Fall eines Berliner Politikers erhalten, der in seiner Abwesenheitsnotiz ankündigte, alle während seines Urlaubs eingehende Mails ungelesen zu löschen. Darf man E-Mails löschen? "Jein", sagt der Offtime-Gründer. "Man darf es, wenn es eine klare Kommunikation gibt", meint Alexander Steinhart – wenn ein Vertreter benannt wird, der sich um das Anliegen der Schreiber kümmert, oder wenn die Sekretärin die eingegangenen Mails sichtet.

Dauererreichbarkeit oder auch mal ein Klares: "Ich bin nicht da"? Abwesenheitsnotiz oder keine Rückmeldung? Was halten Sie für den richtigen Weg? Nutzen Sie die Kommentarfunktion unter dem Artikel, um Ihre Meinung zu sagen.

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