Biotech-Start-up Ein Navi für Chirurgen – Millionenvertrag für Fiagon

Foto: BÄRBEL SCHMIDT / Deutscher Gründerpreis/Bärbel Schmidt

Die Biotech-Firma Fiagon hat ein Navigationssystem für Chirurgen erfunden, das während Operationen die Position der Instrumente anzeigt. Das Start-up hat einen Millionenvertrag unterschrieben.

Das Biotech-Unternehmen Fiagon aus Hennigsdorf bei Berlin hat einen Rahmenvertrag mit einer mehrjährigen Laufzeit über 1,5 Millionen Euro mit einem israelischen Handelsunternehmen abgeschlossen. Fiagon war Teil der Start-up-Delegation, die mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) nach Israel gereist war. "Die Reise war ein großer Erfolg für unser Unternehmen", sagte Fiagon-Gründer Timo Krüger.

Außer dem Vertragsabschluss hat das Unternehmen Kontakte zu israelischen Start-ups knüpfen können – zu "Zrro", dem Entwickler eines dreidimensionalen Touch-Verfahrens, und dem Entwickler eines Bio-Gaming-Projekts für Reha-Patienten. "Viele Patienten empfinden Reha als langweilig. Das Spiel soll der Behandlung einen Fun-Faktor geben", sagt Krüger.

Fiagon hat Sensoren für endoskopische Eingriffe entwickelt. Die Flexsensor-Technologie des Unternehmens wird in chirurgische Instrumente eingebaut. Damit kann der Operateur bei Operationen im Kopf oder an der Wirbelsäule die exakte Position seiner Instrumente erkennen.

Hightech-Sensor für Operationen

Der Chirurg orientiert sich bislang bei Operationen im Kopfraum an Röntgenbildern des Patienten. Mit dem 0,4 Millimeter kleinen Flexsensor von Fiagon kann der Operateur in Echtzeit genau verfolgen, was er tut: Der Sensor sendet schwache elektromagnetische Impulse an den Computer, der die genaue Position des Instruments direkt in das Bild auf dem Monitor einblendet, auf den der Operateur schaut.

"Unser System ist so klein, dass es in jedes beliebige medizinische Instrument passt, beispielsweise einen Sauger, einen Bohrer oder eine Hohlnadel", erklärt Timo Krüger. Das Fiagon-System brauche im OP-Saal kaum Platz, sei ohne langwierigen Aufbau startklar und lasse sich intuitiv ohne Tastatur bedienen.

Gründerpreis für junges Unternehmen

Fiagon hat für seine Erfindung im April 2013 den Gründerpreis der KfW-Bankengruppe gewonnen. Und das Unternehmen war auch für den Deutschen Gründerpreis (ZDF, Porsche, Stern) nominiert. Dort machte allerdings das Start-up "myMuesli" aus Passau in der Kategorie "Aufsteiger" das Rennen.

Die Gründungsidee entstand während eines Forschungsprojekts an der Charité in Berlin zum Thema Klinische Navigation und Robotik. Dort promovierte der Vermessungsingenieur Timo Krüger, dem seine vorherigen Jobs als Kartograf in Afrika und bei der Vermessung von Karosserien für einen Automobilzulieferer "zu langweilig" geworden waren, wie er sagt.

In 150 Krankenhäusern im Einsatz

Gemeinsam mit dem Elektro-Ingenieur Dirk Mucha entwickelte Krüger den Prototypen des mehrfach patentierten Systems. Die Gründer warben Beteiligungskapital beim High-Tech Gründerfonds ein und entwickelten das Navigationsinstrument zur Marktreife weiter.

Die Vorteile von Fiagon überzeugen inzwischen mehr als 150 Krankenhäuser in über 30 Ländern, darunter Unikliniken wie München, Moskau oder Rom. Aktuell werden rund 1500 Operationen pro Monat mit dem System durchgeführt, das Fiagon in Hennigsdorf bei Berlin fertigt.

1,5 Millionen Umsatz im Jahr 2012

"Seit 2011 arbeiten wir profitabel, im letzten Jahr haben wir unseren Umsatz verdreifacht", erklärt Krüger. Der Umsatz im Jahr 2012 wurde mit 1,5 Millionen Euro beziffert. Das Unternehmen wurde im Jahr 2007 gegründet und hat 30 Mitarbeiter. Es ist im Technologiepark "Blaues Wunder" in Hennigsdorf (Kreis Oberhavel) angesiedelt.

Mittelfristig wollen die Unternehmer ihre Sensortechnologie auch niedergelassenen Ärzten anbieten. Außerdem entwickeln sie das Produkt für Eingriffe an der Wirbelsäule oder im Bauchraum weiter. Sie wollen die Start-up-Ecke schnell hinter sich lassen und in den Weltmarkt vorstoßen.

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