Internethandel

Zalando hebt Stundenlohn an – aber Amazon zahlt mehr

Foto: Martin Schutt / dpa

Während die Gewerkschaft Ver.di in den Amazon-Logistikzentren Streiks organisiert, verkündet der Berliner Modeversender Zalando eine kleine Lohnerhöhung – auf 8,79 Euro je Stunde.

Mitten im Tarifstreit zwischen dem Versandkonzern Amazon und der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di meldet Zalando eine Lohnerhöhung für die Mitarbeiter seiner Logistikzentren. Der Berliner Modeversender hebt das Einstiegsgehalt an den Standorten Erfurt und Brieselang von 8,53 Euro pro Stunde auf 8,79 Euro an. Die Lohnerhöhung gilt nicht für das brandenburgische Großbeeren, wo ein Dienstleister für Zalando ein Lager betreibt. Dort erhalten Mitarbeiter zwischen 7,58 und 7,80 Euro je Stunde. Ein Zalando-Sprecher sprach von der "üblichen jährlichen Lohnerhöhung". Ein Zusammenhang mit dem Konflikt Amazon/Ver.di bestünde nicht.

Tarifstreit Amazon/Ver.di

Dabei dürfte aber auch Zalando genau verfolgen, wie der Streit zwischen Amazon und Ver.di ausgehen. Nach Gewerkschaftslogik müsste Amazon einen Stundenlohn nach dem Tarifwerk des Versandhandels zahlen. Dann würde Ver.di zufolge ein Einstiegsgehalt zwischen 11,47 und 11,96 Euro je Stunde in den acht deutschen Logistikzentren gelten. Derzeit sind es zwischen 9,65 und 11,12 Euro je Stunde – zwar weniger, als nach Tarifvertrag des Versandhandels üblich, dafür aber mehr als bei Zalando. Am Mittwoch streikten im größten Amazon-Lager im hessischen Bad Hersfeld rund 300 Mitarbeiter für eine Lohnanhebung. Insgesamt arbeiten rund 9000 Menschen in Deutschland für Amazon.

"Noch nicht profitabel"

Zalando begründet die Lohndifferenz zu Amazon mit dem jungen Alter des Unternehmens. Zalando wurde im Jahr 2008 gegründet. "Außerdem sind wir noch nicht profitabel", hieß es. Auf Dauer werde man aber bei der Bezahlung auf das Niveau von Amazon kommen. Zudem verweist Zalando darauf, dass zusätzlich zum Lohn weitere Leistungen gewährt würden, darunter eine Altersvorsorge, Tickte für den öffentlichen Nahverkehr und Bestellgutscheine. In den beiden Zalando-Zentren Brieselang und Erfurt arbeiten insgesamt 2500 Menschen. In Großbeeren sind für Amazon etwa 1000 Menschen tätig. Sie sind beim Betreiber des Großlagers, dem holländischen Unternehmen Docdata angestellt.

Die Arbeitsbedingungen bei Internet-Kaufhäusern rücken zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit. Insbesondere eine Fernseh-Dokumentation über die Arbeitsbedingungen von Leiharbeiter bei Amazon befeuerte die Debatte. Zudem kümmert sich die Gewerkschaft Ver.di seit geraumer Zeit intensiver um die Internet-Unternehmen.

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