Start-ups in Berlin Was für ein Unternehmen Rocket Internet ist

Foto: Amin Akhtar

Alexander Kudlich ist seit 2011 Geschäftsführer von Rocket Internet, dem größten sogenannten Internet-Inkubator der Welt. Die Morgenpost sprach mit ihm über Tochterfirmen, Geschäftsideen und Ziele.

Berliner Morgenpost: Herr Kudlich, wie würden Sie einem Laien erklären, was Rocket Internet für ein Unternehmen ist?

Alexander Kudlich: Wir bauen bei Rocket Internet mit großer Leidenschaft weltweit Firmen auf. Das, was ein einzelner Unternehmer macht, wenn er eine Firma hochzieht, machen wir gleichzeitig mit mehreren Unternehmen. Wir besorgen die Finanzierung und die Leute, die nötig sind, um ein Internet-Unternehmen aufzubauen und unterstützen es parallel operativ mit unseren Experten in allen wichtigen Funktionsbereichen. Was bemerkenswert ist: Viele unserer Firmen haben ihren Sitz in Berlin, sind aber in weit entfernten Märkten tätig. Foodpanda – ein Aggregator von Restaurant-Lieferdiensten – agiert beispielsweise in 27 Ländern auf vier Kontinenten. Oder Pricepanda, ein Vergleichsportal, ist in Indonesien, Singapur, auf den Philippinen und in Malaysia aktiv. Durch unsere vielen Muttersprachler, die bei uns in der Berliner Johannisstraße arbeiten, können wir die jeweiligen Märkte von Deutschland aus steuern und unterstützen.

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, welche Geschäftsideen sich lohnen?

Es sind im Wesentlichen drei Kriterien: Ist der Markt groß genug? Kann das Geschäftsmodell nachhaltig profitabel sein? Können wir noch die Nummer eins werden? Wir konzentrieren uns dabei eher auf erprobte Geschäftsmodelle. Der Impuls geht in der Regel von uns aus. Wenn jemand mit einer Idee zu uns kommt, gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder ist die Idee so neu, dass sie noch nicht erprobt wurde. Dann sind wir in der Regel nicht die richtigen Ansprechpartner. Ist es aber ein erprobtes Geschäftsmodell, gibt es normalerweise Gründe, warum wir es bislang nicht versucht haben.

Wie lange brauchen Sie denn, um eine Firma zum Laufen zu kriegen?

Da sind wir ziemlich schnell. Wenn wir uns beeilen, können wir in vier Wochen live gehen. Ein Großteil ist bei uns als Prozessmodul vorhanden: Beispielsweise im Bereich Software, Systeme für Online-Marketing, Customer Relationship Management und so weiter. Aber letztlich geht es nicht um den Sprint am Anfang, sondern um den gesamten Marathon – und der dauert eher drei bis vier Jahre. Rocket Internet ist mit seinen rund 600 Spezialisten in den Portfolio-Firmen in über 40 Ländern sehr operativ involviert, davon natürlich in den ersten Monaten am stärksten.

Darunter sind recht exotische Länder. Wo ist es denn für Sie am schwierigsten?

Das lässt sich schwer sagen. Ob Sie nun ein Essenslieferdienst-Portal in Pakistan betreiben oder E-Commerce in Nigeria oder Indien: Überall gibt es operative Herausforderungen, die man bewältigen muss. Zum Beispiel übernehmen in einigen Ländern unsere Unternehmen selbst die letzte Meile bei der Lieferung, in manchen Ländern kommt man nicht an "Cash on Delivery" (Ware gegen Bargeld) vorbei, da Online-Zahlungen noch nicht etabliert genug sind. Man kann nicht vorab alle Herausforderungen erkennen, wir lösen sie eher im laufenden Betrieb. Aber wenn wir uns für ein Land entscheiden, fangen wir einfach an. Wir gehen immer davon aus, die operativen Probleme lösen zu können.

Früher ging es darum, Firmen schnell groß zu machen und dann zu verkaufen. Jetzt bauen Sie beispielsweise für den Online-Modehänder Zalando Logistikzentren, entwickeln Eigenmarken. Wohin wollen Sie mit Rocket Internet?

Wir wollen immer das führende Unternehmen im jeweiligen Segment im jeweiligen Land aufbauen. In aller Regel dauert es drei bis fünf Jahre, bis es nachhaltig erfolgreich und profitabel ist. Danach gibt es viele Möglichkeiten. Hier bei Rocket Internet fokussieren wir uns darauf, dass Firmen operativ erfolgreich werden. Was mit ihnen geschieht – ob sie lange gehalten oder veräußert werden –, entscheiden am Ende die Gesellschafter.

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